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Ulm

19.01.2019

Das Urteil zu "Terror" im Theater: gelungen

Kommt gut an: Jakob Egger (links), mit Jochen Schreiber.
Bild: Kerstin Schomburg

Die Zuschauer loben nach der Premiere von „Terror“ im Theater Ulm Stück und Darsteller. Sogar jungen Juristen wird der Besuch empfohlen.

Selten diskutiert das Premierenpublikum im Theater Ulm während der Pause so engagiert und mit einem derartigen Geräuschpegell über ein Stück. Und selten ist es im Großen Haus während der Aufführung so still. Beides – Stille und heftige Diskussion – erzeugt Sarah Kohrs’ Ulmer Inszenierung von „Terror“ (unsere Premierenkritik lesen Sie hier). Ferdinand von Schirach Justizdrama, geschrieben 2015, ist derzeit das meistgespielte zeitgenössische Werk im deutschsprachigen Raum. Die Zuschauer, die zu Schöffen über die Tat des eines Kampfpiloten werden, der ein von Terroristen gekapertes Flugzeug abschießt, ehe Terroristen es auf die Münchner Allianz-Arena abstürzen lassen konnten, entscheiden sich bei der Premiere knapp zugunsten eines Freispruchs; das Urteil über das Stück aber fällt rundweg positiv aus.

„Ich finde das Stück super gemacht“, sagt Johanna Filbinger-Wagner. „Die Charaktere sind wirklich gut gespielt, nur die Staatsanwältin ein bisschen überzogen.“ Die Nebenklägerin werde sehr berührend dargestellt. Herausragend sieht die Ulmer Rechtsanwältin die Leistung von Jakob Egger in der Rolle des angeklagten Piloten, der überzeugt ist, dass richtig war, was er getan hat. „Ich finde, bei ihm kommt der Ehrgeiz des jungen Mannes klar rüber, und er spielt die Motive der Entscheidung des Piloten sehr überzeugend.“

Besonders Jakob Egger als Kampfpilot überzeugt das Publikum

Auch für den Ulmer Stefan Hartwig ist Egger der überragende Darsteller. „Die Aspekte seiner Entscheidung werden sehr detailliert geschildert.“ Er sei lange selbst als Schöffe tätig gewesen, sagt Hartwig. Das Stück sei allen angehenden Rechtsreferendaren zu empfehlen.

„Hervorragend“, lobt Barbara Treu aus Neu-Ulm die Inszenierung. „Die Dichte der Darstellung bannt den Zuschauer, sie beschäftigt sehr, weil die Frage nach Schuld eine komplexe ist.“ Sie schätze Ferdinand von Schirach als Autor und finde es toll, dass der Zuschauer abstimmen muss und damit viel stärker ins Stück einbezogen wird.

Auch für den Ulmer Sebastian Rößler ist der stärkste Eindruck der Premiere der Anstoß, über Verantwortung und Schuld nachzudenken. „Es ist eine gute Sache, das Publikum so einzubeziehen, dass man sich entscheiden muss.“ Er habe Lars Kraumes „Terror“-Fernsehverfilmung vor zwei Jahren gesehen, sagt Rößler, und sei sehr bewusst in die Aufführung gegangen.

„Die Inszenierung erinnert mich ein bisschen an das Theater Bert Brechts, weil sie den Zuschauer nicht unterhalten will, sondern zum Nachdenken bringt“, berichtet Michaela Settele. „Und das Stück ist sehr gut gemacht. Ich hatte zumeist das Gefühl, tatsächlich bei einer Verhandlung zu sein.“ Es sei eine tolle Idee, den Zuschauer in den Ausgang des Stückes einzubeziehen. „Ich war nur perplex von der Anzahl der Stimmen, denn es haben viel weniger Menschen abgestimmt, als im Großen Haus waren“, wundert sich die Neu-Ulmerin.

„Ich finde das Stück super, weil es mit etwas arbeitet, was jedem Rechtsbegriff entgegensteht – dass die Mehrheit über Schuld oder Unschuld entscheidet“, sagt der Ulmer Pfarrer Adelbert Schloz-Dürr. „Terror“ verlege die Frage, ob die Entscheidung des Piloten Schuld bedeutet oder nicht, auf eine menschliche Ebene. „Und dass die beiden besten Schauspieler des ‘alten’ Ensembles, Jakob Egger und Fabian Gröver, gemeinsam auf der Bühne stehen, das ist toll.“ (köd)

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