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Ulmer Zelt

25.05.2019

Der Trommler der Stars

Gehört hat ihn auf die eine oder andere Art ein jeder schon mal, gesehen eher nicht: Supertrommler Manu Katché brilliert im Ulmer Zelt.
Bild: Andreas Brücken

Manu Katché zeigt, warum ihn so viele Künstler an ihrer Seite haben wollen

Jeder kennt ihn – nun ja, nicht persönlich und vielleicht auch nicht dem Namen nach. Aber gehört hat ihn schon jeder, der in den vergangenen drei Jahrzehnten auch nur zehn Minuten in der Nähe eines Radios, Schallplattenspielers oder eines CD-Players gestanden ist. Manu Katché hat mit seinem Schlagzeugspiel die Musik von so vielen Künstlern aus Rock, Pop und Jazz aufgewertet, dass hier exemplarisch nur einige genannt werden sollen: allen voran natürlich Peter Gabriel, dem er viel verdankt und für den er jahrelang gespielt hat, Sting, Dire Straits, Tracy Chapmann, Simple Minds, Jeff Beck oder Joe Satriani. Warum wollten und wollen ihn so viele an ihrer Seite haben? Weil der Mann schlicht sensationell ist. Er kann ein Stück einfach nur vorantreiben oder es in ein Kunstwerk verwandeln, ohne dass seine Kunst in irgendeiner Weise aufdringlich oder übertrieben wirkt. Das kann nicht jeder Spitzenschlagzeuger von sich behaupten. Weil der Name Manu Katché eher was für diejenigen ist, die bei bekannten Künstlern gerne auch mal gucken, wer sich so alles in der Begleitband tummelt, war das Ulmer Zelt nicht ganz gefüllt, als der zierliche, drahtige Franzose mit seinem Quartett für eineinhalb kurzweilige und spannende Stunden sorgte.

Sein eigenes Projekt, auf dem aktuellen Album „Scope“ verewigt, hat Katché stark mit Elektronik angereichert, mit Samples und Loops und künstlichen Klängen. Ohne dieses Beiwerk würde die Musik als klassischer Jazz-Rock durchgehen, wie er in den 70er-Jahren in jedes räucherstäbchen-schwangere WG-Zimmer gehörte. Sie wirkt ein wenig wie Claude Debussy auf Strom: Wie beim großen Meister der impressionistischen Klangmalerei treibt sie dahin, schwillt an und ab, bäumt sich manchmal auf, um dann wieder als ruhiger Fluss voranzuplätschern.

Es sind nicht unbedingt die großen Melodien, die im Ohr bleiben, es ist das Trommelspiel von Manu Katché, das der Musik die Spannung verleiht. Er treibt sie leichtfüßig voran, tänzelt mit den Stöcken über die Becken, wirft hin und wieder einen rasanten Wirbel dazwischen und haut gelegentlich hart auf die Snare – es passiert ständig etwas, ohne dass es den leichten Hüftwackel-Groove stört. Zu jeder Zeit dominiert er die Stücke, das Schlagzeug ist das präsenteste Instrument auf der Bühne – was bei anderen langweilen könnte, doch nicht bei Manu Katché. Hier tönt jede Minute spannend.

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Da wird der Rest eher zur Nebensache, so hart es klingt. Nur Gitarrist Patrick Manouguian, ebenfalls Franzose, lässt noch aufhorchen. Meist hält er sich dezent im Hintergrund, doch bei den Soli zeigt er, was für ein großer Könner er ist. Mal lässt er seine Telecaster drahtig perlen, mal verpasst er ihr ein Bündel an Effekten, die den Klang in fremdartige Welten katapultieren.

Ach ja: Manu Katché ist auch ein ausgesprochen sympathischer Moderator mit einem, zugegeben, putzigen französischen Englisch.

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