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Gedenken

21.02.2014

Der Weg ist frei für die „Stolpersteine“

Ulmer Initiative gründet sich in der Volkshochschule. Bis zum Sommer sollen erste Ergebnisse sichtbar sein

Ulm Jonathan Starks Leben endete im KZ Sachsenhausen. 18-Jährig wurde er dort ohne Prozess am 1. November 1944 hingerichtet. Er hatte den Diensteid des Reichsarbeitsdienstes verweigert, hatte das Tragen der Hakenkreuz-Binde verweigert. Er trage kein gebrochenes Kreuz an seinem Arm, hatte der Jugendliche unter Anspielung auf das Kreuz Christi im Herbst 1943 gesagt. Stark, Lithografenlehrling in Ulm, ältester Sohn des Elektrotechnikers Eugen Stark, war Zeuge Jehovas. Ihm und anderen will die nunmehr gegründete Initiative „Stolpersteine für Ulm“ einen Gedenkstein setzen vor dem letzten freiwilligen Wohnort. Im Fall Starks ist dies die Profosengasse 6 (heute Herdbruckerstraße 6).

Knapp 100 Interessierte kamen zur Gründungsveranstaltung der Stolperstein-Initiative. Andrea Schiele, Vorsitzende der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ will bis zum Sommer etwa zehn bis 15 Stolpersteine in Ulm verlegt wissen.

Stolpern soll man über die Betonwürfel mit zehn Zentimeter Kantenlänge und einer Messingauflage nicht im physischen Sinn, sondern mit Kopf und Herz, so Schiele: Die Steine tragen eingraviert die Lebensdaten eines Opfers des NS-Regimes. Für die Aktion wird der Berliner Künstler Gunter Demnig, dessen geistiges Kind die Stolperstein-Aktion in mittlerweile über 500 deutschen Orten ist, nach Ulm kommen. Auch in anderen europäischen Ländern gibt es inzwischen Stolpersteine Demnigs, insgesamt über 40000. Für viele sind die Stolpersteine auch Steine des Anstoßes: Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, sieht die Opfer durch die Stolpersteine „mit Füßen getreten“.

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Ein Stein kostet 120 Euro

Für wen die ersten Stolpersteine verlegt werden, verraten die Macher der Initiative noch nicht. Die Fertigung eines Steins kostet dann 120 Euro. Die Diskussion der Gründungsveranstaltung in der Vh zeigte vor allem auch die Fragen auf, die sich den Interessierten stellen: Hat man als Spender Einfluss darauf, für wen ein Stolperstein gesetzt wird? Bekommen auch homosexuelle Opfer einen Gedenkstein? Was ist mit überlebenden Deportierten und mit Menschen, die sich durch Selbstmord der Deportation oder der Verfolgung entzogen? Wie ist die Sicht der Initiative auf Euthanasie-Opfer?

Die Ulmer Initiative startet nun mit vollem Engagement: Das nächste Treffen findet am 10. März um 20 Uhr in der Volkshochschule statt; am heutigen Freitag zwischen 14 und 15 Uhr gibt es im Büro des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg (DZOK) unter der Nummer 0731/21312 eine telefonische Sprechstunde für Interessierte, die sich beteiligen möchten an der Recherche nach den Biografien von NS-Opfern."Kommentar Seite 25

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