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Nersingen

08.02.2015

Das kannst du deiner (Leih)oma erzählen

Sie spielen, sie lachen, sie lesen und lernen – Großeltern beschäftigen sich oftmals viel mit ihren Enkeln und entlasten meist die Eltern. Da nicht jede Familie diese familiäre Hilfe bekommt, gibt es das Nersinger Projekt „Leihoma“.
Bild: Marc Tirl/ dpa

Großeltern sind wichtig für Kinder. Doch was ist, wenn diese nicht mehr leben oder nicht im Umkreis wohnen? Ein Nersinger Verein hat eine Lösung gefunden.

„Der Bedarf wäre sicher noch höher, wenn alle sich melden würden, die Unterstützung brauchen“, sagt die 45-Jährige. Kurz nach der Vereinsgründung 2008 sei Clages und ihrem Team die Idee gekommen, das Projekt „Leihoma“ zu starten. „Heutzutage werden Omas immer wichtiger, da oft beide Elternteile arbeiten gehen und wenig Zeit für ihre Kinder haben“, sagt Clages. „Eine Person, zu der die Kinder Vertrauen haben, ist dabei von großer Bedeutung.“

Müller kann sich gut vorstellen, wie schwer es für Eltern ist, nach einer erst einmal unbekannten Betreuung für ihre Kinder zu fragen. „Ich habe höchsten Respekt davor, wenn Eltern so mutig sind.“ Doch es lohnt sich offenbar: Nach drei Jahren herrscht zwischen Felix, Lena und Leihoma Heidrun Müller ein vertrautes und liebevolles Verhältnis. „Es ist toll, wenn der Große von der Schule kommt und gleich der Oma das Zeugnis zeigen möchte“, sagt die 64-Jährige. Im Sommer sei ein Strauß Blumen vor ihrer Haustür gelegen – „von meinen Enkeln“. Diese Momente seien die Gründe, warum Müller sich für das Ehrenamt „Leihoma“ entschieden hat. „Man bekommt von den Kindern so viel zurück, sie teilen Freude mit einer erstaunlichen Ehrlichkeit.“ Die Leibierin bleibe zudem jung dabei. Ihr Mann und sie lesen gerne mit den Kindern, gehen spazieren oder spielen Spiele. „Wir zeigen ihnen, was wir als Kinder gemacht haben und sie zeigen uns, was sie heute gegen Langeweile unternehmen.“ Eine solche Zuneigung der Kinder erst einmal zu bekommen, ist manchmal ein schwieriger Weg. Das weiß auch „Leihoma Heidi“, daher war sie anfangs einmal die Woche bei der Nersinger Familie, um sich „langsam zu beschnuppern, etwas Routine in die Treffen zu bekommen“. Heute sprechen sich Leihoma und die Eltern der Leihenkel ab: „Wenn sie Hilfe brauchen, bin ich da. Wenn die Kinder von der Schule geholt werden müssen, weil die Eltern krank sind, machen mein Mann oder ich das. Alles nach Absprache.“

Müller ist nicht nur für die Kinder Bezugs- und Vertrauensperson, sondern auch für die Eltern: „Wenn sie über ihre Probleme sprechen wollen, höre ich ihnen gerne zu. Wie das eine Oma eben so macht.“

Eine solche, die nur ein paar Straßen weiter oder gleich im nächsten Ort wohnt, haben nicht alle Familien. Weil manche Mütter oder Väter wegen Beruf oder Partner weit von der leiblichen Großmutter weg wohnen würden, hätten die Kinder oft keine andere erwachsene Bezugsperson, sagt Vereinschefin Claudia Clages. „Hier kommen wir ins Spiel. Wir versuchen, Senioren oder andere Bürger, die Zeit und Geduld aufbringen können, mit den Hilfe suchenden Familien zusammenzubringen.“

Ganz so einfach läuft es aber nicht ab: Jede interessierte Leihoma oder jeder Leihopa würden vom Verein genau auf ihre Fähigkeiten und den Umgang mit Kindern geprüft. „Unsere Mitarbeiterin spricht zunächst mit den Eltern, danach überlegt sie, welche Leihoma am besten zur Familie passen könnte.“ Die Auswahl ist nicht sehr groß: Drei Bürger, darunter neben den Müllers auch eine junge Mama, hätten sich für das Projekt „Leihoma“ gemeldet. „Wir suchen dringend noch weitere Ehrenamtliche“, sagt Clages. Vor allem Zeit, Geduld und Ruhe sollten die Eigenschaften einer Leihoma/eines Leihopas sein. Außerdem sollten sie bereits Erfahrung im Umgang mit Kindern haben – wie die 64-jährige Heidrun Müller. Sie hat bereits drei Enkel, 20 und 17 Jahre sowie 15 Monate alt. Ein weiterer sei noch unterwegs.

„Kinder sind das Größte für uns“, sagt sie und weiß auch, dass man dieses besondere Ehrenamt „Leihoma“ niemals kündigen kann. Das möchte sie auch nicht. „Ich hoffe, dass ich so lange wie möglich dabei sein kann, wenn meine Leihenkel und Enkel aufwachsen“, erzählt Müller und spielt bereits gemeinsam mit ihrem Mann mit dem Gedanken, noch einmal Leihoma zu werden. Das wäre dann das siebte Enkelkind, dem sie eines der wohl kostbarsten Güter der heutigen Zeit schenken – Zeit.

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