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Witzighausen

09.01.2020

Der neue Dorfladen in Witzighausen ist offen

Der Stolz der Witzighauser: Der eigene Dorfladen ist endlich fertig, am heutigen Freitag ist die offizielle Eröffnung. 200 Haushalte haben sich finanziell daran beteiligt und fungieren als stille Teilhaber.

Plus Mit einem Dorfladen wollen die Witzighauser die Nahversorgung sichern. 200 Haushalte haben sich beteiligt, zahlreiche Ehrenamtliche den Umbau in Eigenregie durchgeführt. Wir haben den Dorfladen besucht.

Schokolade, Gewürze, Suppen und Nudeln stehen im Verkaufsregal. Um die Ecke sind Shampoos, Windeln und Toilettenpapier aufgereiht, es gibt verschiedene Milchprodukte und Fleisch vom Metzger. Wer einen Blick in den neuen Dorfladen in Witzighausen wirft, entdeckt erstaunlich viele verschiedene Waren. „Natürlich können wir nicht die Auswahl eines großen Supermarkts bieten, aber wir sind auch kein Tante-Emma-Laden: Es gibt alles für den Alltag“, sagt Reinhold Ranz. Er fungiert gemeinsam mit Rico Penski und Jörg Breit als Gesellschafter des Dorfladens, dem außerdem viele stille Teilhaber angehören. Insgesamt 200 Haushalte besitzen Anteile am wohl größten Bürgerprojekt des Dorfes – eine Menge bei rund 1500 Einwohnern. Zwei Jahre lang haben viele Engagierte von der Idee bis zur Umsetzung getüftelt, monatelang haben Ehrenamtliche gewerkelt, nun ist es so weit: Der Dorfladen in Witzighausen hat offen. Am heutigen Freitag wird er offiziell eingeweiht. Und er sieht ansprechend aus.

Der Laden ist durch die großen Fenster hell, freundliches Holz schmückt Decke und Böden. Den Innenausbau haben etwa 20 Ehrenamtliche selbst ausgeführt – ein Vor- und Nachteil zugleich. „Es war wahnsinnig viel Arbeit, manchmal wussten wir nicht mehr, was zuerst angepackt werden soll“, erinnert sich Inge Sälzle-Ranz. Andererseits konnte sich das Dorf seinen Laden dadurch auch so gestalten, wie es gut passt. „Andere Händler haben oft Platzprobleme in gemieteten Räumen, wir haben einfach da eine Wand eingezogen, wo wir sie gebraucht haben“, sagt Reinhold Ranz.

Fleisch, Salate und Backwaren gibt es im Dorfladen

Die Fläche des Dorfladens umfasst insgesamt 200 Quadratmeter. Es gibt neben einer Fleischtheke, Salaten und Backwaren auch ein Café. Denn in die Planung des Dorfladens haben sich nicht nur Witzighauser Bürger eingebracht, sondern auch örtliche Firmen. Deren Mitarbeiter freuen sich laut Ranz schon darauf, in Zukunft hier einen Mittagsimbiss zu bekommen. Das Café im Laden soll zugleich als sozialer Treffpunkt fungieren. Auch solch ein Angebot vor Ort, so sagt es Ranz, wird in Zeiten des demografischen Wandels immer wichtiger – und ist in einem Dorf wie Witzighausen gleichzeitig nicht selbstverständlich.

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Im Oktober hat der Eigentümer des Gebäudes, die Sendener Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), den Rohbau an die Unternehmergesellschaft Dorfladen übergeben. Im selben Haus und zwei weiteren Gebäuden sind neue Wohnungen entstanden, die von der SWSG an Menschen mit geringem Einkommen vermietet werden. Damit hat Senden mit seiner eigenen städtischen Wohnungsbaugesellschaft den Auftakt für günstigen Wohnraum gemacht. Das zweite Projekt der SWSG entsteht, wie berichtet, bei der Herrenmühle in Senden.

Witzighauser haben Ausbau des Dorfladens selbst gemacht

Seit Oktober also trennten Ehrenamtliche kleine Räume ab, um daraus Lager, Küche, Toilette zu machen. Böden und Fliesen wurden verlegt, Elektrik installiert und die Theken teilweise gar selbst geschreinert. Die berufstätigen Helfer haben all dies neben ihrem normalen Job gemacht, teilweise bis spät abends. „Es war eine Heidenarbeit“, sagt Ranz. Doch durch das Engagement der Bürger wurde viel Geld gespart: 130.000 Euro hätte der Ausbau gekostet, wenn man eine Firma beauftragt hätte. Geld, das der Dorfladen nicht hat. „Wir haben auch jetzt keine Reserven zum Draufzahlen“, sagt Ranz. Die Preise der Waren seien eine Mischkalkulation, ob dies funktioniere, müsse man abwarten. Auch das Angebot, das Markenprodukte und günstigere Eigenmarken enthält, sei zunächst ein Versuch.

So groß die Vielfalt im Dorfladen auch ist, eines ist den Müttern und Vätern des Projekts wichtig: Es muss so regional wie möglich sein. Soll heißen, viele Waren kommen aus der Region. Das gilt für Milchprodukte, für Fleisch und Backwaren, aber auch für regional hergestellte Lebensmittel, die rechts neben dem Eingang in einem hübschen Regal präsentiert werden. „Wie kämen wir denn rüber, wenn wir darauf bestehen, vor Ort eine Einkaufsmöglichkeit zu schaffen und die Leute animieren, das Auto stehen zu lassen und bei uns einzukaufen – und dann beziehen wir unsere Ware von weit her?“ Gleichzeitig müsse man aber ein Mittelmaß finden: „Mit dem Dorfladen wollen wir nicht die Welt retten, sondern die Grundversorgung vor Ort sichern.“

Leute sollen im Dorfladen nicht nur Kleinigkeiten kaufen

Ranz ist überzeugt: Preislich könne der Dorfladen zwar nicht mit einem Discounter mithalten, aber mit einem Supermarkt durchaus. „Die Leute müssen aber auch kommen und nicht bloß einen vergessenen Joghurt bei uns kaufen, sondern einen Wocheneinkauf machen.“ Der Dorfladen sei kein Sozialbetrieb und bekomme keine Unterstützung, sondern müsse sich selbst tragen. Dazu gehöre auch, die angestellten Verkäufer und die Ladenleiterin Sabine Penski bezahlen zu können.

Doch die Initiatoren des Dorfladens machen sich deswegen keine Sorgen: „Die Witzighauser wollen den Dorfladen, sonst hätten sich nicht so viele Menschen finanziell beteiligt“, sagt Ranz. „Wenn allein die 200 Mitglieder kommen, habe ich keine Angst.“ Man habe zudem in Hittistetten, Wullenstetten und auch in Illerberg Werbung gemacht. Zudem wollen immer mehr Leute regionale Waren kaufen und aus ökologischen Gründen gleichzeitig nicht mehr dauernd das Auto benutzen. Ranz ist sich sicher: „Wir haben eine Zukunft.“

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