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Neu-Ulm

01.02.2019

Das sind die fiesen Maschen der Betrüger

Betrüger kontaktieren oft ältere Bürger.
Bild: Matthias Becker

Falsche Polizisten, dubiose Kaffeefahrten oder angebliche Erbschaften: Gauner haben viele Wege, Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein Kripo-Beamter gibt Tipps.

Mark Schmid kennt die Tricks, mit denen Betrüger hoffen, ihrem Opfer viel Geld aus der Tasche ziehen zu können. Er ist Kriminaloberkommissar sowie Präventionsbeauftragter der Kripo Neu-Ulm. Bei einer Informationsveranstaltung im Generationentreff in Neu-Ulm hat er Senioren erklärt, auf was sie achten müssen, aber auch betont: „Es kann jeden von uns – jeden Alters – treffen.“ Ein Überblick über die häufigen Maschen der Kriminellen - und wie sich Bürger schützen können.

Enkeltrick: Der Enkeltrick sei eine „besonders hinterhältige Betrugsform“, berichtet Schmid. Das Gespräch laufe oft gleich ab: Der Betrüger gibt sich als Enkel oder Verwandter aus und fragt nach Geld. „Er wird von sich aus auch nie einen Namen nennen, wer dran ist.“ Stattdessen Frage er so lange „Ja, weiß du nicht wer ich bin?“ oder „Erkennst du mich etwa nicht?“, bis der Angerufene selbst einen Namen nennt. Diesen greift der Kriminelle auf – und falls er auf eine veränderte Stimme angesprochen wird, erfindet er ausreden: Er sei erkältet oder die Telefonverbindung schlecht. Das Geld abholen würde er aber nie selbst – dann würde der Schwindel ja auffliegen. Bei der Frage, wie er denn am besten ältere Menschen ans Telefon bekommt, genügt den Kriminellen ein Blick ins Telefonbuch: Dort hält er Ausschau nach Vornamen, die klassischerweise in früheren Generationen vergeben werden, sowie kurzen Rufnummern – denn diese wurden bereits vor langer Zeit vergeben. Schmid empfiehlt deshalb, seinen Eintrag im Telefonbuch am besten zu löschen.

Die Geheimzahl der EC-Karte geht außer den Besitzer niemanden etwas an

Falsche Polizisten: Oft erzählen Gauner hier von angeblichen geplanten Einbrüchen und wollen das Geld „sicher verwahren“. Schmid betont: „Die Polizei wird nie auf Sie zukommen und ihr Erspartes an sich nehmen.“ Und auch die Nummer „110“ würde niemals irgendwo anrufen. Dennoch gebe es „ganz eigenartige Fälle“, bei denen Bürger ihr Geld aus dem Fenster geworfen, im Abfalleimer hinterlegt oder sogar im Garten vergraben haben.

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Falsche Bankangestellte: Manche Betrüger stehlen Geldbörsen oder Handtaschen, die am Einkaufswagen im Supermarkt kurz unbeobachtet sind – und geben sich hinterher am Telefon als Bank aus, die die Karte sperren will. Dafür bräuchten sie aber die Pin-Nummer. „Die Geheimzahl geht nur Sie etwas an“, warnt Schmid.

Haustürgeschäfte: Grundsätzlich sei kein Schnäppchen so gut, dass man es unbedingt an der Haustür kaufen muss, sagt Schmid. Falls es doch passiert: Innerhalb von 14 Tagen kann man immer Widerspruch einlegen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur zu unterschreiben, sondern auch ein Datum zu notieren. Bei Spendensammlern rät Schmid, lieber Geld an eine bestimmte Einrichtung zu überweisen, wo man auch weiß, dass das Geld ankommt.

Mit einem einfachen Trick wollen sich die Betrüger Zugang zum Haus erschleichen

dubiose Handwerker: Oft geben die Kriminellen hier vor, etwas schnell und günstig reparieren zu können. Am Ende heißt es dann, die Arbeit war schwieriger als gedacht – und der Preis deshalb höher. „Sie wollen das Geld dann in bar und sagen: Wenn Sie das nicht in bar haben, dann fahren wir jetzt gemeinsam zur Bank“, erzählt Schmid. Er rät, den Handwerker im Ort zu beauftragen. Wenn jemand vermeintlich einen Zählerstand ablesen will, sollte man im Zweifel lieber zunächst einfach bei den zuständigen Stellen wie den Stadtwerken nachfragen – und den ungebetenen Gast vor der Tür warten lassen. „Der wird dann auch nicht mehr da sein, wenn sie mit dem Anruf fertig sind“, sagt Schmid.

Glas-Wasser-Trick: Durch einen Vorwand wie „Hätten Sie ein Glas Wasser, mir ist ganz schwindelig“ erschleichen sich die Betrüger Zugang zum Haus oder zur Wohnung. Meist soll dies aber nur eine Ablenkung sein – und während man sich um die vermeintliche Bitte kümmert, kommt ein zweiter Täter ins Haus und sucht gezielt nach Wertsachen. „Einfach draußen warten lassen“, so die Empfehlung des Experten. Und: Ein Bügelschloss sei sicher als eine Kette an der Tür, diese könnte das Gegenüber mit Kraft auch zerstörten.

Auf Kaffeefahrten sind häufige Lockvögel unter den Teilnehmern

Kaffeefahrten: Durch einen vermeintlichen Gewinn wird man auf eine Busfahrt mit Einkehr gelockt. Die Tricks der Kriminellen: Die Gasthäuser sind oft sehr abgelegen – und oft wird erst weitergefahren, wenn genügend Produkte gekauft oder Abos abgeschlossen wurden. „Oft gibt es Lockvögel unter den Teilnehmern, die zum Kaufen animieren sollen“, sagt Schmid. Auch hier gilt: Die Polizei anrufen, wenn einem etwas komisch vorkommt – oder: „Am besten fahren Sie gar nicht erst mit.“

kriminelle Telefonanrufe: Vermeintliche Gewinnanrufe und andere dubiose Anrufe sollte man am besten gleich wieder beenden. Schmid warnt auch davor, seinen Namen zu nennen. „Wenn mich jemand fragt: Sind Sie Herr Schmid?, sage ich immer: Das müssen Sie ja wissen, wen Sie anrufen.“ Auch das kleine Wörtchen „ja“ kann große Folgen haben: Wenn das Gespräch aufgezeichnet wird, können Kriminelle das „ja“ später herausschneiden und in einen ganz anderen Kontext packen, bei dem man beispielsweise einem Kauf zustimmt.

Der Kripo-Beamte warnt: Keine unbekannten E-Mail-Anhänge öffnen

Callcenter-Anrufe: Neben den weite verbreiteten falschen Microsoft-Mitarbeitern, die sich auf den Computer zuschalten wollen, gibt es Betrügereien, die ganz besonders „schändlich“ seien, erzählt Schmid: „Es gibt Leute, die schauen auf die Todesanzeigen, rufen dann die Angehörigen an und sagen, der Verstorbene habe eine Rechnung nicht bezahlt.“ Auch hier empfiehlt der Kriminaloberkomissar: Auflegen und die Polizei verständigen.

Betrugsversuche in neuen Medien: Die wichtigsten Regeln: Keine Links in E-Mails öffnen und niemals irgendwelche unbekannte Anlage wie vermeintlich ausstehende Rechnungen herunterladen. Dadurch wird oft eine Spionage-Software aufgespielt – und die Betrüger haben alle Zeit der Welt, die persönlichen Daten auszuspähen.

Wegen der großen Nachfrage gibt es einen zweiten Termin für die Infoveranstaltung im Mai. Genaue Details sowie Informationen zu Anmeldung gibt die Stadt zu gegebener Zeit bekannt.

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