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Steinheim

23.02.2020

Der Buchberg bei Steinheim: Ein sagenhafter Berg

Der Buchberg von Südwesten aus gesehen. Um ihn ranken sich gleich mehrere Geschichten.
Bild: Ralph Manhalter

Um den Buchberg bei Steinheim ranken sich gleich mehrere Legenden. Eine davon dreht sich um die Strafe nach einem ungleich verteilten Erbe.

Auffallend ist er schon, der bewaldete Hügel, wie er sich aus dem ansonsten so flachen Donautal erhebt. Nahebei fließt unbändig der Verkehr, die Bundesstraße und natürlich die Autobahn verursachen eine permanente Geräuschkulisse. Dieser sich zu entziehen gestattet jedoch die Bewaldung: Eingetaucht in die grüne Lunge, verstummen auch die Turbulenzen der Umgebung. Zeit zum Entspannen und Erholen. Der Buchberg bei Steinheim: eine letzte Erhebung der voralpinen Schotterlandschaft, ein Schwemmkegel vor dem glazialen Abflusstal der Donau.

Ein Bierkeller erzählt von jenen Jahren, als hier die Ausflügler noch scharenweise einkehrten. An der Südseite einige Kleingärten und ein paar Wochenendhäuschen, bei klarem Wetter sieht man von hier die Zugspitze. Nahe dem weiten Feld inmitten des Gehölzes eine Radarmessstation, aber sonst? Eine solch bedeutende Landmarke, auch wenn sie nur 493 Meter über dem Meer misst, habe doch bestimmt eine Burg getragen, vermag der Betrachter zu vermuten. Eine Ritterburg mit Ausblick auf das Donau- und Rothtal – der Platz sei geradezu prädestiniert hierfür. Wie dem auch sei – Fehlanzeige! Zumindest bis heute, sagen die Historiker. Zu einer mittelalterlichen Befestigung schweigen die Quellen genauso wie die Topografie nichts über künstliche Wälle und Gräben verrät. Obwohl eine Befestigung zur Überwachung der Landstraße von Ulm nach Augsburg nicht nur gut vorstellbar ist, sondern sich geradezu aufdrängt – es gibt keinen Hinweis auf deren Existenz.

Nahe des Buchbergs bei Steinheim verlief wohl eine Grenze

Nahe des Hügels verlief wohl entlang der Leibi und des Landgrabens einst die Grenze zwischen dem Ulmisch-Reichenauischen und dem Elchingen-Burgauischen Territorium. Hier wie dort Klosterherrschaften; die Blutgerichtsbarkeit im Westen hatte die Reichsstadt Ulm, im Osten die zumeist österreichische Markgrafschaft Burgau. All diese längst vergangenen Zeiten überlebt haben noch eine Handvoll Geschichten und Legenden. Auch hier in der Erzählung von Daniel Drascek ist von einem Ritter die Rede:

Vor alten Zeiten soll auf dem Buchberg eine Burg gestanden haben, in der eine reiche Rittersfamilie wohnte. Sie hatten zwei Töchter, davon war eine freundlich und gut, aber blind, die andere stolz, böse und geizig. Jeden Sonntag fuhr der Graf mit den beiden Töchtern in einer Kutsche zur Kirche nach Nersingen. Die Glocken läuteten auf ihrem Hin- und Rückweg, denn der Burgherr soll eine Glocke für die Nersinger Kirche gestiftet haben. Nach dem Tod des Vaters beschlossen die Töchter, ihr Erbe gerecht zu teilen. Sie maßen das Geld in Bechern. Hierbei habe nun die Sehende die Blinde übervorteilt, indem sie den Becher umstürzte und nur den Bodenrand füllte. Die Blinde strich mit ihrer Hand darüber und war zufrieden.

Zur Strafe hierfür habe die Sehende später auf dem Schloss umhergehen müssen. Dabei soll die Unehrliche einmal dem Schmid von Nersingen erschienen sein, dem sie das Vorgefallene erzählte und ihn bat, mit ihr zu gehen. Sie müssten durch sieben Türen gehen und würden den Teufel auf einer Geldtruhe sitzend, mit dem Schlüssel in der Hand finden. Würde er dem Teufel den Schlüssel entreißen, so gehöre ihm alles Geld, sie aber wäre sodann erlöst. Hierauf traten beide den Gang durch die Türen an. Als sie bei der letzten Tür angelangt waren und der Schmid den Teufel brüllen hörte, sei ihm das Herz in die Hosentasche gefallen, und nach Anrufen der heiligen drei Namen sei er im Freien gestanden.

Hat auf dem Buchberg eine Villa Rustica gestanden?

Sagen wird ja bescheinigt, einen wahren Kern zu beinhalten. Vielleicht findet der Buchberg ja eines Tages Aufmerksamkeit beim Landesamt für Denkmalpflege. Dann könnte unter Umständen einer weiteren Hypothese nachgegangen werden: Luftbildaufnahmen gaben einst zu der Vermutung Anlass, auf dem Hügel könnte ein römisches Landgut, eine sogenannte Villa Rustica, gestanden haben. Vielleicht hütet der Buchberg doch noch so manches Geheimnis.

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