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Senden

25.10.2017

Der Traum vom schönen Bahnhof bröckelt

Das Umfeld des Sendener Bahnhofs sollte schöner – und in diesem Zuge zudem eine Unterführung gebaut werden. Da dies nun teuer wird und die Stadt den Großteil alleine tragen muss, steht das Projekt vor dem Aus. 

Das Projekt ist deutlich teurer geworden – und bisher ist keine optimale Lösung in Sicht. Die Stadt Senden und die Räte überlegen nun, aus den Verträgen mit der Bahn auszusteigen.

Die Stimmung im Stadtrat war bei der gestrigen Sitzung gedrückt. Seit dem Mittag haben Fraktionsvorsitzende und die Verwaltung mit Experten diskutiert, abgewogen, überlegt. Heraus kam bislang, dass es wohl keine optimale Lösung für das ambitionierte Bahnhofsprojekt in Senden gibt. Die Räte sprachen von einer Zwickmühle, zeigten sich ernüchtert und frustriert, weil aus all der Hoffnung, Senden schöner zu machen, vielleicht nichts wird. SPD-Fraktionsvorsitzender Georg Schneider ging weiter: „Wir sind als Tiger gestartet und als Bettvorleger geendet.“

Wie berichtet, wird der geplante Bau einer Unterführung und die Verschönerung des Umfeldes deutlich teurer als gedacht. Statt der ursprünglichen acht Millionen Euro, wird es wohl eher auf 14 rauslaufen. Dabei ist zwar noch keine Förderung eingerechnet, doch das wäre dennoch zu viel für die Stadt, die sich finanziell ohnehin schon am Limit befindet.

Bürgermeister Bögge: Ausstieg aus den Planungen

Bürgermeister Raphael Bögge sagte zur Einführung des Tagesordnungspunktes, dass sich die Vorstellungen der Deutschen Bahn hinsichtlich der Finanzierung nicht mit denen der Stadt decken. Die Stadt möchte, dass die Bahn einen Teil der Kosten übernimmt. Schließlich ist geplant, im Rahmen der Unterführungen den Bahnhof barrierefrei umzubauen. Das ist eigentlich Aufgabe der Bahn. Das Problem: Im Vertrag steht, dass die Stadt für die Kosten des Projekts aufkommt. Und in diesem Punkt lässt die Bahn nicht mit sich reden. Sie wird kein Geld dazugeben, das hat sich gestern noch einmal verfestigt.

Zusätzlich kommt Druck in die Entscheidung, da Senden in Zukunft „Mobilitätsdrehscheibe“ der Bahn werden soll. Das geht aber wiederum nur, wenn der Bahnhof ausgebaut wird.

Verkehrstechnisch ist der Umbau durch die Stadt in Form einer Unterführung oder eines Stegs jedoch nach Ansicht der Planer von Modus Consult nicht notwendig, wenn der Bahnübergang an der Hauptstraße bleibt. „Ist es verantwortbar, dann mehrere Millionen auszugeben?“, fragte Bögge in der Sitzung. Nein, war sein Fazit: Er plädierte für den Ausstieg aus den Planungen. Ein barrierefreier Bahnhof, der eine Mobilitätsdrehscheibe für den Landkreis ist, bleibe jedoch das Ziel, denn eine mögliche Negativentscheidung bedeute nicht, dass der Bahnhof nicht weiterentwickelt werde. Die Verwaltung sei weiterhin für Gespräche mit der Bahn offen. Doch sie sei im buchstäblichen und auch übertragenen Sinne nicht bereit, jeden Preis zu zahlen.

Aussteigen oder weiter? Der Stadtrat ist gespalten

Der Stadtrat war in der Frage „aussteigen oder weitermachen“ gespalten – auch innerhalb der Fraktionen gab es unterschiedliche Ansichten. Noch nicht ganz klar wurde, wer alles Ansprüche stellen könnte, wenn die Stadt aus den Verträgen aussteigt – und wie hoch die Forderungen insgesamt sein werden. Claudia Schäfer-Rudolf ( CSU) sagte, dass die Fraktion gegen einen Steg sei, der billiger wäre. Das sei für Radler nicht akzeptabel. Sie erinnerte daran, dass die Notwendigkeit noch nie in der Kritik stand. Bei den Kosten „konnte keiner abschätzen, was auf uns zukommt“. Und sie kritisierte die Verwaltung: „Hätte man uns diese Komplexität nicht schon früher sagen können?“ Nun habe man die Wahl zwischen „erhängen und erschießen“. Auch Helmut Meisel (Grüne) sagte, dass bei den Fördermitteln noch etwas getan werden müsse. Die Bahn habe Vorteile, wenn die Illertalbahn ausgebaut werde, „da muss doch noch was gehen“.

Die Regierung von Schwaben übernimmt vermutlich um die 60 Prozent der Kosten. Doch auch das sei ein „fragiles Konstrukt“, je nachdem, wie der Haushalt aussehe, erklärte ein Fachplaner.

Ehrenberg: „Die Stadt kann es sich nicht leisten“

Man könne es drehen und wenden wie man wolle, „die Stadt kann sich die Unterführung in dieser Form nicht leisten“, sagte Heinz Peter Ehrenberg (Grüne). „Wir müssen aus der Planung mit Annabau aussteigen und dann eben auf den städtebaulichen Mehrwert verzichten.“ Das Architekturbüro hatte den ursprünglich ausgeschriebenen Wettbewerb für die Unterführung gewonnen – damals waren jedoch geringe Kosten angesetzt. Ehrenberg führte weiter aus, dass eine Neuplanung nicht sinnvoll sei, denn: „Was kriegen wir dann? Das, was wir von Anfang an nicht wollten: ein finsteres Betonloch.“ Die damit gemeinte abgespeckte und schmalere Unterführung wäre nach Ausführungen der Planer günstiger. Doch da werde ohnehin kaum einer durchlaufen, sagte Ehrenberg. Eine Alternative sind außerdem noch Treppen und Aufzüge statt einer Rampe.

In der Sitzung kam die Komplexität diverser Bauarten, die wiederum jeweils verschiedene Förderungen erhalten könnten, heraus. „Das, was wir wollen, können wir uns trotz Zuschuss nicht leisten, und ein Betonloch wird nicht bezuschusst“, fasste es Rainer Strobl (CSU) zusammen. Bürgermeister Bögge sagte, dass die Verwaltung lange mit sich gerungen habe. Aber irgendwann sei einfach Schluss. Und selbst die Fachplaner sagten, dass es keinen Spaß mache, den Räten die Fantasie zu nehmen. Sie rieten dazu, auszusteigen. Die Barrierefreiheit sei Aufgabe der Bahn, die der Stadt „zugeschustert“ worden sei.

Doch am Ende der Sitzung wurde die Entscheidung, wie es am Bahnhof weitergehen soll, noch einmal um zwei Wochen vertagt. Die Räte wollen noch mal darüber schlafen. Am 7. November geht es weiter.

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