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Musik

28.07.2015

Der neue Chorleiter erhebt sich

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Julian Habryka

Das schwere Erbe des Nachfolgers nach dem Tod des Chefs der Sänger von Levantate

Ein Gedenkkonzert am Totensonntag (21. November) im Stadthaus wird seinen Vorgänger ehren: Julian Habryka, neuer Leiter des Chors Levantate, versteht die Gefühlslage seiner Sänger. Nach dem plötzlichen Tod des Leiters Hartmut Premendra Mayer im September 2014, mit dem der Chor Levantate über 24 Jahre aufs Engste verbunden war, konnten sich die Sängerinnen und Sänger eine positive Zukunft ihres Chors nicht vorstellen, gehört zum Chor Levantate nicht nur ein spezielles Repertoire, sondern auch ein politischer und humanitärer Anspruch. „Levantate“ (zu Deutsch „Erhebe dich“) ist ein Lied des chilenischen Komponisten Viktor Jara, ein Appell gegen politische Unterdrückung in Lateinamerika.

Diesen Anspruch will Julian Habryka auf jeden Fall fortsetzen – beispielsweise bei einem Konzert zum 20-jährigen Bestehen des Ulmer Behandlungszentrums für Folteropfer am 2. Oktober. Der 27-Jährige, geboren in der Nähe von Bayreuth, hat nicht nur seine Studien in Schulmusik und Musiktheorie an der Hochschule für Musik in Würzburg abgeschlossen und studiert derzeit an der Münchner Hochschule für Musik Komposition, er hat auch schon eine Menge musikalischer Erfahrung: Der begeisterte Gitarrist und Astor- Piazzolla-Fan leitet unter anderem das Bayerische Landesjugend-Zupforchester – und lehrt bereits als Dozent Musiktheorie. Julian Habryka weiß: Von seinem Temperament und Wesen her ist er vollkommen anders als Hartmut Premendra Mayer. Er wird nicht versuchen, Mayer zu gleichen. „Ich habe ihn nie kennengelernt und erfahre ihn über die Erzählungen der Chorsänger“, sagt er. „Ich kann und will Hartmut Premendra Mayer nicht ersetzen, und das, was den Chor mit ihm verbindet, wischt man nicht weg.“ Deshalb ging er auch gerne auf den Wunsch des Chors ein, beim Gedenkkonzert am Totensonntag weiße Kleidung zu tragen; Weiß ist im Buddhismus, dem sich Mayer verbunden fühlte, die Farbe der Trauer. „Das ist eine Reverenz an ihn“, erklärt Habryka. Und vielleicht auch eine Form der Trauerbewältigung für den Chor.

In den Sommerferien wird Julian Habryka, der für die Chorproben jeweils von Würzburg nach Ulm fährt und hier bei Chormitgliedern übernachtet, das Repertoire von Levantate durcharbeiten. Bis zu den beiden Konzerten im Oktober und November geht es darum, in kurzer Zeit mehrere Stücke einzustudieren. „Mit dieser Arbeit sind wir im Moment sehr beschäftigt“, sagt Julian Habryka, der erstmals im April vor dem Chor Levantate stand und nun nach der dreimonatigen Probezeit, die sich Chor und Leiter gaben, sicher ist, mit seinem Ja zum Engagement für Levantate die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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„Nach dem Gedenkkonzert aber brauchen der Chor und ich Zeit für uns. Zeit, um uns wirklich aufeinander einzulassen und neue Perspektiven zu finden.“ Im Mai geht Julian Habryka mit dem Chor auf Irland-Reise, und gern würde der ehemalige Wagner-Stipendiat mit Levantate auch einige seiner eigenen Werke einstudieren und aufführen. Habryka, dessen Vorfahren etwa zur Hälfte aus Bayern und zur Hälfte aus Baden-Württtemberg kommen, interessiert sich sehr für Philosophie und vertonte beispielsweise 2014 Hegels „Phänomenologie des Geistes“.

Zu seinem Werkverzeichnis gehören unter anderem Klavier-Reflexionen über Schönberg und Charles Ives, Vertonungen von Georg Trakl-Gedichten und von Texten von Christian Morgenstern und Achim von Arnim. „The Ecstasies Above“ ist ein Trio für Violine, Klarinette und Klavier nach einem Text von Edgar Allan Poe, für Barockviola und Live-Elektronik schrieb Habryka den „Tanz der Kirke“.

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