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Neu-Ulm

20.01.2019

Der kulturelle Aufstieg Neu-Ulms

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Das wurde zu einer beliebten kulturellen Anlaufstelle im Herzen Neu-Ulms. Vor 22 Jahren war die Museumslandschaft dagegen unaufgeräumt und mit weniger Besuchern gesegnet.
Bild: Alexander Kaya

Die Ausstellungen im Edwin-Scharff-Museum locken jährlich 40.000 Besucher an. Als Leiterin Helga Gutbrod 1997 ihre Stelle antrat, konnte man davon nur träumen.

Zwischen April und September 2019 feiert Neu-Ulm sein Jubiläum „150 Jahre Stadterhebung“. Die Neu-Ulmer Zeitung, die heuer 70 Jahre alt wird, tut in den kommenden Monaten ein paar Blicke in die Vergangenheit der Kommune, in ihre Gegenwart und – so weit möglich – in die Zukunft. Heute: Das Edwin-Scharff-Museum, Teil 2.

Amtsrichter Dietrich Lang, von 1961 bis 1977 Oberbürgermeister in Neu-Ulm, hätte gern mehr für den Künstler Edwin Scharff, den großen Sohn seiner Stadt, getan. Ihm blieb aber nur, das in seiner Amtszeit errichtete Kongress- und Veranstaltungszentrum mit dem Namen Scharffs zu verbinden und ihm dort ein bescheidenes Museum einzurichten. Es sollte noch ein Vierteljahrhundert vergehen, ehe es gelang, Scharffs Werk in einem eigenen Haus seinem Anspruch entsprechend zu präsentieren.

Dazu bedurfte es der Tatkraft und des Einfallsreichtums zweier Frauen: Beate Merk, von 1994 bis 2005 Oberbürgermeisterin in Neu-Ulm, hatte ihrem Vorgänger Lang zur Feier seines 80. Geburtstags im Jahr 1997 fest versichert, „mich intensiv dafür einzusetzen, das Werk dieses bedeutendsten Neu-Ulmer Künstlers optimal zu dokumentieren“. Und weiter: „Als ich die Idee vom Umzug der Neu-Ulmer Museen bekanntmachte, waren Sie es, der spontan reagierte und mich aufmunterte, diesen Gedanken umzusetzen.“ Ob der 2007 im Alter von 90 Jahren gestorbene Lang ahnte, wie weit Merks Ideen in diesem Moment gediehen waren, mag bezweifelt werden.

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Um zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum kümmerte sich niemand

Tatsächlich war erst wenige Wochen zuvor Helga Gutbrod in die Dienste der Stadt Neu-Ulm getreten. Die promovierte Kunsthistorikerin hatte in Würzburg studiert und dort in der städtischen Galerie Museumserfahrung gesammelt. Im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe war sie intensiv mit Museumspädagogik in Kontakt gekommen. Dort hatte Neu-Ulm sie nun abgeworben. „Im Vorstellungsgespräch“, erinnert sich Helga Gutbrod, „war es wesentlich um den Aspekt gegangen, was sich an der Situation der Neu-Ulmer Museen verbessern lässt.“ Schließlich dämmerten da das Heimatmuseum, das Vorgeschichtsmuseum und die Dauerausstellung der Kreisarchäologen am Petrusplatz wie auch das kleine Edwin-Scharff-Museum an der Silcherstraße friedlich vor sich hin. Wissenschaftliche Arbeit fand nirgends statt. Um die zahlreichen Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt kümmerte sich schon gleich gar niemand. In diesem unaufgeräumten Ensemble wurde 1997 Helga Gutbrods Arbeitsplatz eingerichtet.

Wenige Wochen später nur jubelte die Neu-Ulmer Zeitung optimistisch „Museen werden aus dem Dornröschenschlaf geweckt“. Tatsächlich hatten Merk und Gutbrod im Kultur- und Kunstausschuss des Stadtrats ihr künftiges Museumskonzept vorgestellt und „dort breite Zustimmung gefunden“. Die Museen würden nicht so angenommen, hatte Merk festgestellt, „wie wir uns das vorgestellt hatten“. Das Edwin-Scharff-Museum sei am Stadtrand zudem „lieblos untergebracht und keine große Ehre für den Künstler“, ergänzte Gutbrod. Damit begann das große Umräumen: Das Heimatmuseum wurde aufgelöst, weil dort laut Merk „hochwertige Exponate ohnehin nicht drin sind“. Die erhaltenswerten Stücke wanderten ins Depot. Ins frühere Heimatmuseum hielten die im Edwin-Scharff-Haus schlummernden Werke des Künstlers zur Dauerausstellung Einzug. Das erste Obergeschoss wurde für Sonderausstellungen hergerichtet.

Das neue Museumskonzept scheint sich zu bewähren

Das erst 1994 eröffnete Vorgeschichtsmuseum der prähistorischen Staatssammlungen im Neubau am Petrusplatz blieb vorerst unangetastet. Denn Gutbrod begann erst mal umzusetzen, was sie in Würzburg und Karlsruhe gelernt hatte: „Man muss Anlässe schaffen, um die Leute ins Museum zu locken – Sonderausstellungen und ähnliche Ereignisse“. Die wurden anfangs in den frei gewordenen Räumen des Edwin-Scharff-Hauses an der Silcherstraße veranstaltet, später im ehemaligen Heimatmuseum, das nun zum Edwin-Scharff-Museum wurde. Parallel dazu stürzte sich die neue Leiterin der städtischen Sammlungen auf die Museumspädagogik. Im Keller schuf sie eine Werkstatt für kleine und größere Hobbykünstler. Damit legte sie letztlich bereits den Grundstein für das „Kindermuseum“, das 2009 am Petrusplatz einzog.

Das von Helga Gutbrod entwickelte Museumskonzept scheint sich zu bewähren. Rund 40 000 Besucher jährlich können nicht irren. Sie haben die Wahl zwischen zwei, drei Kunstausstellungen im Jahr, den Dauerausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger sowie dem außerschulischen Lernort Kindermuseum. Die Entwicklung geht weiter: Seit November gibt es einen interkulturellen Gesprächskreis. Eine App für Neu-Ulmer Kunst im öffentlichen Raum entsteht, und die von Künstlern veranstalteten Streifzüge durch Neu-Ulm werden fortgeführt. Einzig für die Region steht das Kindermuseum mit seinen jährlich wechselnden Projekten. Lernen soll dort richtig Spaß machen und eigentlich irgendwie nebenher passieren. Es greift die Spielfreude der Kinder auf, lenkt ganz unauffällig ihren Bewegungsdrang und den Wissensdurst. Darüber hinaus heißt es immer wieder: „Anfassen ausdrücklich erwünscht.“

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