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Serie "Ein Blick ins Rathaus"

25.08.2020

Der Sendener Kämmerer verwaltet das Geld – und muss auch mal warnen

Die Anlagen im Etat der Stadt Senden, hier Grafiken aus dem Jahr 2019, bieten einen guten Überblick über die Entwicklung verschiedener Zahlen.
Bild: Carolin Lindner

Plus Manuel Haas ist Kämmerer in Senden. Die meiste Zeit im Jahr beschäftigt er sich mit den Finanzen der Stadt. Eine spannende Aufgabe, wie er sagt.

Eine städtische Verwaltung ist breit aufgestellt, es gibt zahlreiche Aufgabengebiete – vom Betriebshof über Kindergärten und Finanzen bis zu öffentlicher Sicherheit. Doch wer macht eigentlich was im Sendener Rathaus? Und bei wem können sich Bürger mit welchen Anliegen melden? In einer Serie bieten wir einen kleinen Querschnitt. Heute: Manuel Haas, Leiter des Geschäftsbereichs III.

Manuel Haas ist als Leiter des Geschäftsbereichs III gleichzeitig der Kämmerer der Stadt Senden. Also; ganz grob gesagt; derjenige, der sich ums Geld kümmert. Das Wort Kämmerer, so erzählt es Haas, sei heutzutage eigentlich ziemlich veraltet für seinen Beruf. Der Begriff Kämmerer geht auf das lateinische Wort „camerarius“ zurück. Die Camera war die Schatzkammer, die vom Kämmerer im Blick behalten wurde: Wie viel Geld wird hineingebracht, wie viel heraus? Mittlerweile läuft selbstredend auch bei Behörden alles über ein Konto bei einer oder mehreren Banken. „Passender wäre heute also der Begriff ’Kontorer’“, sagt Haas und lacht. Prinzipiell sei sein Beruf eine typische Controlling-Stelle. Geblieben ist der Begriff Kämmerer aber trotz der zunehmenden Digitalisierung.

Der Kämmerer verwaltet das Geld in Senden

Als Kämmerer verwaltet Haas das kommunale Geld – und muss bei finanziellen Engpässen auch mal warnen. Im Prinzip dreht sich Haas’ Job das ganze Jahr über um die Finanzen und um seine Aufgaben als Leiter des Geschäftsbereichs. Als Führungskraft steckt Haas viel Energie in die Personalentwicklung, in Gespräche mit Mitarbeitern – sowohl, wenn diese Rat brauchen, als auch, um ihnen Feedback zur eigenen Arbeitsweise zu geben. Gerade in den Sommermonaten hat er auch ein wenig Zeit für andere Projekte oder Ideen, ansonsten kümmert er sich meist um den städtischen Haushalt mitsamt Nachbereitung.

Im September fragt der Kämmerer bei den anderen beiden Geschäftsbereichen nach, wer im kommenden Jahr welches Geld benötigt. Natürlich darf sich nicht jeder einfach irgendetwas wünschen, die Anschaffungen müssen begründet sein – und am Ende entscheidet ohnehin der Stadtrat, welche Posten im städtischen Etat realisiert werden und was verschoben oder gestrichen wird. Anfang Oktober müssen aus den Abteilungen alle Zahlen vorliegen. Viele Bestandteile wie Einkommen- und Gewerbesteuer und Schlüsselzuweisungen kalkuliert Haas selbst. Bis Mitte Oktober werden alle Zahlen in das Werk eingearbeitet. In dieser Zeit gibt es mehrere interne Runden in der Führungsebene des Rathauses, in denen unter anderem besprochen wird, ob ein Kredit nötig ist oder nicht. „Das Ziel ist, den Haushalt immer ohne Fremdfinanzierung durchzubringen“, sagt Haas. Im Dezember stehe meist die Höhe der Schlüsselzuweisungen fest, die mit einberechnet werden. Einen Großteil der Einnahmen macht außerdem die Einkommensteuer aus – dieses Jahr werden die Summen voraussichtlich etwas sinken, beispielsweise wegen der Kurzarbeit vieler Arbeitnehmer in der Corona-Zeit.

Kämmerer in Senden: Die Arbeit wartet, wenn der Etat fertig ist

Der Großteil der Arbeit entstehe aber erst, wenn der Haushalt eigentlich vollständig ist. Dann wird Verschiedenes überprüft: Wurde eine geplante Investition vergessen? Sind alle Zahlen plausibel? Haas und seine Mitarbeiter schreiben zudem zu vielen finanziellen Ausgaben Erläuterungen, damit die Stadträte einen Hintergrund zu den Zahlen haben, wenn sie den Etat vorgelegt bekommen. „Allein dafür braucht man insgesamt eine Woche, das teilen wir auf“, sagt der Kämmerer. In jedem Haushaltsplan stehen außerdem noch ein Vorbericht und verschiedene Anlagen, beispielsweise zur Entwicklung der Steuereinnahmen oder in welche Bereiche sich die Ausgaben aufteilen. Am Ende wird noch mal alles korrigiert und geprüft. Der Verwaltungshaushalt, der laufende Posten enthält, muss beispielsweise mehr Einnahmen als Ausgaben aufweisen. Denn ein Teil muss in die Kredittilgung gesteckt werden, die übrigen Überschüsse in Investitionen.

Dann geht der Entwurf in den Ausschuss. Dort nimmt die Verwaltung Änderungswünsche und Anregungen an, arbeitet diese im Fall der Fälle ein. Manchmal muss Haas auch warnen, denn nicht immer lassen sich alle Wünsche auch realisieren. Gerade in Senden sitzt das Geld nicht so locker. Sobald der Etat genehmigt ist, wird er von der Rechtsaufsicht geprüft. Das dauert etwa vier Wochen, zu diesem Zeitpunkt ist ungefähr März.

Die Aufgaben werden immer umfangreicher, sagt Haas. Dennoch macht ihm sein Job viel Spaß. „Ich arbeite unglaublich gerne genau und mag auch deswegen Zahlen – sie sind gut für Diskussionen, weil sie das beste Argument sind“, sagt er. Die Arbeit als Kämmerer sei zudem erfolgsorientiert, und dieser Erfolg trete auch ein. Denn komme, was wolle: Der Etat muss zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein.

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