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25.04.2008

Der "Kümmerer" um die Verkehrssicherheit übergibt an seinen Nachfolger

Landkreis Ernst-Ulrich Weigl ist ein bescheidener Mann. Ihn drängt es nicht ins Rampenlicht, er arbeitet lieber im Hintergrund. Sein Motto lautet denn auch folgerichtig: "Man kann auch im Stillen Gutes tun."

Und das hat er in den vergangenen 13 Jahren als Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Neu-Ulm befolgt: Ohne großes Aufhebens, dafür aber ungemein effektiv, haben sich er und seine Mitstreiter für die Verkehrssicherheit im Landkreis engagiert - und werden es auch nach dem 5. Mai tun, wenn er sich aus dem Amt des Vorsitzenden zurückzieht.

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Ernst-Ulrich Weigl wäre nicht Ernst-Ulrich Weigl, hätte er sich nicht frühzeitig um einen Nachfolger umgesehen, der Kontinuität in der Vereinsarbeit garantiert. "Meines Erachtens ist es die vornehmste Aufgabe eines Vorsitzenden, sich beizeiten um einen fähigen Nachfolger zu kümmern. Wir werden bei der Jahresversammlung Roland Reisner vorschlagen."

Der designierte Vorsitzende, den Weigl seit zwei Jahren sozusagen auf sein Amt vorbereitet, ist ehemaliger Bundeswehr-Oberstleutnant und Leiter der mittlerweile privatisierten Heeresinstandsetzungslogistik in Süddeutschland und damit sozusagen vom Fach. "Entscheiden werden die Vorsitzendenfrage natürlich die Mitglieder", sagt Weigl, der nicht gerade den Eindruck eines selbstherrlichen Vereinsfürsten erweckt.

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Vom Fach ist auch Ernst-Ulrich Weigl. Von 1988 bis 1998 leitete er die Mercedes-Benz-Niederlassung in Neu-Ulm. Er war es auch, der die ersten Weichen für die Umsiedlung des Unternehmens an die Europastraße stellte. Zur Verkehrswacht kam er über den unlängst verstorbenen Ex-Verkehrswacht-Vorsitzenden Alfred Hauf, nach dem übrigens das Clubhaus am vereinseigenen Verkehrsübungsplatz am Brunnenweg in Ludwigsfeld benannt ist. Da der damalige Mercedes-Manager der Ansicht war, dass es der Automobilindustrie "gut zu Gesicht steht, sich um die Verkehrssicherheit zu kümmern", war seine Laufbahn praktisch vorgezeichnet. Er selbst bezeichnet sich als "Kümmerer", der nur auf eines wirklich stolz ist: "Auf das Team, das ungemein engagiert zu Werke geht." Weigl gelang es im Laufe der Jahre, eine Truppe von ausgewiesenen Fachleuten für die aktive Mitarbeit im Verein zu gewinnen: Fahrlehrer, Autotechniker, Polizisten, Pädagogen, TÜV-Experten, Behördenvertreter und viele Personen mehr, die im weitesten Sinn mit Verkehrssicherheit zu tun haben.

Und diese Expertenmannschaft arbeitet ganz und gar im Sinne des Vereinszwecks - der Erhöhung der Verkehrssicherheit. Wenn man so will, betreuen die Vereinsmitglieder die über 160 000 Landkreisbürger von der Wiege bis zur Bahre. Im Programm sind Kindergartenseminare für die Kleinen, aber auch für Eltern und Erzieherinnen, Verkehrsunterricht an Schulen, Sicherheitstraining für Führerscheinneulinge aber auch Senioren, und, und, und, ... und alles zum größten Teil kostenlos. Dazu kommen noch diverse Plakataktionen, mit denen etwa Raser zur Vernunft gebracht werden sollen und vieles mehr.

Sogar eine Art hoheitliche Aufgabe nimmt die Verkehrswacht war. Zehn bis zwölfmal im Jahr halten die beiden Vereinsmitglieder und Polizisten Wilhelm Rödder und Jürgen Wahls im Vereinsheim Schulungen für "gering straffällige Jugendliche" ab. Wenn etwa ein Bursche auf einem frisierten Mofa erwischt worden ist, kann es sein, dass der Jugendrichter ihn zu der Schulung verdonnert. Ernst-Ulrich Weigl ist von diesem Projekt begeistert: "Die Jugendlichen gehen hier raus und erzählen, dass es ihnen gefallen hat."

Bedauerlich gering sei hingegen die Resonanz auf das kostenlose Sicherheitstraining für Fahranfänger. Rund 1000 Führerscheinneulinge schreibt der Verein pro Jahr an, aber nur magere fünf Prozent nähmen das Angebot an - obwohl die Jungen überproportional häufig Unfälle bauen. Das Fernbleiben wird noch unerklärlicher, wenn man bedenkt, dass unter den Teilnehmern 600-Euro-Bausparverträge verlost werden.

In seiner Vorsitzenden-Zeit ist dem "Kümmerer" aber ein wahres Meisterstück gelungen, das allerdings in Ludwigsfeld zum Teil auf unverhohlene Abneigung gestoßen ist. Unter Weigl wurde vor einigen Jahren der 37 800 Quadratmeter große Verkehrsübungsplatz, der auf einem Grundstück der Stadt Neu-Ulm liegt, um einen Sicherheitstrainingsplatz erweitert. Dort lernen beispielsweise Fahrschüler abseits vom hektischen Straßenverkehr, wie man Motorrad fährt. Es gibt auch eine "Gleitfläche", die unter Wasser gesetzt werden kann: Dort üben Autofahrer etwa das Bremsen auf regennasser Fahrbahn.

Der Bedarf ist vorhanden. Laut Ernst-Ulrich Weigl besuchen circa 12 000 Auto- und Motorradfahrer pro Jahr das "VÜP" genannte Gelände am Brunnenweg.

Auch noch Jahre später kann Weigl nicht verstehen, warum der Verein wegen des Baus des Sicherheitstrainingsplatzes angefeindet wurde und teilweise noch wird. "Auf dem Übungsplatz ist Tempo 30 vorgeschrieben. Und beim Sicherheitstraining lernen die Teilnehmer nicht das Schleudern, sondern wie sie ihr Fahrzeug beherrschen können."

Weigels Meisterstück bestand darin, die 150 000 Euro für das Sicherheitsgelände aufzutreiben, ohne die Vereinskasse zu belasten, öffentliche Gelder zu beantragen oder gar Schulden zu machen. Als alter Manager-Fuchs schmiedete er geschickt eine Allianz aus circa 80 Fahrschulen in der Region: Die stellten Geld für den Bau bereit, im Gegenzug dürfen sie acht Jahre lang den "VÜP" kostenlos nutzen. Den fehlenden Rest akquirierte Ernst-Ulrich Weigl, wobei ihm seine guten Kontakte zu ehemaligen Kollegen ("auch bei der Konkurrenz") ganz sicher nicht im Wege standen.

Dass so etwas nicht auf die Schnelle zwischen Tür und Angel erledigt werden kann, versteht sich von selbst. Wie viel Stunden der akribische Arbeiter pro Monat im Dienste der Verkehrswacht unterwegs war, will Weigl nicht verraten. Er lacht: "Sonst überlegt es sich Roland Reiser vielleicht noch einmal mit dem Vorsitz."

Als sicher kann gelten, dass Ernst-Ulrich Weigl ein wohlbestelltes Feld hinterlässt, wenn er den Vorsitzenden-Job an den Nagel hängt und der Verkehrswacht nur noch "mit Rat und Tat" zur Seite stehen wird. Bei der Jahresversammlung wird er verkünden, dass der Kassenstand stolze 134 000 Euro beträgt - die aber ruckzuck weg sein können, wenn beispielsweise eine Fahrbahn auf dem Verkehrsübungsplatz ausgebessert werden muss.

Für Ernst-Ulrich Weigls Bescheidenheit spricht eine Episode, die selbst eine veritable Ministerin zum Staunen brachte.

Als Dr. Beate Merk Weigl fragte, ob er gewillt sei, das Bundesverdienstkreuz anzunehmen, bat sich der Gefragte zwei Bedingungen aus: kein Tamtam und keine Öffentlichkeit. Und so geschah es dann auch.

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