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Ulm

04.12.2017

Der schweißende Schwabe gewinnt

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3 Bilder
Martin Werz, der an der Uni Stuttgart forscht, schwäbelte über Schweißprozesse und überzeugte die Zuschauer am meisten. 
Bild: Horst Hörger

Bei der Deutschen Science-Slam-Meisterschaft im CCU messen sich Wissenschaftler, die ihre Forschung originell präsentieren. Manche tragen dabei sogar eigenwillige Verkleidungen.

Die Wissenschaftler, die sich im Einsteinsaal treffen, wollen an diesem Abend nicht unbedingt mit der Tragweite ihrer Erkenntnisse punkten. Es gewinnt der unterhaltsamste Forscher, der am kreativsten mit Bildschirm, Requisite oder Kostüm umgeht und das Publikum erreicht. Das Congress Centrum Ulm (CCU) beherbergt die Deutsche Science-Slam-Meisterschaft – und ist so voll, dass es zu platzen scheint.

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In möglichst einfacher Ausführung erklären die Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse, sie haben jeweils zehn Minuten Zeit. Anschließend bewertet das Publikum die Auftritte mit Punkten zwischen eins und zehn. Die Slammer, die sich am Samstagabend in Ulm präsentieren, sind allesamt bereits Gewinner der Vorentscheide aus der gesamten Republik. Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch zitiert in seinen Begrüßungsworten Einstein, dann beginnt der Kampf mit den wissenschaftlichen Worten.

Wadim Wormsbecher, Doktorand an der Humboldt-Universität Berlin, erklärt locker aus der Hüfte, dass der Klebstoff zwischen den Grundbausteinen eines Atoms quasi dasselbe ist wie ein schwarzes Loch. Eine wahrscheinlich bahnbrechende Erkenntnis. Honoriert mit 51,5 Punkten, ein Start nach Maß in einen spannenden Abend. Elisabeth Mettke, PR-Referentin bei der Forschungsgemeinschaft Immuno-Sensation in Berlin, befasst sich im Anschluss mit Bakterien-WGs im Darm und erklärt „Spenderkacke“ amüsant überzeugend für lebensrettend. Dafür gibt ihr das Publikum 57,5 Punkte. „Das bizarre Sexualleben der Windenglasflügelzikade“ beschäftigt Susanne Grube, die derzeit in Berlin in Biologie promoviert. Zikaden-Disko und bioakustischer Sex mit dem Publikum bringen dem Energiebündel 57,8 Punkte. Linguistin Katharina Minz von der Universität Bielefeld steigt danach mit 51,2 Punkten eher ab, bringt aber ein nicht weniger interessantes Thema mit: Wie Sprachwissenschaft die Menschheit rettet, inklusive praktischer Beispiele zur Vokalqualität. Damit schickt das gut gelaunte Moderationsduo aus Dana Hoffmann und Hanz, der selbst als Poetry-Slammer auftritt, die erhellten Zuschauer in die Pause.

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Witzig geht es danach weiter. Der als Kieselalge verkleidete Meeresforscher Michael Kloster, Doktorand am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, holt mit humoristischen Einsichten zu Sex, Gewalt und Völlerei in der Antarktis allerdings nur 49,5 Punkte. Jannik Ehrlich, Doktorand an der Universität Oldenburg, schrumpft den Menschen auf Zellgröße und kleiner, zeigt molekulare Motoren, deren Treibstoff Information ist, und erreicht 55,2 Punkte. In Mönchskutte referiert Simon Hauser, Doktorand an der Philipps-Universität Marburg, über Philologie des Mittelalters auf charmant komödiantische Weise und endet mit einem Rap über die Heilsspiegel-Handschrift A. Mit Riesenapplaus und 64,2 Punkten wird er schon als Sieger gewähnt.

Tatsächlich übertrifft ihn Martin Werz, der achte und letzte Denker des Abends. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Materialprüfungsanstalt der Universität Stuttgart schwäbelt über Schweißprozesse und -verbindungen und zieht Vergleiche mit Schokolade und Plätzchenteig. Das Publikum bricht vor Lachen zusammen. Mit einem knappen Vorsprung wird er der zweifelsohne verdiente Gewinner des Abends: 64,5 Punkte. Vorjahressieger Johannes Kretschmar überreicht Martin Werz eine Einstein-Trophäe und die Gewinner-Medaille. Bei der After-Show-Party im Roxy legt DJ Roter Freibeuter auf, der auch die Meisterschlacht im CCU musikalisch begleitet hat.

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