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Comedy

16.03.2015

Der Sensenmann macht gute Laune

Der Tod kam ins Roxy, und der Sensenmann sorgte mit seiner „Death Comedy“ für gute Laune.
Bild: Michael Peter Bluhm

„Der Tod“ zeigt sich im ausverkauften Ulmer Roxy als ein echter Spaßvogel mit Hang zu Kalauern

Am Freitag, den 13., dem Tod zu begegnen, könnte für Abergläubische eine doppelte Tortur gewesen sein. Aber weit gefehlt: An diesem Tag kam der Sensenmann persönlich ins Roxy, brachte das Publikum fast zum Totlachen und tat viel für sein neues Image, für das er auf einer bundesweiten Tour wirbt: Der Gevatter Tod ist gar nicht so schlimm wie sein Ruf und ein richtiger Spaßvogel.

Welches Gesicht sich hinter einer überdimensionalen Kapuze verbirgt, ist ein strenges Geheimnis, das der junge Erfinder der „Death Comedy“ hütet. Der junge Wahlberliner, der dieses unheimliche Wesen auf der Bühne verkörpert, ist derzeit der Shooting-Star der deutschen Comedy-Szene und verbreitet seine ulkigen Todesbotschaften auf Bühnenbrettern und in Talkshows, stets mit der Megakapuze und einem düster anmutenden Mönchsgewand vermummt, das zum Erbarmen von seinem ausgemergelten Körper schlottert. Immer zur Hand hat er seine „mobile Sense to go“, wie er sein Arbeitsgerät neudeutsch nennt. Am liebsten verkündet er seine Botschaften vom lustigen Tod in Hospizen und auf Kreuzschiffen, wo seine Interessen mit denen der Veranstalter identisch sind.

Nach dieser Abendshow fragt man sich, warum nicht schon früher ein Comedian auf die Idee gekommen ist, einen auf Tod zu machen: Schließlich kocht der Kapuzenträger anno 2015 auch nur mit Wasser, hat für sein Bühnenprogramm Witze mit Bart und neuen Ideen gesammelt und musikalische Beiträge zwischen den Text gestreut, wie das Spiel mit der Flöte („Ist doch nicht schlimm, wenn einer flöten geht“). Vor dem Auftritt als Tod macht der Komödiant als kunterbuntes „Leben“ das Publikum munter, getreu der Erkenntnis, dass es ein Leben vor dem Tod gibt und alle Versuche, es umgekehrt zu machen, schief gegangen sind. Zehn Minuten läuft die Sanduhr für die grelle Lebensperson, dann ist für sie Schluss mit lustig, dann wird es dunkel auf der Bühne.

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Der Tod erscheint in seiner Arbeitskutte und überrascht mit einer erbarmungswürdigen Fistelstimme. Er beklagt den negativen Ruf des Sterbens in unseren Breitengraden und wundert sich, dass selbst die größten Vegetarier ungern ins Gras beißen. Dabei könne der Tod auch eine Erlösung sein, wie lang Verheiratete ja wüssten. Zeitgemäß unterzieht er das Publikum zunächst einmal mit einem Antiangsttraining, zaubert ein Radieschenbündel aus der Kutte und hält es hoch: „Guckt, so sehen Radieschen von unten aus.“ Einen Vorgeschmack kredenzt der Tod schon einmal einer Besucherin in der ersten Reihe und schenkt ihr die Radieschen zum Verzehr. „Mein Leben als Tod“ heißt der Titel, und nach der Show weiß jedermann, dass das Leben zwar schön, aber der Tod auch ganz nett sein kann. Sprüche wie „Das Leben als Tod ist wahrlich kein Ponyhof“ werden am laufenden Band produziert, Konfetti wird in die Luft geworfen, um optisch die Absurdität zu steigern und immer wieder wird die Sinnhaftigkeit des Todes betont, der vielerorts geradezu herbeigesehnt werde.

Das bestätigt die Fanpost des Todes: Steffi, elf Jahre alt, findet den Tod toll und sendet gleich die Adresse des Mathematiklehrers mit. Auch in Ehekrisen wird er herbeigewünscht, getreu dem Motto „bis dass der Tod euch scheidet“. „Da helfe ich doch gern“, beschreibt der Comedian seine Berufsethik. Zum Grübeln hat das Publikum im ausverkauften Roxy-Saal keine Zeit und wird mit Stimmungsmusik bei Laune gehalten: „Man stirbt nur einmal, das kommt nie wieder“, wird geschunkelt, und die Micky-Maus-Stimme des Todes kommt jetzt richtig zum Tragen.

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