Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Der Countdown bis zur letzten Zigarette läuft

05.07.2010

Der Countdown bis zur letzten Zigarette läuft

Landkreis Die letzte Zigarette naht: Pünktlich zum 1. August drücken die Bayern ihre Kippen aus - zumindest in Gaststätten, Bars und Diskotheken, wo dann absolutes Rauchverbot herrscht. Die Aschenbecher räumen die Wirte im Landkreis trotzdem noch nicht weg. "Im Sommer ist das nicht das große Problem", sagt Jens Hagg vom Pub Fiddler's Green in Pfaffenhofen. Im Sommer mache es den Gästen nichts aus, zum Rauchen vor die Tür zu gehen. Und im Winter? "Erst mal abwarten", sagt Hagg gelassen. "Ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt tatsächlich so bleibt." Schließlich habe sich das Gesetz zum Nichtraucherschutz in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal geändert.

Aus der Vergangenheit weiß man auch, dass das strenge Rauchverbot, das von Anfang 2008 bis zu seiner Aufweichung einige Monate später galt, kaum kontrolliert wurde. "Bei mir war nie jemand", sagt Hagg. Eigentlich ist das Landratsamt zuständig. Der Fachbereich Gewerbe und Gesundheit müsste prüfen, ob das Gesetz eingehalten wird. "Aber wie das künftig gehandhabt wird, weiß ich nicht", sagt Fachbereichsleiterin Sybille Herzog. Bisher jedenfalls habe es für diese Aufgabe kein eigenes Personal gegeben. Kontrolleure der Gaststättenaufsicht und der Lebensmittelüberwachung hätten im Rahmen ihrer Überprüfungen auch auf die Einhaltung des Rauchverbots geachtet, sagt Herzog. Ob es in Zukunft eigenes Personal gibt, das Sünder am Glimmstängel ausfindig macht, ist noch unklar.

Die Polizei wird selbst keine Jagd auf Raucher machen. Sollten die Beamten aber Hinweise erhalten, dass in einer Kneipe weiter fröhlich gequalmt wird, werde man dem nachgehen, sagt der Neu-Ulmer Polizeisprecher Günter Gillich. Auch im Rahmen von Jugendschutzkontrollen wird die Polizei in Sachen Rauchverbot nach dem Rechten sehen. Entsprechende Verstöße werden dann an die Stadtverwaltung weitergegeben. Die Folgen, die das unerlaubte Rauchen nach sich zieht, sind aber recht unspektakulär: "Wir werden deswegen kein Lokal räumen", sagt Gillich. Stattdessen würden sie die Personalien des Wirts aufnehmen und an die zuständige Behörde weitergeben.

Um künftig nicht auf ihr Laster verzichten zu müssen, könnten Raucher aus dem Landkreis kurzerhand ins benachbarte Baden-Württemberg auswandern. Dort ist das Rauchen nach wie vor in Kneipen mit weniger als 75 Quadratmetern und in abgetrennten Nebenräumen erlaubt. "Dadurch werden wir einen gewissen Zulauf haben, aber nicht viel", vermutet Daniel Zauner, Pächter der Zill in Ulm. Neu-Ulm habe schließlich gastronomisch eh nicht so viel zu bieten, sagt er schmunzelnd. Vielmehr plagen Zauner Sorgen, dass Baden-Württemberg bald nachziehen könnte - und seinen Nichtraucherschutz ebenfalls verschärft.

Der Countdown bis zur letzten Zigarette läuft

Das befürchtet auch Michael Freudenberg vom "Wilden Mann" in Ulm. "Baden-Württemberg denkt auch schon darüber nach", sagt er und fügt an: "Das wären Umsatzeinbußen bis zu 30 Prozent für uns." Dass nun, wo das Rauchen in Neu-Ulm verboten ist, mehr Gäste zu ihm kommen, glaubt er nicht. "In wirtschaftlich schlechten Zeiten werden die Leute eher gar nicht mehr weggehen", vermutet er. Zumal das "Vorglühen" zu Hause schon lange nicht mehr nur bei jungen Leuten angesagt sei. Und daran werden vor allem die kleinen Kneipen zugrunde gehen.

Nötig gewesen wäre die Verschärfung seiner Meinung nach nicht. "Das ganze Ding ist doch Humbug", sagt Freudenberg. In puncto Nichtraucherschutz habe sich ohnehin schon viel getan. "Früher haben die Leute geraucht, während am Nebentisch noch gegessen wurde." Die Zeiten seien längst vorbei. "Da hat schon ein gewaltiges Umdenken stattgefunden." Doch das ist den Bayern scheinbar noch nicht genug.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren