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Neu-Ulm

14.09.2018

Das Smartphone wird an Schulen getestet

Sollen Kinder in Zukunft ihre Smartphones in der Schule auch privat nutzen dürfen? Und wenn Ja – in welchem Rahmen? Diese Fragen soll ein Modellversuch des bayerischen Kultusministeriums klären. <b>Symbolfoto: Alexander Kaya</b>

Bei einem Pilotprojekt im Landkreis geht es um die Frage, welchen Platz Handys in Zukunft im Klassenzimmer und in der Pause einnehmen sollen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze.

Smartphones sind mittlerweile aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auf dem Weg mit dem Bus in die Arbeit, abends auf dem Sofa oder im Wartezimmer beim Arzt: Überall informieren Menschen sich über das Geschehen in der Welt oder kommunizieren mit Freunden. Eine Ausnahme stellen bislang die Schulen dar, denn dort gilt meist: Handys müssen ausgeschaltet bleiben. Ist das sinnvoll – oder überhaupt nicht mehr zeitgemäß?

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Dies möchte das bayerische Kultusministerium in Form eines Modellversuchs testen. Dazu wurden in Schwaben 20 Schulen ausgewählt, die ab diesem Schuljahr neue Regeln zum Handygebrauch aufstellen können. In der Region sind vier Einrichtungen dabei: das Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Pfuhl und die Mittelschulen in Straß, Pfuhl und Neu-Ulm. Diese vier sollen in den nächsten zwei Schuljahren „eigenständig und praxisnah Regelungen erproben und damit alle Beteiligten vor Ort aktiv einbinden“, teilt Kultusminister Bernd Sibler in einer Pressemitteilung mit. Soll heißen: Alle beteiligten Schulen können intern überlegen, wie sie die private Handynutzung in der Schule regeln.

Eigentlich dürfen Smartphones nur auf Anweisung benutzt werden

Vor dem Modellversuch durften Smartphones in den Unterricht eingebunden werden, wenn der Lehrer etwa anhand einer App etwas erklärte oder ausprobieren ließ. Neu ist, dass Schüler ihr Handy auch privat nutzen dürfen. Am Ende des Versuchs will das Ministerium die Modellschulen mit denen vergleichen, die die derzeit geltenden strengeren Regeln anwenden.

Das Smartphone wird an Schulen getestet

Mark Lörz ist Direktor am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Pfuhl. Die Schule habe sich für den Versuch beworben, weil das Thema immer wichtiger werde. „Wir müssen uns der Realität stellen“, sagt der Schulleiter. Als Bildungseinrichtung habe man einen Erziehungsauftrag – und der gelte auch in Sachen Medien. „Jeder muss lernen, wie er mit dem Gerät umgeht.“ Ein Grund für die Bewerbung des Gymnasiums sei auch die in diesem Schuljahr beginnende Laptop-Klasse gewesen. Wenn man sich damit auf neues Terrain wage, lasse sich das gleich mit dem Modellversuch kombinieren. „Denn oft“, so Lörz, „kann der Lehrer ohnehin nicht kontrollieren, inwieweit sich Schüler an das Smartphone-Verbot haben.“ Vor allem bei den Älteren am Gymnasium sei das schlicht nicht möglich. Etwa wenn die Schüler sich im Oberstufen-Zimmer aufhalten, dort komme selten ein Lehrer rein.

Lörz weist zudem auf einen wichtigen Nebeneffekt hin: „Wenn wir das Smartphone verbieten, können wir in der Schule keine Kompetenzen vermitteln.“ Die Lehrer stecken in Pfuhl viel Zeit in diesen Versuch und machen Fortbildungen. Den Schülern soll beigebracht werden, wo sie am besten ihre Informationen herbekommen und was im Netz vielleicht nicht der Wahrheit entspricht. Ab Herbst soll es die neue Nutzungsordnung geben, bis dahin gilt in Pfuhl noch die alte. Die Details seien noch nicht abschließend besprochen, so Lörz. Daran nehme das Schulform mit Schulleitung, Lehrern, Eltern und Schülern Anteil. So viel ist bisher klar: Der Versuch gilt für Schüler der 10. bis 12. Klasse. Diese sollen dann zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten ihr Smartphone privat nutzen dürfen. Auch die Schüler finden den Modellversuch gut, wollen aber laut Schulleiter keine generelle Öffnung in Sachen Handy. „Da steht die Sucht dem Stress gegenüber“, sagt Lörz. Viele Schüler empfinden es demnach selber als entspannend, während der Schulzeit nicht erreichbar sein zu müssen – was sie in der heutigen Zeit sonst dauernd seien.

Die Jüngeren sollen von dem Versuch ausgenommen werden

Möglicherweise lasse sich das Modell später auch auf niedrigere Jahrgangsstufen anwenden, jedoch nicht auf die 5. bis 7. Klassen. „Ich halte ein generelles Verbot für die unteren Jahrgangsstufen für sinnvoll“, sagt Lörz. Bei den Jüngeren gebe es öfter Mobbing-Fälle, „und das nicht unbedingt aus Bösartigkeit, sondern weil sie einfach noch nicht abschätzen können, welche Wirkung Bilder und Ähnliches ausüben können“, sagt der Schulleiter.

An der Peter-Schöllhorn-Mittelschule in Neu-Ulm dürfen Schüler von der 8. bis zur 10. Klasse bei dem Versuch mitmachen – wenn die Eltern ihr Einverständnis geben. Dazu soll es demnächst einen Elternbrief geben. Die drei Lehrer Christian Jeske, Daniel Fecker und Markus Porst koordinieren den Modellversuch. Bisher wurden die Handys abgenommen und die Eltern mussten sie im Sekretariat abholen – jetzt ist es so geplant, dass sie im Unterricht auf dem Tisch liegen dürfen. In der Pause muss das Smartphone aber weiterhin aus bleiben. So wollen die Lehrer verhindern, dass Schüler andere ohne deren Wissen und Einverständnis fotografieren. Wenn das Gerät auf dem Tisch liege, sei die Kamera automatisch zugedeckt.

In Zukunft geht es darum, welchen Platz das Handy einnimmt

Selbstverständlich, so sagen die drei, dürfen die Schüler nicht einfach Nachrichten schreiben, während der Lehrer eine komplexe Mathe-Aufgabe erklärt. Doch es gebe immer mal wieder kleine Pausen, die dafür genutzt werden können. „Das Ziel ist, dass die Schüler selber erkennen, wann es okay ist, das Handy zu benutzen und wann es unhöflich oder störend wäre“, sagt Fecker. Auch deswegen denken sie, dass die unteren Jahrgangsstufen für das Modell nicht geeignet seien, ihnen fehle die Eigenverantwortung.

Die Lehrer finden die Idee des Modellversuchs gut. Ein wenig mehr Freiraum schade nicht, dieser stärke auch die Verantwortung. „Und Verbotenes ist immer stärker als das Erlaubte“, sagt Jeske. Während der Testphase wollen die Lehrer ihre Schüler noch mehr in Sachen Medienkompetenz begleiten. Denn in Zukunft gehe es nicht darum, „ob das Smartphone einen Platz in der Schule einnimmt, sondern welcher dies sein wird“, fasst Porst zusammen.

Es ist wichtig, den Umgang mit dem Smartphone zu lehren, schreibt Autorin Carolin Lindner in ihrem Kommentar. Denn Schulen müssen die digitale Zukunft mittragen.

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