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Weißenhorn

06.12.2019

Der Müll in der Verbrennungsanlage soll weniger werden

Im Heizkraftwerk in Weißenhorn wird mehr Müll verbrannt, als ursprünglich genehmigt. Rund 107000 Tonnen werden es wohl in diesem Jahr.
Bild: Kaya

In Weißenhorn soll wieder weniger Abfall verbrannt werden, fordern vier Kreisräte – unnötigerweise, wie sich in einer Diskussion herausstellte.

Wir produzieren zu viel Müll – in diesem Punkt waren sich die Mitglieder des Umwelt- und Werksausschusses in ihrer Sitzung einig. Die Menge des Abfalls, der im Heizkraftwerk in Weißenhorn verbrannt wird, ist zu hoch und muss weniger werden – das forderten Josef Bischof (FW), Heinz-Peter Ehrenberg und Helmut Meisel (Grüne) und Herbert Richter (SPD) in einem Antrag an den Landrat. Unnötigerweise, wie sich in der Diskussion am Donnerstag herausstellte.

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Dass rund zwei Drittel des Abfalls, der in Weißenhorn in Rauch aufgeht, gar nicht aus dem Landkreis stammen, stieß Jürgen Bischof auf. Das Material werde über Landesgrenzen hinweg zur Entsorgung gebracht: „Es findet ein europaweiter Mülltourismus statt, das ist absurd. Da wollen wir nicht teilnehmen.“ Das Problem sei nicht der kommunale Müll, sondern der gewerbliche, monierte Herbert Richter: „Die Gewerbetreibenden haben es versäumt, selbst für ihre Müllentsorgung zu sorgen.“ Kapazitäten für die regionale Wirtschaft freizuhalten, sei zwar wichtig, so Richter, aber dafür sei der Landkreis nicht zuständig. Stattdessen müsse das Landratsamt vor allem bei der Müllvermeidung aktiver werden. Heinz-Peter Ehrenberg forderte langfristige Verträge über feste Mengen von Gewerbemüll, den die Unternehmen in Weißenhorn entsorgen dürfen: „Wir wollen Gebühren- und Entsorgungssicherheit für unsere Bürger und Betriebe.“

In Weißenhorn wird nur vorübergehend mehr Müll verbrannt

Wegen Engpässen in der Entsorgung von Gewerbemüll aus dem Landkreis wurde die Verbrennungskapazität der Anlage von 105000 Tonnen vorübergehend auf 110000 Tonnen Müll angehoben. Auf dringendenden Wunsch der Vertreter der heimischen Wirtschaft, heißt es bei der Beschlussfassung. Tatsächlich wurden heuer bis Ende Oktober rund 90950 Tonnen Abfall in Weißenhorn verbrannt. Bis Ende des Jahres rechnet der Abfallwirtschaftsbetrieb nach Angaben seines Leiters Thomas Moritz mit insgesamt rund 107000 Tonnen. Das sei allerdings keine Dauerlösung. „Die Müllmengenbegrenzung auf 105000 Tonnen gilt weiterhin – die Erhöhung der Kapazität ist nur vorübergehend. Laufen die Beschlüsse 2020 aus, tritt sie automatisch wieder in Kraft“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger (CSU). Der Antrag der drei Ausschussmitglieder beziehe sich deshalb auf bestehende und geltende Beschlüsse und sei deshalb hinfällig. Richard Ambs (CSU) bezeichnete den Antrag als Wahlkampfshow: „Wir sollten die Anlage nicht diskreditieren.“

Der Müll in der Verbrennungsanlage soll weniger werden

Die Entsorgung von Gewerbemüll sei ein freier Markt, betonte Freudenberger. Die Unternehmen träfen wirtschaftliche Entscheidungen: „Wir sind ständig in Kontakt mit den Unternehmen. Einige haben uns auch die Treue gehalten, auch wenn wir teurer sind.“ Aus seiner Sicht dürfte der Landkreis angesichts der Gesamtproblematik den Fokus nicht alleine auf die Entsorgung von Abfällen legen, sondern müsse die Müllvermeidung bei Produktion und Konsum wieder stärker forcieren. „Wir produzieren zu viel Müll, da sind wir uns alle einig“, sagte Freudenberger.

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