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03.06.2009

Der sächsische Kalauerkönig und die real existierende Ostalgie

Ulm Seit dem Auftritt des TV-Schauspielers und Kabarettisten Uwe Steimle im Ulmer Zelt wissen wir, warum die Chinesen immer lächeln: "Weil sie die Mauer noch haben". In seiner sächsischen Heimat ist er mit solchen Sprüchen zum Komödienstar avanciert. Auch in Ulm klatschten sich seine Fans vor Vergnügen auf die Schenkel.

Wessis wie Ossis bekamen dabei ihr Fett bei dem Zwei-Stundenauftritt des Dresdner Kalauerkönigs ab. Für die Linken durfte er kürzlich in Berlin den Bundespräsidenten wählen und nutzte diese Erfahrung in seinem Programm schonungslos aus, über den (nicht von ihm gewählten) Horst Köhler herzuziehen, der als Phrasendrescher nicht mehr zu sagen habe, als das "wir in einem schönen Land" lebten, wie ihm die "Leute draußen" sagten. Über das Parlament zog er her, dass in dieser Ansammlung von kinderlosen Lehrern und Anwälten doch ein paar Arbeiter und Bauern fehlten, um eine Politik fürs Volk zu machen.

In purer Ostalgie schwärmte er von den Dresdner Kulturbrötchen im DDR-Staat, gegen die die heutigen Backwaren nur heiße Luft seien: Nach dem Motto: "Bum bum, dr Dod geht um, wieder eener dod mit nem Gonsumbrod".

Immer wieder macht Steimle, besonders als vorlauter Hauptkommissar Jens Hinrichs aus der TV-Krimireihe Polizeiruf 110 bekannt, Liebeserklärungen an seine sächsische Heimat und ihren Dialekt, der so sparsam die Konsonanten umgeht. Sie fehlten sogar in der sächsischen Buchstabensuppe. Dialekt sei Heimat, das letzte Rückzugsgebiet, auf das wir uns in dieser globalisierten Welt besinnen könnten, meint er. Hier sei man noch Mensch und nicht wie im Hochdeutschen "Verbraucher".

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Die Lacher auf seiner Seite hatte der Sachse mit seinem Traum, dass die "holländischen Bauern ihre Gemüsetomaten selber essen und prangerte die verkommenen "Fress-Sitten" an: "In Dresden gibt es jetzt den ersten Sachsen-Döner".

Der Sachse sagt nicht alles was er meint, meint aber immer, was er sagt, ist der Leitfaden des flachsblonden Kabarettisten und er betont, dass er die DDR nicht wiederhaben will.

Es störe ihn aber, "dass uns Ossis ständig erklärt wird, wie wir gelebt wurden".

Die Wende wird seit Längerem von Uwe Steimle als Kehre bezeichnet: Weil es jetzt wieder in die Gegenrichtung gehe. Beispielsweise hin zum Jugendwahn in unserer Gesellschaft, einer Form von Rinderwahn, die bisher nur bei Stefan Raab nachgewiesen worden sei. Jubel im Zelt, das Publikum zeigte Nehmerqualitäten.

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