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Ulm

09.12.2019

Der alte Ulmer Hauptbahnhof bleibt doch

Die Empfangshalle am Hauptbahnhof wird saniert satt neu gebaut. 1953 eröffnete die Deutsche Bundesbahn das neue Bahnhofsgebäude.
Foto: Alexander Kaya

Plus Die Deutsche Bahn hat sich umentschieden: Statt eines modernen „Citybahnhofs“ muss Ulm weiter mit dem Gebäude aus den 1970ern zurecht kommen. Das ruft Kritik hervor.

Aus Kostengründen verzichtet die Deutsche Bahn auf einen Neubau des Ulmer Hauptbahnhofs. Dies teilt das Unternehmen schriftlich mit. „Allein die hohen Verlagerungskosten für die vorhandene Bahntechnik im Gebäude ließ kein anderes Ergebnis zu, als die Überlegungen für einen Neubau auf unbestimmte Zeit zurückzustellen“, teilt eine Bahnsprecherin mit. Trotz intensiver Bemühungen der Stadt Ulm sei leider keine wirtschaftlich tragfähige Lösung zur Umsetzung des „Citybahnhofs“ gefunden worden.

Damit abfinden will sich Ulms OB Gunter Czisch aber nicht. „Bisher hat sich die Bahn an ihre Zusagen gehalten.“ Und als eine solche wertet Czisch eine mit der Bahn getroffene "Entwicklungsvereinbarung". Der damalige Bürgermeister Alexander Wetzig betonte bereits im Jahr 2007, dass die Bahn bereit sei, das Projekt „Citybahnhof“ gemeinsam mit der Stadt umzusetzen. „Wer sich an die Verhandlungen zur Neubaustrecke erinnert, weiß, dass es einen langen Atem braucht“, sagt nun Czisch. Ulm wolle für den Citybahnhof, als überaus wichtigen Verkehrsknoten, „natürlich das Optimum“ erreichen. Ohne Frage sei das der Neubau des Bahnhofsgebäudes. Der nun von der Bahn zu einer Sanierung zusammen gestrichen wurde.

Neue Heizung, neuer Boden am Ulmer Hauptbahnhof

Die Bahn spricht nun von „schrittweisen Verbesserungen im Bestand des Bahnhofes“. Konkret nennt die Bahn die Erneuerung der Heizungsanlage und eine Sanierung des Hallenbodens. Eine „Neuordnung der Empfangshalle und der Mietbereiche“ werde zudem gerade „vertieft“ geplant. Insgesamt werde die Bahn in den kommenden Jahren einen zweistelligen Millionen-Betrag in den Hauptbahnhof Ulm investieren.

Unter Ulmer Lokalpolitikern ist der Ärger groß. Von einer „Frechheit“ der Deutschen Bahn spricht etwa der Ulmer Landtagsabgeordnete und Stadtrat Martin Rivoir (SPD). Noch ist die Internetseite citybahnhof.ulm.de online, auf der die ursprünglichen Ziele formuliert werden, die mit einer Sanierung des Gebäudes, das in großen Teilen in den 1970ern errichtet wurde, verfehlt werden. Eine großzügige neue Bahnhofshalle sollte ebenerdig direkt an die Passage von den Sedelhöfen zur Schillerstraße angebunden werden. Dies hätte einen bequemen Zugang zur Innenstadt ohne zusätzliche Treppen oder Aufzüge ermöglicht.

Aus Sicht von Rivoir ist diese ebenerdige Verbindung von den Bahnsteigen des Bahnhofs zur Innenstadt so wichtig, dass nun die Stadt gefragt sei, das Projekt selbst in die Hand zu nehmen. Zumal Ulm ohnehin schon im Besitz des halben Bahnhofs sei. Der Teil, in dem das Intercity-Hotel untergebracht ist, gehöre ohnehin der Ulmer Wohnungs- und Siedlungs-Gesellschaft (UWS). Rivoir hält es für möglich, dass Ulm den Bahnhof in die Höhe baut und durch Mieteinnahmen das Projekt sogar Rendite abwerfen könnte. Dass letztendlich Verlagerungskosten einen Bahnhofsneubau bremsen ist aus Sicht von Rivoir nur vorgeschoben. Zudem seien angeblichen Kosten von weit über 100 Millionen Euro für zu hoch angesetzt. Denn es gebe kaum Verlagerungskosten für die vorhandene Bahntechnik, weil etwa das Stellwerk ohnehin digitalisiert werde.

Joukov-Schwelling ist nicht überrascht vom Aus für den Neubau des Ulmer Hauptbahnhofs

Alles andere als überrascht von der Entscheidung der Bahn gibt sich Michael Joukov-Schwelling (Grüne). Es sei seit Jahren Politik der Bahn, sich auf die Gleise zu beschränken und sich aus dem Thema Bahnhofsgebäude möglichst auszuklinken. Wie Joukov-Schwelling sagt, unterstützten sämtliche Fraktionen grundsätzlich die Versuche von OB Gunter Czisch die Bahn umzustimmen. Doch er glaube nicht, dass Czischs Erfolg haben werde: „Wir haben schlichtweg kein Druckmittel.“ Nur mit Geld sei die Bahn zu locken. Also müsse die Stadt nun ein Konzept vorlegen, bei dem auch die Bahn erkenne, dass sie letztlich Profiteur sei. Das könnte Ulm auch etwas kosten, schließlich sei ein optimal funktionierender Hauptbahnhof im Interesse der Stadt. Immerhin verfüge Ulm durch die neuen Aufzüge beim Steg mittlerweile über einen „akzeptablen Zugang“ zu den Gleisen. Was nun am dringendsten fehle: digitale Anzeigen bei den Abgängen.

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