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18.08.2019

Der Traum vom Landleben: Auszeit im alten Gehöft

Hinten das marode Haus aus dem 18. Jahrhundert, vorne das Modell für das sanierte Gebäude: Unternehmer Joachim Lang hat große Pläne für einen stillgelegten Bauernhof im Roggenburger Ortsteil Unteregg.
Bild: Angela Häusler

Der Ulmer Unternehmer Joachim Lang will einen maroden Bauernhof im Roggenburger Weiler Unteregg zu einem Mix aus Wohnung und Arbeitsplatz umbauen. Auch Pferde spielen eine Rolle

Leere, marode Gehöfte mitten im Ort – ein trauriger Anblick in vielen Dörfern. Auch ein stillgelegter Bauernhof im Roggenburger Ortsteil Unteregg gehört zu diesen Leerständen. Doch der neue Eigentümer des Areals im St.-Antonius-Weg macht jetzt eifrig Pläne: Der Ulmer Unternehmer Joachim Lang will sich mit einer Mischung aus Wohnung und Arbeitsplatz seinen Traum von Landleben erfüllen – und entrümpelt nebenbei ein jahrhundertealtes Gemäuer. Denn das Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert will der geschäftsführende Gesellschafter einer Beratungsfirma größtenteils erhalten.

Gehöft mit traumhaftem Ausblick

Landwirtschaftliche Geräte, abgelegte Reifen, ein ganzer Stadel voller altem Heu: Einen wahren Wust an Utensilien hat Unternehmer Lang in dem verlassenen Gehöft vorgefunden, das nur wenige Meter von der St.-Antonius-Kapelle entfernt liegt. Zehn Jahre lang war der Bauernhof unbewohnt. Doch die mit Unrat vollgestellten Räume schreckten den Firmenchef nicht ab, er suchte ja ein Haus wie dieses: in ruhiger Lage, ländlich, aber gut erreichbar, dazu das Grundstück mit traumhaftem Blick in unbebaute Natur.

2017 hatte er von dieser Immobilie gehört, ein Bekannter machte ihn auf den Hof aufmerksam, der zum Verkauf stand. „Die Gegend hier gefällt uns“, erklärt Lang seinen Entschluss, den Hof in dem nur 80 Einwohner zählenden Weiler zwischen Schießen und Wallenhausen zu erwerben. Nach ausführlichen Untersuchungen von Baugrund und Statik haben der Ingenieur und seine Frau entschieden: „Wir werden das Haus erhalten, denn wir finden es schön und die Substanz ist noch gut.“ Obwohl ein Neubau sicherlich nicht teurer käme als die Sanierung. Doch der Charme des alten Gehöfts soll nicht verloren gehen.

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Das Gehöft ist ein typisch schwäbisches Bauernhaus

Genug Platz ist auf dem Gelände für mehrere Pferde. Die nämlich gehören zu den Passionen des 59-Jährigen, der einen Teil des bestehenden Stadels in einen Stall für zwei bis vier Tiere umbauen will. Lang geht davon aus, dass Haus und Hof im Sommer 2021 beziehbar sind. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Baubeginn soll im kommenden Jahr sein. Zunächst geht es an die Detailplanung.

Das Wohngebäude ist ein typisch schwäbisches Bauernhaus mit Stube, Schlafzimmer und Milchküche. Über dem Stall gibt es Räume fürs Gesinde, unterm Dach einen Kornspeicher. Und der wirkt noch immer imposant: So lang und breit wie das ganze Haus, gibt der massive hölzerne Dachstuhl dem Raum Struktur und Gestalt. 1791, diese Jahreszahl ist in einen der stützenden Balken eingeritzt. Das Dachgeschoß soll später der Wohnbereich werden, berichtet der Bauherr, im Stockwerk darunter entstehen Arbeits- und Lagerräume. An der Westfassade sollen eine breite Fensterfront und eine Terrasse den Blick in die Umgebung öffnen.

Möglichst viele noch brauchbare Elemente des Altbaus möchten die Eheleute erhalten, etwa Teile der massiven Holzböden weiterverwenden. Mit dem Denkmalamt hat sich Joachim Lang bereits auseinandergesetzt. Als Denkmal wird das Haus aber nicht eingestuft, sodass diesbezüglich keine Vorgaben zu beachten sind.

Im Gehöft wird gelebt und gearbeitet

In Zukunft soll in dem Gehöft gelebt und gearbeitet werden. In seiner Firma „Consinion“ die in Ulm ansässig ist und dort auch bleiben soll, berät und trainiert Lang Fach- und Führungskräfte. Manche davon, Einzelpersonen oder kleine Gruppen, will er künftig auch nach Unteregg holen. In der ländlichen Umgebung sollen sie eine Auszeit nehmen können, zur Ruhe kommen, ihre Ziele neu überdenken. „Für die Arbeit mit Menschen ist es sehr gut, rauszukommen“, sagt Lang. Auch die Pferde haben dabei ihre Rolle: Im pferdeunterstützten Coaching kommen die Klienten mit den Vierbeinern in Kontakt und können auf diese Weise ihre Stärken entdecken, erzählt Lang. Dazu plant er auf dem Areal einen „Roundpen“, einen runden Sandplatz ein, auf dem die Pferde geführt werden. Zu den Plänen gehört auch die energetische Sanierung inklusive einer Solaranlage, auch einen Bauerngarten wollen die Eheleute auf dem Grundstück anlegen – und Stellplätze für Besucher sehen die bei der Gemeinde Roggenburg eingereichten Planzeichnungen vor.

Dass Unteregg so klein ist, sieht der Unternehmer als Vorteil. Zumal die Infrastruktur stimme, etwa in Sachen Internet. Und die 25 Kilometer ins Oberzentrum Ulm scheinen ihm kaum der Rede wert. Auch in der Stadt liege schließlich nicht alles gleich um die Ecke.

Aus der Nachbarschaft hat er auf seine Pläne bereits positive Reaktionen gehört. „Die Leute sind froh, dass sich hier was tut“, berichtet der Bauherr, und auch die Kommune Roggenburg zeigt sich offen für die Ideen: Der Gemeinderat hat im Juli einstimmig die Baugenehmigung erteilt.

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