1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Der neu vermessene Raum

Ausstellung

07.09.2013

Der neu vermessene Raum

Copy%20of%20Boschant.tif
2 Bilder
Die Plastiken der Berliner Künstlerin Madeleine Boschan (kleines Bild) kombinieren Metallteile mit Leuchtstoffröhren und Messinstrumenten.

Madeleine Boschan beim Kunstverein Ulm

Ulm Der Schuhhaussaal lädt immer wieder zur künstlerischen Neuvermessung ein – doch Madeleine Boschan nimmt es mit der Vermessung ganz genau: In ihrer allerersten institutionellen Ausstellung erkundet die 1979 geborene Bildhauerin den historischen Raum mit Plastiken, die etwas von Messstationen oder Antennen haben und bei genauem Hinsehen auch mit Thermometern und anderen Messinstrumenten versehen sind. Boschan eröffnet mit ihrer Präsentation die neue Ausstellungssaison beim Kunstverein Ulm.

Zunächst macht es die Bildhauerin dem Besucher nicht leicht – und das fängt schon mit dem Titel an: „Say a body. Where none. Say a place. Where none. For the body. To be in.“ ist ein Zitat des Schriftstellers Samuel Beckett, dessen dramatisches Spätwerk für Boschan große Bedeutung besitzt, weil es von der Sprache hin zum Raum wechselt – so realisierte er unter dem Titel „Quadrat“ für den Süddeutschen Rundfunk experimentelle Fernsehstücke, die die Schauspieler nach festen Regeln vordefinierte Strecken in einem Rasterraum ablaufen ließen; die Geometrie des Raumes führt so praktisch selbst Regie.

Plastiken aus Fundobjekten und Metallbauteilen

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Diesen Gedanken greift auch die Ausstellung beim Kunstverein auf, indem sie die Objekte auf sechs weißen Plattformen in den einzelnen Quadranten des Saales platziert – und mittels offen verlegter Verbindungskabel Beziehungen zu den weiteren aufnimmt. Dieser Rhythmisierung des Raumes steht ein eher detailliertes Arbeiten in den einzelnen Plastiken gegenüber. Diese fertigt Boschan, die an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig, unter anderem bei John Armleder, studierte, aus standardisierten Metallbauteilen und Fundobjekten: Stecker, Jalousien, Rechenschieber, Leuchtstoffröhren.

Diese kombiniert sie in einem zunächst ungeplanten Prozess zu Gebilden, die einerseits an Wundermaschinen der Vormoderne erinnern, andererseits verwirrend funktionslos bleiben. Einzelne Leuchtobjekte auf dreibeinigem Unterbau wirken wie Sonden, von den Mutterschiffen im Saal ausgesandt. In den Plastiken integrierte Messinstrumente wie Thermometer und Leuchtelemente – deren beschränkte Lebensdauer Boschan als Element der Zeitlichkeit versteht – erzeugen eine Beziehung zu Betrachter und Raum: Licht, Wärme, Bewegung, das alles verändert auch die Arbeiten.

Eröffnung heute, Samstag, um 19 Uhr. Danach ist die Ausstellung bis 3. November zu sehen, geöffnet Mittwoch bis Freitag 14-18 Uhr, Samstag/Sonntag 11-17 Uhr, Montag/Dienstag nach Vereinbarung. Ein Katalog wird am 18. Oktober beim Kunstverein präsentiert.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20KAYA8484.tif
Ulm

Starbucks kommt nach Ulm - und hat dort schon Fans

ad__querleser@940x235.jpg

Qualität auch für Querleser

Montag bis Samstag ab 4 Uhr morgens. Und die Multimedia-Ausgabe
"Kompakt" mit den wichtigsten Nachrichten von Morgen ist auch dabei.

Jetzt e‑Paper bestellen!