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Geschichte

05.08.2020

Der Gründer der ersten Ulmer Volkshochschule

Der Nachlass von Oskar Planck wurde kürzlich an das Stadtarchiv Ulm übergeben.
Bild: Dagmar Hub

Welche Spuren der Theologe Christoph Planck vor über 100 Jahren in der Münsterstadt hinterließ

Christoph Planck, Dekan im Ruhestand, übergab vor kurzer Zeit den Nachlass seines vor 50 Jahren verstorbenen Vaters, des württembergischen Theologen Oskar Planck an das Ulmer Stadtarchiv. Der Nachlass Oskar Plancks – der am 21. Februar 1888 in Stuttgart geboren wurde, 1917/18 als Vikar in Ulm tätig war und in Söflingen seine Frau Ida kennenlernte, die er 1918 in Ulm heiratete – enthält viele Bezüge zu Ulm.

Dort hatte im Alter auch Oskar Plancks Mutter gelebt, sein Onkel war Prälat und Prediger im Münster. Ein besonders interessantes Detail der Unterlagen: Oskar Planck gründete 1917 die erste Ulmer Volkshochschule – die erste städtische Volkshochschule in Württemberg überhaupt. Inge Aicher-Scholl, die nach dem Krieg die Ulmer vh gründete, kam da gerade zur Welt. Auf viele drängende Fragen sei er bei Hausbesuchen während des Ersten Weltkrieges gestoßen, schildert Oskar Planck in seinen Erinnerungen. Wie kann sich ein traumatisierter Soldat zu Hause wieder zurechtfinden? Wie konnte man in jenen schwierigen Jahren Kinder ernähren, wie eine Wohnung heizen? Und wie konnte die Kirche helfen?

Sonntagspredigten reichten nicht aus, das verstand der junge Theologe Oskar Planck schnell – und stieß im Gespräch mit seinem Vater, einem Pädagogen, auf die Idee der ab 1844 in Dänemark entstandenen Volkshochschulen. „Dabei ging es nicht in erster Linie um berufliche Weiterbildung, sondern um Lebenskunde und Persönlichkeitsbildung, im weitesten Sinn um Erwachsenenbildung“, schildert der 87-jährige Sohn Christoph Planck. Im Herbst 1917 organisierte Oskar Planck den Start des ersten Semesters, dessen Kursblätter noch existieren und die nun im Ulmer Stadtarchiv liegen. In jenem Kriegswinter kamen in Schulräumen drei Mal pro Woche 160 Frauen und Mädchen unterschiedlichster sozialer Herkunft zu Abendkursen und Vorträgen zusammen, in denen es von Hauswirtschaft und Kindererziehung über Fragen von Politik und „Zeitungskunde“ bis hin zu Themen um Religion und Ethik ging.

Mit der Volkshochschule und damit letztlich der Erwachsenenbildung hatte sein Vater ein Thema gefunden, das ihm zu einer Lebensaufgabe wurde, berichtet Christoph Planck. Bettina Gerlach, Mitarbeiterin des Stadtarchivs, ist derzeit mit dem Nachlass beschäftigt. „Es ging Oskar Planck darum, Begabungen bei Erwachsenen zu erkennen und zu fördern“, erzählt sie. Ob sie nach dem Weggang Oskar Plancks im 1919 gegründeten „Volksbildungsverein“ aufging und die Kurse dort weitergeführt wurden, oder ob der Verein aus der Volkshochschule hervorging, ist noch unklar.

Oskar Planck und seine Frau Ida hatten in den letzten beiden Kriegsjahren – selbst in Stuttgart lebend – ihre beiden jüngsten Kinder Veronika und Christoph während der Woche zu Verwandten nach Ulm gegeben, weil in Stuttgart die Unterklassen der Gymnasien im Herbst 1943 geschlossen oder ausgelagert wurden. So entstand eine enge Beziehung Christoph Plancks zum späteren Bildungsforscher Fritz Nestle, der 2015 in Ulm starb.

Oskar Planck starb 1970 in Korntal. Dass seine Familiengeschichte ins Ulmer Stadtarchiv kam, hat unmittelbar mit der Corona-Epidemie zu tun: Sohn Christoph, der sich mit seiner Frau Bärbel zurückgezogen hatte, hatte nun die Zeit, sich intensiv mit den Dokumenten seines Vaters zu beschäftigen. Normalerweise ist der Dekan im Ruhestand ehrenamtlich im Haus der Begegnung in der Bildungsarbeit engagiert.

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