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Ulm

01.10.2017

Das Super-Mikroskop ist jetzt in Ulm zu Hause

Entwickler Max Haider aus Heidelberg und Ute Kaiser von der Uni Ulm packen das Salve-Mikroskop aus, das jetzt noch aufgebaut werden muss.
Bild: Andreas Brücken

Für das mehr als zehn Millionen Euro teure Gerät wurde an der Universität ein eigenes Gebäude errichtet. Bis es in Betrieb genommen werden kann, dauert es aber noch.

Sieben Jahre hat die Entwicklung des vier Meter hohen, tonnenschweren Geräts gedauert. 10,6 Millionen Euro hat es gekostet. Auf dem Oberen Eselsberg an der Uni Ulm wurde dafür ein eigenes Gebäude errichtet. Und jetzt ist es da: das Salve-Mikroskop, das erste und bislang einzige Niederspannungs-Transmissionselektronenmikroskop (TEM) mit zweifacher Bildfehlerkorrektur weltweit. Im Laderaum eines Lastwagens wurden die Teile des High-Tech-Geräts in Kisten verpackt angeliefert. In der Nähe des Oberberghofs findet es nun ein neues Zuhause.

„Diese Technologie macht es möglich, nicht nur einzelne Atome sichtbar zu machen, sondern auch deren Bewegungen und Interaktionen mit nie gekannter Präzision zu erfassen“, sagt Salve-Projektleiterin Professorin Ute Kaiser über den Hintergrund des Supermikroskops. „Damit können auch strahlenempfindliche Materialien wie Biomoleküle oder ultradünne Materialien elektronenmikroskopisch untersucht werden.“ Die Physikerin leitet die Abteilung materialwissenschaftliche Elektronenmikroskopie an der Universität Ulm. Die Abkürzung Salve steht übrigens für „Sub-Angstrøm Low-Voltage Electron microscopy“ und ist das Akronym für eine seit 2009 laufende Forschungsinitiative der Universität Ulm. Ziel war die Entwicklung einer besonders materialschonenden Technologie zur atomar auflösenden elektronenmikroskopischen Abbildung. Seit der Fertigstellung des Gerätes im April vorigen Jahres stand es bei der Heidelberger Firma Ceos, die wie der Mikroskophersteller FEI zu den Projektpartnern der Universität gehört und das elektronenoptische Korrektorsystem entwickelt hat. Von Heidelberg aus wurde das Salve-Mikroskop nun von einer Spezialspedition über Stuttgart zu seinem neuen Domizil auf den Oberen Eselsberg gebracht.

In unmittelbarer Nähe zum Oberberghof steht das pünktlich zum Umzug fertiggestellte neue Mikroskopgebäude. Das zweistöckige Betongebäude, über dessen Eingang in großen Lettern das Wort Salve prangt, erscheint von außen recht unscheinbar, hat es aber in sich. Denn für den einwandfreien Betrieb des Super-Mikroskops muss der in nur eineinhalb Jahren erstellte Zweckbau höchste Anforderungen erfüllen. Elektronenmikroskope wie Salve, zu dem sich später noch das Titan-Mikroskop der Uni gesellen wird, müssen erschütterungsfrei aufgestellt sein, und das abgeschirmt von störenden Magnetfeldern in einer temperaturstabilen Umgebung. Die beiden Räume sind elastisch gelagert und haben, was ihre Schallabsorption betrifft, sogar Tonstudioqualität.

Das 3,85 Millionen Euro teure Gebäude ist zudem abgeschirmt gegen elektromagnetische Außenstrahlung und zusätzlich ausgestattet mit einer Magnetfeldkompensationsanlage. Mit der besonderen „Haus in Haus“-Konstruktion und dem aktiv gelagerten Sonderfundament bietet das neue Mikroskopgebäude einen besonderen Schutz vor Erschütterungen. Da der Neubau aufgrund des Straßenbahnbaus erst notwendig wurde, übernehmen die Stadtwerke Ulm (SWU) 44 Prozent der Gesamtkosten. Die restlichen 56 Prozent teilen sich die Universität Ulm und das Land Baden-Württemberg im Verhältnis zwei zu eins.

Bis das Mikroskop fertig aufgebaut und in Betrieb genommen werden kann, wird es noch eine Weile dauern. So lange müssen sich die Wissenschaftler noch gedulden, bis sie mit ihren materialwissenschaftlichen Forschungen am Salve-Gerät fortfahren können. (az)

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