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Personalie

10.01.2020

Der neue Ulmer Wirtschaftskapitän hat nun das Kommando

Die Uhr von Otto Sälzle (links) bei der Ulmer IHK ist abgelaufen. Sein Nachfolger Max-Martin Deinhard wollte eigentlich immer „Kapitän zur See“ werden. Nun steuert er das Schiff der IHK.
Foto: Alexander Kaya

Plus Otto Sälzle übergibt als Hauptgeschäftsführer der Ulmer Industrie- und Handelskammer nach 23 Jahren die Geschäfte an seinen Nachfolger Max-Martin Deinhard. Ein Blick auf Zukunftsaufgaben und nachhaltige Verdienste.

Die erste Aufgabe bekommt der neue Hauptgeschäftsführer der Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK), Max-Martin Deinhard, gestellt, bevor er den Posten offiziell überhaupt angetreten hat: Einen Plan soll der 38-jährige Diplom-Politologe erarbeiten, in dem stehen wird, wie die Region ihre herausgehobene Stellung als eine der am besten funktionierenden europäischen Wohlstandsinseln in den kommenden zehn Jahren behaupten will.

Wie sich Ulm zwischen München und Stuttgart behaupten soll

Jan Stefan Roell, der Präsident der IHK Ulm und damit so etwas wie der Chef von Deinhard sieht insbesondere die frühkindliche Bildung als zentralen Aspekt. „Wir dürfen keine Menschen verlieren auf dem Weg in die Arbeitswelt“, sagt Roell bei der Verabschiedung von Otto Sälzle, der 23 Jahre die Geschicke der IHK als Hauptgeschäftsführer leitete und sich nun als 63-Jähriger in den Ruhestand verabschiedet. Als letzte Botschaft in Amt und Würden hatte der quickfidele Sälzle noch eine Botschaft im Gepäck: Um nicht zwischen den Metropolregionen Stuttgart und München zerrieben zu werden, müssten die Akteure im Großraum Ulm verstärkt an einem Strang ziehen. Dafür sei der Schwabenbund die „einzig richtige Kooperationsform“.

Dazu: Wo Ulm wirklich Spitze im Süden ist

Bevor sich Sälzle zu den Klängen des Hooters Songs I Am Alive (Sälzle: Der Song bringt mein Lebensgefühl auf den Punkt) feiern ließ, prasseln Lobeshymnen auf den Vater zweier Töchter ein. Als einen „Macher und Treiber“ bezeichnet ihn Norbert Zeidler, der OB von Biberach als Vertreter der Kommunen. Der Vizepräsident der Ulmer IHK, Friedrich Kolesch, beschreibt Sälzle als so etwas wie ein fleischgewordenes Argument für den Job eines hauptamtlichen Geschäftsführers. Denn mit dieser Zielstrebigkeit könnte ein ehrenamtlicher IHK-Vertreter kaum Ziele durchsetzen, weil dann immer Loyalitätskonflikte drohten. Dass es in den über zwei Jahrzehnten Amtszeit von Sälzle in der von ihm mit ins Leben gerufenen „Innovationsregion“ fast nur bergauf ging, konnte auch IHK-Präsident Roell nicht bestreiten, wenngleich er zu Sälzle ganz offensichtlich ein eher distanziertes Verhältnis pflegt: Die Anzahl der Betriebe stieg von 14.000 auf über 40.000, die Gewerbesteuereinnahmen von 140 Millionen Euro auf 495 Millionen.

Was Sälzle mit den Sedelhöfen zu tun hat

Anhand einer am Freitag nach der Feierstunde im Ulmer Kornhaus ausliegenden Festschrift, gelangten die Grußworte auch an den Mittagstisch: Als einen „begnadeten Netzwerker“ beschreibt Neu-Ulms OB Gerold Noerenberg Sälzle. Dieser sei durch seinen „strategischen Weitblick“ ein „maßgeblicher Impulsgeber“ der Region. Als ein (Mit-) Verdienst von Sälzle wird auch die Internationale Schule mit Sitz in Neu-Ulm vielfach erwähnt. Bei der Gründung vor 15 Jahren kämpfte diese noch mit Schülermangel. Und heute herrsche hier aufgrund der großen Nachfrage Raumnot. Viele Ulmer Einzelhändler behalten Sälzle in guter Erinnerung, weil er sich immer – auch gegen Widerstände aus dem Ulmer Rathaus – für eine Konzentration der Geschäfte in der Ulmer Innenstadt einsetzte. Ohne die Überzeugungsarbeit der IHK würde jetzt vielleicht ein großes Einkaufszentrum völlig isoliert von der Fußgängerzone in bahnhofsnähe stehen. So sahen es zumindest Pläne des Branchenriesen ECE vor über zehn Jahren vor. Auch gegen die Ausweitung von Textilgeschäften und Co („innenstadtrelevante Sortimente“) rund um Ikea setzte sich Sälzle ein. Das – da war sich das „Who is Who“ der Ulmer Wirtschaftswelt am Freitag beim Buffet nach den Reden ziemlich einig, hat den Bau der Sedelhöfe erst ermöglicht.

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