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Ulm

28.04.2017

Der Brückenschlag ist geglückt

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Die 270 Meter lange Brücke wird zum Stadtbild gehören. Die Konstruktion wird noch auf Höhe des Farbübergangs der Stützen von Grau auf Rot abgesenkt. Fußgänger können nach Fertigstellung 2018 über einen Betriebsweg die Brücke überqueren.

Linie 2 kommt voran. Die 270 Meter lange Stahlkonstruktion ist am Zielpunkt angekommen. Vertreter der Stadtwerke setzen sich für eine Straßenbahn nach Neu-Ulm ein.

Kurz nach der Mittagszeit war es am Freitag vollbracht: Die 270 Meter lange Brücke über das Bahngelände kam im zwölften und letzten Vorschub an seinem Zielpunkt an. Auf kleinen weißen Teflonplatten, die von Arbeitern per Pinsel immer wieder mit Seife geschmiert werden, flutscht die 2500-Tonnen-Konstruktion Zentimeter für Zentimeter in Richtung Kienlesberg. Von einem „großen Tag“ spricht Ulms Finanzbürgermeister Martin Bendel. Es sei wichtig, bei dem ganzen Ärger über die vielen Baustellen in Ulm, sich auch über die Erfolge zu freuen. Der Bau der 270 Meter langen Straßenbahnbrücke zum Kienlesberg ist das größte Bauprojekt im Zuge der Linie 2.

Mit vermutlich fast 19 Millionen Euro verschlingen die Gesamtkosten drei Millionen Euro mehr als veranschlagt. „Wer auf schwierigem Grund baut, muss leider damit rechnen“, sagt Bendel. Große Hohlräume im Karst hätten etwa dazu geführt, dass Bohrpfähle doppelt so lange wie ursprünglich gedacht wurden. Mit ersten Testfahrten auf der Brücke rechnet Stadtwerke-Projektleiter Ralf Gummersbach im Spätsommer kommenden Jahres. Denn noch ist die Brücke nicht in ihrer endgültigen Position. Die nächste Herausforderung ist die Absenkung des stählernen Bandes auf seine Pfeiler. Auch die beiden Verbindungsstücke an den Enden müssen noch angebracht werden, bis mit dem Ausbau der Brücke und letztlich dem Verlegen der Gleise auf Beton begonnen werden kann. Von einer gelungenen Architektur, die stadtbildprägend sein wird, spricht Dillmann, Geschäftsführer der SWU-Verkehr. Aus Kostengründen wurde allerdings eine Haltestelle auf der Brücke, die intern den Namen „Bellevue“ trug, gestrichen. Die Aussicht wäre zwar phänomenal gewesen, doch dies hätte die zusätzlichen Ausgaben kaum gerechtfertigt. Zudem hätte ein kostenintensiver Steg zur Kienlesbergstraße gebaut werden müssen.

Nicht nur bei der „Kienlesbergbrücke“ – die Namenssuche läuft offiziell noch – nimmt die neue Straßenbahnlinie langsam Gestalt an. An der Römerstraße und Beyerstraße wurden bereits die ersten Gleise verlegt. An dieser Stelle soll die Straßenbahn einmal besonders geräuscharm über die Schienen gleiten. Ihre Trasse wird deshalb in diesem Bereich aufwendig aufgebaut: Per Spezialmatten und Schotterschichten sollen die 60-Tonnen-Fahrzeuge nahe Wohngebieten bei der geplanten Inbetriebnahme im Dezember 2018 möglichst wenig Lärm verursachen.

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2019 hätte dann der SWU-Verkehr um Chef André Dillmann wieder Kapazitäten für eine Linie 3 frei. Denn Dillmann ist überzeugt, dass die Straßenbahn als alltagstaugliche Form der Elektromobilität eines Tages auch nach Neu-Ulm fahren wird – falls sich der politische Wille dafür in Ulms bayerischer Schwester bilden sollte. „Mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke wird die Doppelstadt einen unglaublichen Schub erleben“, sagt Dillmann.

Projektleiter Ralf Gummersbach hält eine Trasse über die Herbrücke, Glacis-Galerie, Ratiopharm-Arena, Wiley bis Ludwigsfeld für wahrscheinlich. Die Trasse sei im Grunde geplant und bereits als förderwürdig eingestuft worden, selbst wenn Neu-Ulm derzeit weiter wachse. Allerdings seien die neuen Förderrichtlinien noch nicht in trockenen Tüchern, doch das sei nur eine Frage der Zeit. Auch die SWU hätten Vorteile: „Je größer ein Straßenbahnnetz ist, desto effizienter kann es betrieben werden“, sagt Gummersbach. Eine Linie 3 bis Ludwigsfeld wäre „die richtige Wahl“. Im Neu-Ulmer Rathaus sieht man das meist anders. Erst im Januar wurde eine im Stadtrat aufkeimende Diskussion um eine Neu-Ulmer Straßenbahn abgeblockt. Ein Antrag, die Straßenbahn in die Vorplanung zur Ludwigstraße aufzunehmen, wurde mehrheitlich abgelehnt.

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