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Ulmer Zelt II

19.06.2017

Der Klang Islands

Helgi Jonsson zeigt sein Können im Ulmer Zelt.
Bild: Brücken

Helgi Jonsson und Tina Dico verzaubern mit ihren Arrangements

Welch ein Kontrast im Ulmer Zelt! Die drückende Schwüle raubt einem zuweilen den Atem, aber dann kommt „Aurora“, das Nordlicht und kühlt das Gemüt. Es ist ein Song des isländischen Ausnahmemusikers und Komponisten Helgi Jonsson, der eine berührende Ode an den Himmel seiner Heimat schrieb und jetzt mit seiner Frau, der dänischen Sängerin und Bassistin Tina Dico vorstellte. Die geballte Ladung an Emotionen traf viele Besucher unvorbereitet und es flossen sogar vereinzelt Tränen der Rührung angesichts der atemberaubenden Atmosphäre, die sich im Ulmer Zelt ausbreitete.

Helgi Jonsson und Tina Dico sind so etwas wie das Vorzeigepaar der internationalen Singer/Songwriterszene. Gerne touren beide mit Kind und Kegel, Oma und Opa durch Europa und ließen sich letztes Jahr auch durch eine Operation am offenen Herzen von Helgi Jonsson nicht daran hindern, weiter zu machen. So wie jetzt in Ulm, wo sie gemeinsam mit dem Gitarristen und Keyboarder Dennis Ahlgren und der Schlagzeugerin Marianne Lewandowski ganz tief in die nordischen Klangwelten eindrangen. Der dänischen Musikerin ist diese mystische Art zu musizieren, noch mehr zur Inspiration geworden, seit dem sie mit ihrer Familie in Island wohnt die Weiten von Himmel, Meer und Landschaft hautnah spürt.

Von Beginn an wird für den Zuhörer deutlich, woher der fantastische Posaunist seine Liederkunst bezieht: Aus der Klassik in ihrer gesamten Bandbreite von Alter bis Neuer Musik. Geradezu vernarrt ist der Komponist in Stimmen und hat ein besonderes Faible fürs Falsett. Wenn seine Frau Tina Dico und Marianne Lewandowsi in die Hochtöne von Helgi Jonsson einfallen, dann meint man die geistliche Musik eines Chores zu hören. Immer wieder testet der jazz- und klassisch geschulte Posaunist und Pianist die Hörgewohnheiten des Publikums, wenn ekstatische Gitarrensoli seines Mitmusikers die Harmoniegefühle einreißen. Dass die Band auch stilvolle Cover drauf hat, demonstrierte sie mit „Kathy‘s Song“ von Paul Simon. Die Verzauberung ließ den ganzen Abend nicht nach, auch dann nicht, als Helgi Jonsson das glückliche Publikum mit dem Titelsong seiner aktuellen EP „Vaengjatak“ entließ, das in seiner Heimatsprache Flügelschlag bedeutet. Omen est nomen. (bh)

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