Newsticker

Corona-Pandemie verschlechtert weltweite Ernährungslage

25.07.2010

Der nasse Fluch

Feiern unterm Regencape: Der Freitagabend auf dem Obstwiesenfestival war nur für wasserfeste Festivalfans ein Vergnügen. Da taten sich auch die Audio Bullys auf der Hauptbühne schwer. Fotos: Brücken, Golling
2 Bilder
Feiern unterm Regencape: Der Freitagabend auf dem Obstwiesenfestival war nur für wasserfeste Festivalfans ein Vergnügen. Da taten sich auch die Audio Bullys auf der Hauptbühne schwer. Fotos: Brücken, Golling

Dornstadt Wenn mitten im Sommer der Himmel plötzlich alle Schleusen öffnet, wenn aus grünen Wiesen plötzlich zerfurchte Äcker werden, wenn die Menschen Flipflops gegen Gummistiefel tauschen - dann ist Obstwiesen-Zeit. Es ist wie ein Fluch: Pünktlich zum Dornstädter Festival machte das Wetter in den vergangenen Jahren einen Strich durch die Rechnung. Und so erlebten die Besucher am Containerbahnhof, wo das Open Air dieses Jahr stattfand, zumindest am Freitagabend ein verregnetes Programm. Wenigsten am Samstag konnte dann (zumindest abends) ohne Schirm und Regencape gefeiert werden. Ein kleines Happy End für ein an sich wieder einmal gelungenes Festival, bei dem es vor allem interessante junge Bands zu entdecken gab.

Die ganz großen Namen, die in früheren Jahren teilweise das Programm veredelten, fehlten dieses Jahr, ein Verlust war das nicht unbedingt. Schließlich sollte es bei freiem Eintritt nichts zu meckern geben. Vor allem am Freitag und zum Auftakt am Donnerstag tummelten sich auf dem weitläufigen und später ziemlich durchweichten Gelände jedoch weit weniger Fans als erhofft. Insgesamt waren es laut Veranstalter Michael Gugelfuß rund 5000, davon mehr als die Hälfte am etwas trockeneren Samstag. "Es war schon schlimm", sagt Gugelfuß. Über das genaue Ausmaß könne er aber noch keine Auskunft geben. In guten Jahren waren weit über 10 000 Fans zum Obstwiesenfestival geströmt.

Musikalische Qualität stimmte vor allem am Freitag

Die musikalische Qualität stimmte aber allemal. Etwa bei den blutjungen Kakkmaddafakka aus Norwegen, die im trockenen Zelt nicht nur fast sämtliche Stile zu einer flotten Promenadenmischung kreuzten, sondern auch klarer Gewinner eines noch zu stiftenden Obstwiesen-Bühnenshow-Awards sein dürften: für die herrlich einstudierte Tanz-Choreografie ihrer zwei Backgroundsänger im Bademeister-Outfit.

Der nasse Fluch

Mindestens ebenso amüsant war der Auftritt der isländischen Gruppe FM Belfast. Weil die Instrumentals ihres Elektro-Pops aus dem Laptop kamen, konnten sich zumindest drei der vier Mitglieder ganz auf ihre Stärken konzentrieren: gute Laune, spackige Tanzmoves und ein so herrlich hysterisches Falsetto, dass selbst die Gibb-Brüder anerkennend abnicken dürften. Ein großer Spaß, an dem sich das Berliner Trio Großstadtgeflüster ein Beispiel nehmen sollte, das früher am Abend auf der großen Bühne zu sehen war und dessen treibender Elektropunk eher durch unnötige (und ziemlich kalkulierte) Vulgarität nervte. Davon gab es auf dem Gelände dank der aufdringlichen Promoaktivitäten einer nach dem Geschlechtsakt benannten Spirituose ohnehin genug.

Lali Puna lieferten den Höhepunkt des Festivals

Der eigentliche künstlerische Höhepunkt des Abends (und gesamten Festivals) versteckte sich aber im Zelt: Lali Puna aus München, das Quartett um die aus Korea stammende Sängerin Valerie Trebeljahr und Markus Acher, der auch als Gitarrist und Sänger von The Notwist bekannt ist. Auch in Dornstadt zeigten sie, warum sie international erfolgreich sind: Die Verbindung von sanfter Elektronik, Indie-Harmonik und maschinellen Krautrock-Drums ist einzigartig und war im kleinen Zelt genau richtig. So viel Intimität auf einem Festival ist ein reiner Glücksfall. Schön, dass trotz engem Zeitplan sogar noch ein paar Zugaben drin waren. Dagegen wirkte im Anschluss der Auftritt des britischen Dance-Duos Audio Bullys etwas eindimensional.

Der Samstag, der von deutlich mehr Besuchern gesegnet war, konnte die Qualität des Vorabends nicht ganz halten, auch wenn etwa die Neuseeländer Bang Bang Eche mit ihrem zerrenden Dance-Punk mit seinen grellen Sounds, Dauerfeuer vom Schlagzeug und wildem Gekreische das Publikum einem (absolut positiv verlaufenen) Stresstest aussetzten. Das musikalische Äquivalent zu ADHS, die Mitglieder wären auch noch im passenden Alter. Enttäuschend hingegen der Auftritt der Schweizer Palkomuski, deren banaler Balkan-Polka-Rock so gar nicht ins Konzept passen wollte. Viel besser, weil eigenständiger, dann Rocket Freudental aus Stuttgart, die mit ihren konsumkritischen Parolen über trashig zusammengesampelten Rock-Zitaten das Publikum polarisierten. Vielleicht waren manche ja auch nur über den Koboldtanz des Sängers irritiert, der sich damit für eine Rolle bei "Lord of the Dance" empfahl.

Auf der großen Bühne beendeten die Belgier Das Pop das Festival mit luftigem, fröhlichem Gitarrenpop - so sommerlich, wie man sich auch das Wetter an diesem Wochenende gewünscht hätte. Armes Obstwiesenfestival.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren