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Neu-Ulm

18.04.2019

Das „Rollstuhl-Taxi“ fährt Senioren durch Ulm und Neu-Ulm

Rosalia Scheiffele, Bewohnerin des Awo-Seniorenzentrums Neu-Ulm, und Hans Peter Gester vom ADFC drehen mit dem neuen Rollstuhlfahrrad eine Runde an der Donau.
Bild: Alexander Kaya

Ein Spezialfahrrad bringt Senioren in Ulm und Neu-Ulm ein Stück Mobilität zurück. Und das soll erst der Anfang sein.

Die Radl-Saison hat gerade erst angefangen, doch die Warteliste ist bereits lang: Im Awo-Seniorenzentrum Neu-Ulm gibt es seit Kurzem ein Transportfahrrad, mit dem sich Senioren im Rollstuhl herumfahren lassen können – ob zu einem Ausflug nach Ulm oder zu einem Arzttermin. Am Donauufer beim Edwin-Scharff-Haus wurde das Gefährt am Mittwoch eingeweiht und auf den Namen „Alfred“ getauft.

Gut ein Dutzend Bewohner des Seniorenheims schaute interessiert zu, als Fahrer Hans Peter Gester vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit Rosalia Scheiffele ein paar Runden drehte und zeigte, wie wendig die „elektrische Rollstuhl-Rikscha“ ist. „Wir wünschen allzeit gute Fahrt, Sonnenschein und Rückenwind“, freute sich Peter Beckmann, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Ulm/Alb-Donau.

Der ADFC rief das Projekt "Freunde auf drei Rädern" ins Leben

Der Fahrradklub hat vor zwei Jahren das Projekt „Freunde auf drei Rädern“ ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen wurden Ausfahrten für Rollstuhlfahrer mit einem Transport-Fahrrad organisiert. „Die Resonanz bei den Bewohnern war so überwältigend, dass die Idee entstand, so ein Fahrrad anzuschaffen“, sagte Heimleiterin Heidi Sawitzki von der Awo. Mit Unterstützung der Glücksspirale und der Sparkasse Neu-Ulm – Illertissen konnte jetzt das etwa 10000 Euro teure Gefährt angeschafft werden. Der Aktionsradius der Senioren werde damit erheblich erweitert. Manche der Bewohner sind dadurch zum ersten Mal seit Langem wieder nach Ulm gekommen. Auch Ausflüge ins Wiley oder nach Ludwigsfeld stehen auf dem Programm. Wer fährt, entscheidet letztlich eine Ergotherapeutin. „Jetzt ist Saisonstart, und wir arbeiten die Liste ab“, sagte Hans Peter Gester.

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Inzwischen gibt es vier solcher Räder in Ulm und Neu-Ulm, nämlich bei St. Anna, der Lebenshilfe, beim ASB und der Arbeiterwohlfahrt. Wenn es nach dem ADFC geht, sollen es bald noch viel mehr werden. „Das ist eine Vorzeigegeschichte“, zeigte sich Peter Beckmann überzeugt. Das Transportfahrrad ermögliche den alten Menschen, wieder stärker am Leben teilzunehmen und rauszukommen. Doch auch den Fahrern bringe das Projekt etwas: „Nach so einer Fahrt, da hast du automatisch ein Lachen im Gesicht.“ Der ADFC sucht nach wie vor Piloten, wie die Lenker der Spezialfahrzeuge genannt werden. Die Fahrer werden vor dem Start gründlich angeleitet.

Benötigt werden noch viele Helfer, denn der Bedarf der Senioren ist groß: „Es gibt eine Zielgruppe von 10000 Personen im Landkreis“, so Hans Peter Gester. Langfristig gehe es darum, den Radverkehr insgesamt zu stärken und die Flächen in der Stadt neu zu verteilen. „Da haben wir noch ein Stück vor uns.“ Peter Beckmann gab sich zuversichtlich: „Ich denke, es wird immer mehr solche Fahrräder geben. Und es wird ganz normal sein, dass Leute mit dem Rollstuhl-Taxi unterwegs sind.“ (mru)

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