Newsticker

Söder fordert bundesweit einheitliche Regeln für regionale Corona-Gegenmaßnahmen
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Der Landkreis Neu-Ulm gibt beim Wasserstoff Gas

Neu-Ulm

06.02.2020

Der Landkreis Neu-Ulm gibt beim Wasserstoff Gas

Der Landkreis Neu-Ulm will zusammen mit der Stadt Ulm und dem Alb-Donau-Kreis zur Wasserstoff-Region werden. Brennstoffzellenfahrzeuge und Wasserstofftankstellen gehören zu dem Konzept, an dem jetzt gefeilt wird.

Plus In naher Zukunft sollen Wasserstoff-Busse und -lastwagen durch die Region rollen. Schlechter stehen die Chancen für Brennstoffzellen-Züge.

Wasserstoff als alternativer Antrieb soll die Region in den nächsten eineinhalb Jahren beflügeln. So lange dauert das Modellprojekt, für das der Landkreis Neu-Ulm, die Stadt Ulm und der Alb-Donau-Kreis kürzlich vom Bundesverkehrsministerium ausgewählt wurden. Wie berichtet, erhalten sie 300000 Euro, um ein Gesamtkonzept zur Nutzung von Wasserstoff auszuarbeiten. In der Sitzung des Umwelt- und Werkausschusses des Neu-Ulmer Kreistags skizzierte Professor Michael Schlick von der Technischen Hochschule Ulm den Weg zur Wasserstoff-Region.

Erzeuger könnten das Müllheizkraftwerk Weißenhorn und das Kraftwerk Böfinger Halde sein

„Wie schaffen wir den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft?“ Das sei die zentrale Frage für die Arbeit der nächsten Monate. Ziel sei es, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Erzeuger könnten beispielsweise das Müllheizkraftwerk in Weißenhorn oder das Wasserkraftwerk Böfinger Halde sein. Wunschvorstellung sei ein „Elektrolysator“, der kontinuierlich Wasserstoff produziere.

Anwendungsbereiche sind beispielsweise Mobilität und Industrie

Anwendungsbereiche seien Mobilität, Energieversorgung und Industrie. „Sicherlich ist das Thema Pkw wichtig“, erläuterte der Spezialist. Es sei wichtig, rasch eine Flotte von Brennstoffzellen-Autos auf die Straße zu bringen. „Ein weiterer Themenkomplex wird der ÖPNV sein.“ Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) haben beispielsweise zwei mögliche Referenzstrecken für Wasserstoff-Busse in der Planung: zwischen Science Park II und Science Park III auf dem Oberen Eselsberg in Ulm und vom Busbahnhof Neu-Ulm zum Busbahnhof Ulm. Für beide Varianten wurde ein Förderantrag gestellt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Auch im Güterverkehr wird die Brennstoffzelle als alternativer Antrieb untersucht. Im Bereich Lkw seien große Stückzahlen möglich, erläuterte Professor Schlick. Große Unternehmen wie Iveco und Evobus seien bei dem Modellprojekt mit im Boot. Mögliche Abnehmer seien beispielsweise die Firmen Schwenk Zement und Wieland.

Der Wasserstoff-Transport könne über Lkw-Wechselbrücken erfolgen, „damit können wir flexibel reagieren“. Ein möglicher Überschuss an Wasserstoff soll ins Gasnetz eingespeist werden. Ein Anteil von zehn Prozent sei unproblematisch für Heizungsanlagen, 20 Prozent seien vorstellbar. Bei allen Überlegungen gab der Experte zu bedenken, dass das Projekt noch ganz am Anfang stehe und die erste Frage sei: „Wie kommen wir rein?“ Wichtig sei zudem, über das Vorhaben intensiv mit den Bürgern zu sprechen.

Wasserstoff-Tankstelle eventuell an der A7

Franz Josef Niebling ( CSU) stellte in den Raum, ob eine Wasserstoff-Tankstelle am Müllheizkraftwerk in Weißenhorn oder an der A7 sinnvoll sei. „Das wird genau die Frage sein: Wo müssen die Lkw hin, um zu tanken?“, erwiderte Schlick. Bislang gebe es erst eine Tankstelle am Eselsberg in Ulm beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW). Der Charme des Wasserstoffs liege jedoch auch darin, dass man ihn in großen Mengen speichern könne. Richard Ambs (CSU) sagte: „Es ist wichtig, dass wir uns der Thematik widmen.“ Die Automobilkonzerne hätten bislang in erster Linie auf Elektroautos gesetzt, was seiner Ansicht nach nicht sinnvoll sei. „Wir müssen schauen, dass wir die Wasserstoff-Fahrzeuge kriegen“, gab ihm Schlick recht. „Da müssen wir Gas geben und sehen, dass wir nicht zu spät dran sind.“

Landrat Thorsten Freudenberger (CSU) appellierte an die Kreisräte, unvoreingenommen an das Thema Wasserstoff heranzugehen: „Wir brauchen Offenheit und Mut“, sagte er. Herbert Richter (SPD) sah das ähnlich: „Wir haben die Möglichkeit, hier in der Region etwas zu bewegen. Was mir sehr gut gefällt, ist die Praxisorientierung.“

So sieht es auf der Illertalbahn aus

Einen Dämpfer erhielt die Wasserstoff-Euphorie aber beim Thema Bahn. Jürgen Bischof (FW) war der Meinung, dass sich auch die Illertalbahn als Teststrecke für Züge mit alternativem Antrieb angeboten hätte. Er wollte wissen: „Wo liegt da die Schwierigkeit? Ist das gestorben?“ Die Bahn sei zu dem Schluss gekommen, dass die Elektrifizierung zu bevorzugen sei, erläuterte Landrat Freudenberger. „Stand heute. Ergibt sich in den nächsten Jahren etwas anderes, probieren wir es halt aus.“ Professor Schlick sagte, dass es derzeit schwierig sei, die Freigabe für Wasserstoff-Züge zu bekommen. „Da müssen wir langfristig planen.“ Zurzeit sehe er dafür relativ wenig Chancen. Auf der Illertalbahn fahren ab Ende des Jahres zunächst mal neue Dieseltriebwagen. Die Laufzeit geht bis 2032 und erst dann soll die Strecke elektrifiziert werden – Brennstoffzellenzüge werden dort also noch lange nicht unterwegs sein.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren