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Biberberg

10.02.2017

Das große Eschensterben wirkt sich auf den Verkehr aus

Helmut Baumhauer, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Weißenhorn (links), und Manfred Rolle, Revierleiter Biberachzell (rechts), zeigen, wo der Schädling zwischen Biberberg und Autenried im Wald gewütet hat. Ein Waldarbeiter setzt fürs Foto schon einmal die Kettensäge an.
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Helmut Baumhauer, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Weißenhorn (links), und Manfred Rolle, Revierleiter Biberachzell (rechts), zeigen, wo der Schädling zwischen Biberberg und Autenried im Wald gewütet hat. Ein Waldarbeiter setzt fürs Foto schon einmal die Kettensäge an.
Bild: Heike Schreiber

130 kranke Bäume entlang der Staatsstraße zwischen Biberberg und Autenried werden ab Montag gefällt. Autofahrer müssen größere Umleitungen in Kauf nehmen.

Der Name „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ klingt niedlich. Doch was der kleine Pilz anrichtet, ist gewaltig: Der vermutlich aus Asien eingeschleppte Schädling befällt Eschen so massiv, dass er eine ernste Bedrohung für die Baumart geworden ist. Im Wald, der entlang der Staatsstraße zwischen Autenried und Biberberg liegt, hat der Pilz so extrem gewütet, dass ab der nächsten Woche 130 kranke Eschen in unmittelbarer Straßennähe gefällt werden müssen. „Das tut uns extrem weh, aber uns bleibt nichts anderes übrig. Die Sicherheit geht vor“, begründet Manfred Rolle, Revierleiter Biberachzell, den radikalen Schritt. Für Autofahrer bedeutet dies, dass sie von Montag bis Samstag große Umwege in Kauf nehmen müssen, da die Straße größtenteils gesperrt wird.

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Dass die Eschen kränkeln, ist Helmut Baumhauer schon seit längerem bekannt. Als stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Weißenhorn ist er oft genug in den Wäldern der Landkreise Neu-Ulm und Günzburg unterwegs. Erst vor ein paar Jahren ist das Eschentriebsterben dort losgegangen. „Es konnte sich aber niemand vorstellen, mit welcher Geschwindigkeit es um sich greift“, sagt Baumhauer. Im Wald zwischen Biberberg und Autenried wachsen zu 90 Prozent Eschen, die feuchten Boden lieben.

Inzwischen gibt es aber kaum noch eine Esche, die nicht vom Stengelbecherchen befallen ist. Der Pilz hat sich auf diese Baumart spezialisiert, fängt in der Krone an und schädigt die Triebe, Blätter und Zweige vertrocknen. Baumhauer zeigt von einem Baum zum nächsten: Überall sind die Spuren des Schädlings zu sehen.

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Problem Nummer eins: Bei jedem Baum ist der Krankheitsverlauf anders, manchmal gebe es regelrechte „Krankheitsschübe“, wie es Baumhauer nennt. Der eine Baum falle schon nach einem Jahr um, ein anderer halte sich vielleicht länger. Resistent sei kaum einer. „Krankheitserreger gab es immer wieder, aber das ist eine neue Krankheit, der Globalisierung geschuldet, gegen die die Bäume nicht ankommen“, erklärt Baumhauer. Zweites Problem: Ist die Esche erst einmal krank, nistet sich fast immer ein zweiter Schädling, der „Hallimasch“, am Stammfuß ein.

Er zersetzt den Baum von unten her, früher oder später stürzt dieser ein. Da die meisten Eschen direkt am Straßenrand stehen und im schlimmsten Fall auf die Fahrbahn kippen könnten, muss laut Baumhauer sofort gehandelt werden. Das Straßenbauamt habe ihn bereits habe um genaue Überprüfung gebeten. „Das Risiko, dass Autofahrer zu Schaden kommen, können wir nicht eingehen. Dann stünden wir in der Haftung.“ Baumhauer ahnt allerdings jetzt schon, dass es Kritiker geben wird, die behaupten, der ganze Wald werde unnötig weggehackt. Dem entgegnet Baumhauer: Zum einen würden nur bestimmte Bäume entfernt, zum anderen sei es eine reine Sicherheitsmaßnahme. Er mache es nicht aus Spaß.

Auch Manfred Rolle, erst seit Oktober vergangenen Jahres neuer Revierleiter, „blutet das Herz“. Jetzt, wo der Wald perfekt wäre – nicht zu dicht gewachsen, wunderbar gemischt – muss so ausgedünnt werden. Die Eschen sind zwischen 80 und 120 Jahren alt, den kranken musste Rolle einen grünen Farbanstrich verpassen, das Zeichen für die Waldarbeiter, dass sie diese Gewächse umhauen können.

Am kommenden Montag geht es los mit den Baumfällarbeiten – eine logistische Herausforderung. Die die viel befahrene Straße muss fünf Tage lang gesperrt, der Verkehr weiträumig umgeleitet werden. 130 Bäume müssen innerhalb dieses Zeitraums auf einer Strecke von etwa 500 Metern gefällt und auf einen extra geschaffenen Lagerplatz geräumt werden. Vier Waldarbeiter sind mit schweren Maschinen, einer Harvester und zwei sogenannten Rückern, nahezu im Dauereinsatz. Damit der Berufsverkehr von der Sperrung verschont ist, wird die Straße erst ab 8.30 Uhr gesperrt und ab 16 Uhr wieder für die Autos freigegeben. Vorher muss aber noch die Kehrmaschine den gröbsten Dreck entfernen. Für die Arbeiter ist dann längst noch nicht Schluss, das Holz muss schnell verarbeitet werden.

Im Frühjahr wird das betroffene Gebiet mit passenden Nachpflanzungen aufgeforstet. Künftig werden neben der Staatsstraße Kirsch- und andere blühende, nicht zu hohe Bäume, und auch Büsche gepflanzt. „Eschen können wir da natürlich nicht mehr nehmen“, bedauert Baumhauer. Mit dieser Art könne in Zukunft nicht mehr geplant werden. Der Fachmann befürchtet, dass die Esche, immerhin als typische Auwald-Art ein wichtiger Bestandteil der Wälder an der Donau, auf Dauer verloren gehen wird. Denn die Baumfällaktion bei Autenried wird seiner Einschätzung nach erst der Anfang einer langen Kette sein.

Umleitung Die Staatsstraße zwischen Autenried und Biberberg wird von Montag, 13. Februar, bis Samstag, 18. Februar, jeweils zwischen 8.30 und 16 Uhr komplett gesperrt. Autofahrer werden über Oxenbronn, Rieden, Kissendorf, Ettlishofen und Hetschwang nach Biberberg umgeleitet.

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