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Witzighausen

05.07.2020

Der Dorfladen hofft auf mehr Kunden

Geschäftsführerin Sabine Penski bringt kleine Speisen und Kaffee in den außen liegenden Gastrobereich. Das „Café Witzig“ bietet wechselnde Gerichte – und auch ein Feierabendbier.

Plus Das Geschäft in Witzighausen besteht seit einem halben Jahr. Die Corona-Krise wurde besser gemeistert als gedacht – doch auf lange Sicht sind mehr Einnahmen nötig.

„Ich komme alle paar Tage her, halt immer, wenn ich was brauch“, sagt Seniorin Anna Hieber, die gerade auf der Terrasse des Witzighauser Dorfladens vor ihrer Kaffeetasse sitzt. Sie ist froh über das aufgeräumte, gut sortierte kleine Geschäft, das den Käufern nun seit sechs Monaten offensteht – als einzige Einkaufsmöglichkeit im Ortsteil. Es gebe viele positive Rückmeldungen zum Dorfladen, berichtet Geschäftsführerin Sabine Penski, die mit ihren Kolleginnen täglich im Laden steht. Doch sie weiß auch: Damit sich der Laden dauerhaft trägt, braucht er mehr Einnahmen.

„Die Kunden, die kommen, kaufen gut ein, aber es sind noch zu wenige“, sagt die Geschäftsführerin, während über dem Eingang gerade die Beleuchtung fürs Ladenschild angebracht wird. Im Cafébereich, dem „Café Witzig“, sitzen im Moment kaum Menschen, erzählt Penski. Alles sei recht gut angelaufen im Januar, auch das Gastro-Angebot, doch mit den Corona-Beschränkungen mussten sie das Café wieder dichtmachen. Viele Besucher seien auch jetzt noch ängstlich, wollen ihren Kaffee lieber zu Hause trinken. „Wir müssen auch oft Diskussionen führen wegen der Masken- und Einkaufswagenpflicht, aber insgesamt hätte die Krise uns schlimmer treffen können“, meint sie.

Dorfladen hofft auf Gäste, die den Außenbereich füllen

Jetzt hofft das Team auf Gäste, die bei schönem Wetter den Außenbereich füllen, wo nun Sonnenschirme für Schatten sorgen. Die Organisatoren haben für die nächste Zeit Werbeaktionen geplant und bieten jetzt zusätzliche Gerichte an, etwa süßes oder mediterranes Frühstück und kleine Tagesgerichte von Schnitzel bis Weißwurst. Außerdem wollen sie für die Freitagnachmittage kleine Events organisieren, Grillen etwa oder Waffeln backen.

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So möchten sie mehr Kunden ins Geschäft locken, das freiwillige Helfer auf 200 Quadratmetern Fläche mit viel Herzblut geplant und eingerichtet haben. Obst und Gemüse, Getränke, Süßwaren, Drogerieartikel, Milchprodukte, Konserven, Fleisch, Käse und Brot – der Dorfladen bietet ein durchdachtes Sortiment für den täglichen Bedarf. Er führt zwar nicht jedes Produkt in zahllosen Varianten, wie die wenige Kilometer entfernten, großflächigen Supermärkte, aber die Produktpalette ist doch vielfältig. „Und wir achten darauf, auch was Besonderes zu haben, das es nicht überall gibt“, sagt Penski. Obstsäfte beziehen sie aus Hittistetten, Käse aus Schießen, Fleisch aus Weißenhorn, Eingemachtes aus Buch, wo immer es geht, greifen sie auf regionale Hersteller zurück.

Die Kunden sind hauptsächlich aus Witzighausen, aber auch Käufer aus umliegenden Gemeinden wie Hittistetten, Illerberg, Wullenstetten oder Weißenhorn kommen in den Laden. Das Verkaufsteam aus sieben Mitarbeitern hat sich mittlerweile gut eingespielt. „Alle haben bei null angefangen“, berichtet Penski, selbst gelernte Fleischereifachverkäuferin, über den Betriebsstart Anfang Januar.

Viele Produkte im Dorfladen in Witzighausen kommen aus der Region, das gehört zum Konzept des Regionalversorgers.

Vorausgegangen waren lange Planungen, denn zunächst wurde eine Unternehmergesellschaft ins Leben gerufen und es mussten sich genügend Gesellschafter finden, die über den Kauf von Genossenschaftsanteilen das nötige Kapital in die Gründung investierten. Die Stadt vermietete die Räume in einem Neubau der eigenen Wohnungsbaugesellschaft. Ein von der Kommune finanzierter Unternehmensberater half, den Laden aus der Taufe zu heben. Insgesamt haben die Beteiligten rund 150000 Euro in den Dorfladen investiert. Mit Gewinn rechnen die Organisatoren im ersten Jahr ohnehin nicht. Für 2021 hoffen sie, auf schwarze Zahlen zu kommen.

Viele Eigner kaufen oft in Witzighausen ein

230 Gesellschafter sind nun mit von der Partie, weitere sind gern gesehen, berichtet Penski. Wirft das Geschäft Gewinne ab, werden die Anteilseigner daran beteiligt oder das Geld wieder in den Laden investiert. Viele Eigner unterstützen das Geschäft aktiv, indem sie regelmäßig einkaufen. Eine Kundenbefragung soll bald klären, ob noch Lücken im Angebot sind. Die Zusammenarbeit mit dem Gesellschafterrat laufe problemlos, berichtet Penski, „sie haben immer ein offenes Ohr, wenn wir was brauchen“.

Der Dorfladen ist mit seinem Sortiment gut ausgestattet.

Auf Fördermittel des Freistaats aus dem EU-Programm „Leader“ hoffen die Betreiber ebenfalls. Bis zu 25000 Euro könnten da fließen, doch sicher sei das noch nicht. So oder so ist vorerst Sparen angesagt, doch die Kostenreduktion habe ihre Grenzen, sagt Penski, denn die Preise sollen moderat bleiben. Und beim Personal müssten Zweier-Schichten sein, damit die Arbeit bewältigt werden kann. Zumal der Dorfladen auch Catering anbietet: Für Feiern und Feste können die Kunden etwa Wurst- und Käseplatten bestellen. Auch Geschenkkörbe sind erhältlich. Und man gehe auch sonst auf Sonderwünsche ein, betont Penski, wenn sie vorher angemeldet werden.

In der Früh um sechs geht es fürs Team täglich los, ab halb sieben kommen die ersten Kunden, häufig Berufspendler, um sich mit Gebäck zu versorgen. Offen ist an drei Tagen die Woche bis 18 Uhr. Und so nützen manche Kunden den Gastrobereich auch, um im Dorfladen noch gemütlich ein Feierabendbier zu trinken.

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