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Neu-Ulm/Illertissen

06.02.2018

Das ungute Gefühl, verfolgt zu werden

Ein 25-Jähriger stellt seiner Ex immer wieder nach. Um mit ihr reden zu können, passt er ihr Kind ab. Und steht bei ihrer Mutter im Garten – mit einem Elektroschocker.

Früher schon hat er ihr zig Text- und Sprachnachrichten an einem Tag hinterlassen, ihr nachgestellt und sie gedrängt, mit ihm zu reden: Ein 25-Jähriger konnte mit dem Ende der Beziehung zu seiner Freundin offenbar nicht umgehen – und hat sie deswegen gestalkt. Unter dieser Verfolgung litt die Frau derart, dass sie Depressionen und Angstzustände bekam. Wegen des Stalking-Vorwurfs hatte die Staatsanwaltschaft schon vor längerer Zeit einen Strafbefehl beim Amtsgericht erwirkt. Doch all das hinderte den Mann nicht daran, noch einen Schritt weiter zu gehen.

Diesmal beließ er es nicht dabei, nur seine Ex-Freundin zu verfolgen. Er benutzte ihr Kind, um an sie ranzukommen. Zwischenzeitlich hatte sie ihre Telefonnummer gewechselt, zudem war sie nach Zeugenaussagen seinetwegen schon umgezogen. Durch die erneuten Vorfälle stand der 25-Jährige nun wieder vor dem Amtsgericht in Memmingen.

Der Mann wollte laut Anklageschrift das Kind seiner Ex-Freundin von der Schule weglocken. Um sein Ziel zu erreichen, schrieb er eine E-Mail an die Einrichtung in Neu-Ulm, in der er sich als der Vater ausgab: Er könne seinen Sohn nicht wie geplant abholen, dieser solle nach Unterrichtsende zu einem bestimmten Treffpunkt in Neu-Ulm kommen. Dort wollte er das Kind dazu zwingen, den Aufenthaltsort oder die Telefonnummer seiner Mutter, eben der Ex-Freundin des Angeklagten, zu verraten. In einer Tüte hatte er ein Pfefferspray dabei – das er jedoch nicht benutzen wollte, wie er vor Gericht beteuerte. Doch sein Plan ging nicht auf – eine aufmerksame Mitarbeiterin der Schule wurde misstrauisch. Polizisten fingen den Mann an dem Treffpunkt ab, bevor der Bub Schaden nehmen konnte.

Kurze Zeit später startete der 25-Jährige einen nächsten Versuch: Er bedrohte die Mutter seiner Ex-Freundin. Er soll diese in ihrem Garten in Illertissen überrascht haben – mit einem Elektroschocker in der Hand. Wie die Frau als Zeugin vor Gericht berichtete, habe der Angeklagte sie aufgefordert, den Aufenthaltsort der Tochter herauszurücken. Er sei erst gegangen, als die Frau mit der Polizei gedroht habe und zu einer Nachbarin geflohen sei. Als die Polizisten ankamen, war der Mann schon weg.

Die Taten liegen nahezu ein Jahr zurück, der junge Mann hat die vergangenen knapp sechs Monate in Untersuchungshaft verbracht – wenn es um Kinder geht, verstehe der Staat keinen Spaß, sagte Richter Nicolai Braun zu dem Angeklagten. Dem wird versuchte Entziehung Minderjähriger und versuchte Nötigung angelastet.

Wer den jungen Mann im Gerichtssaal beobachtete, mochte kaum glauben, dass er derart aufbrausend sein kann, wie ihn Zeugen beschrieben. Er ist schmächtig, wirkt schüchtern und saß oft zusammengekauert auf seinem Stuhl. Zwischendurch weinte er immer wieder, gab alle Vorwürfe zu und beteuerte, dass ihm alles leidtue. Er sagte zu Richter Braun, dass er abschließende Fragen zur Beziehung gehabt habe, in die er „viel investiert“ habe. „Ich seh’ ein, dass ich zu weit gegangen bin“, sagte der Angeklagte, heute könne er mit dem Kapitel abschließen. Zudem habe er eingesehen, dass er sein Leben und das anderer ansonsten kaputt mache. Die Zeit im Gefängnis habe ihn nachdenken lassen und er wolle noch einmal von vorne anfangen. „Ich hab doch noch mein ganzes Leben vor mir“, sagte er mit brüchiger Stimme zu Richter Braun.

Sein Verteidiger Sebastian Rickmann konkretisierte die guten Absichten seines Mandanten: Dieser habe eine fertig eingerichtete Wohnung und eine Zusage für einen neuen Job.

Bei der Mutter der Ex-Freundin, die als Zeugin aussagte, entschuldigte sich der Angeklagte. Die nahm die Worte an – mit einer Einschränkung: „Wenn du uns in Ruhe lässt.“

Bei der Verhandlung stellte sich heraus, dass der Mann psychische Erkrankungen hat. Nach dem Vorfall an der Schule sei er in die psychologische Abteilung eines Krankenhauses gebracht worden, sagte ein Polizist vor Gericht. Dort sei er auf eigenen Wunsch länger geblieben. Die Ärzte sahen keine von ihm ausgehende Gefahr. Auch der Gutachter bescheinigte dem Angeklagten Störungen, doch er sah keine Einschränkungen, als dieser die Taten begangen hat.

Richter Braun verurteilte den 25-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Für ihn sprach die positive Sozialprognose, sein Geständnis und die Zeit in der Untersuchungshaft. Das Urteil ist rechtskräftig.

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