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Neu-Ulm

23.04.2020

Der Neu-Ulmer Wolf war auch in Reutti – dort sah ihn eine Spaziergängerin

Dieses Foto des jungen Wolfs machte ein Jogger zwischen Aufheim und Gerlenhofen. Auch in Reutti wurde das Tier gesehen.
Bild: Mateusz Puzon

Plus Der junge Wolf hielt sich offenbar mehrere Tage im Landkreis Neu-Ulm auf – und er wurde von mehreren Menschen gesehen.

Eine Leserin aus Reutti begegnete dem Tier, das zwei Tage später von einem Auto erfasst und tödlich verletzt wurde, am Ostersonntag. Die Frau war nachmittags am Ortsrand des Neu-Ulmer Stadtteils unterwegs, als sie plötzlich das Raubtier sah.

Es stand etwa 30 Meter von ihr entfernt. „Ich habe sofort erkannt: Diese Augen, wie der mich angeschaut hat, das ist kein Hund, das ist ein Wolf“, beschrieb die Bürgerin ihr Erlebnis. Sie trat dann langsam den Rückzug an. Die ungewöhnliche Begegnung machte auf die Frau einen gehörigen Eindruck: „Ich stehe jetzt noch unter Schock“, sagte sie ein paar Tage danach.

Am selben Tag lief der Wolf einem Jogger zwischen Gerlenhofen und Aufheim über den Weg

Ebenfalls am Ostersonntag sah ein Jogger in einem Waldstück zwischen Gerlenhofen und Aufheim den Wolf (wir berichteten). Der Mann machte ein Foto mit seinem Smartphone und suchte dann rasch das Weite. In beiden Fällen lief das Tier den Menschen aber nicht nach, sondern blieb auf Distanz.

Am Dienstagabend vergangener Woche wollte der Wolf anscheinend die A7 unterqueren und wurde zwischen Holzschwang und Hausen überfahren. Elmar Zeller aus Steinheim, der ehrenamtlich für das Netzwerk Große Beutegreifer in Bayern arbeitet, sah den Kadaver am nächsten Morgen und war sich sofort sicher, dass ein toter Wolf vor ihm lag. Untersuchungen haben dies inzwischen bestätigt.

„Das ist der erste belegte Wolfsnachweis im Landkreis Neu-Ulm“, sagte Michael Angerer, der Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Landschaftsplanung am Landratsamt Neu-Ulm. „Das ist absolut sicher.“ Es habe zwar bereits in den vergangenen Jahren entsprechende Beobachtungen gegeben, die aber eben nicht bewiesen werden konnten. Hätte der Wolf überlebt, wäre es wohl auch diesmal dabei geblieben: „Einen Tag später wäre der Wolf vielleicht schon weg gewesen“, sagte Angerer.

Derzeit wird der Tierkörper im Leibniz-Institut in Berlin genetisch untersucht

Nähere Erkenntnisse über das Tier erhofft sich der Fachmann durch die genetische Analyse, die derzeit am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin erfolgt. „Das wird noch ein paar Wochen dauern“, so Angerer. Dann könne man aber möglicherweise sagen, woher der Wolf kommt und sogar, aus welchem Rudel er abstammt. Diese seien nämlich zum Teil genetisch erfasst, beispielsweise anhand von Haaren oder anderen Spuren, die die Tiere bei einem Riss hinterlassen haben und die in einer Datenbank gespeichert sind.

Bild: Elmar Zeller

Bereits jetzt können die Experten sagen, dass es sich um ein etwa elf Monate altes, weibliches Jungtier handelte – es war also jünger, als zunächst angenommen. „Es war ein gesundes Tier, hat auch vom Fell her einen guten Eindruck gemacht, und war gut genährt“, erläuterte Angerer, der den jungen Wolf selbst gesehen hat. „Wir gehen davon aus, dass er auf Wanderschaft war.“

Der Neu-Ulmer Wolf war ein etwa elf Monate altes Jungtier

Wölfe hätten einen großen Aktionsradius und könnten bis zu 80 Kilometer am Tag zurücklegen. Dass das in Neu-Ulm gefundene Weibchen allein unterwegs war, sei normal: „Jungtiere wandern ab und suchen sich einen neuen Lebensraum. Sonst gäbe es keine neuen Familien.“ Angerer vermutet, dass der Neu-Ulmer Wolf aus dem alpinen Bereich stammt und weiter Richtung Norden wollte. Vorkommen gebe es beispielsweise in der Schweiz oder in Italien. In Bayern sind Wölfe noch sehr selten. Im Oberallgäu lief im Herbst vorigen Jahres einer in eine Fotofalle.

Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gibt es deutschlandweit etwa 100 Wolfsrudel, die meisten davon in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen. Michael Angerer geht davon aus, dass der Wolf in Neu-Ulm ein Einzelfall war, es im Lauf der nächsten Jahre aber weitere Sichtungen geben wird. „Denn die Zahl der Wölfe nimmt zu.“ Spaziergänger im Wald bräuchten sich allerdings keine Sorgen machen. „Wölfe sind sehr scheu und ziehen sich zurück.“

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