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Ausstellung

10.04.2015

Designgeschichte in der Tupperdose

Nicht nur für die Hausfrau interessant: Die „Wonderbowl“, entworfen 1948 von Earl Silas Tupper, ist heute in fast jedem Haushalt präsent. Gleichzeitig entstand mit den zugehörigen „Tupperpartys“ ein ganz neuer Vertriebsweg.
Bild: Alexander Kaya

Vom Kugelschreiber bis zum iPod: Das HfG-Archiv zeigt „12 Gegenstände“, die den Alltag nachhaltig prägten. Darunter auch ein Gerät, das in Ulm entworfen wurde

Design kann praktisch sein oder einfach nur gut aussehen. Wirklich gutes Design aber kann den Alltag verändern. So wie die Erfindung von László Bíró. Dieser erhielt 1938 in seiner Heimat Ungarn das Patent für eine bei Druck rollende und dabei eine Schreibpaste freigebenden Kugel. Doch wirklich Karriere machte seine Entwicklung erst nach dem Krieg, als der zwischenzeitlich vor den Nationalsozialisten nach Argentinien geflohene Jude Bíró die Rechte an einen französischen Industriellen verkaufte. Der Kugelschreiber eroberte die Welt – und wird in der angelsächsischen Welt nach seinem Erfinder noch immer „Biro“ genannt.

Der „Go-Pen“ ist – in mehrfacher Ausführung – eines der Exponate der neuen Sonderausstellung des HfG-Archivs auf dem Kuhberg. „12 Gegenstände“ präsentiert im „Studio HfG“ Beispiele für gelungene Gestaltung. Die Schau erzählt schlaglichtartig die Geschichte des Designs im 20. und 21. Jahrhundert. Die Idee stammt von dem australischen Historiker und Unternehmer Stephen Palmer; voraussichtlich Anfang Mai wird ein Buch zum selben Thema erscheinen.

Am Anfang steht der Plan für die AEG-Anlage in der Berliner Brunnenstraße aus dem Jahr 1914, geschaffen von Peter Behrens, der als Begründer des Industriedesigns gilt. Andere Exponate sind deutlich geläufiger: Etwa der Sessel „Grand Confort“ aus dem Büro von Le Corbusier oder – quasi als Lokalmatador – das Braun-Phonogerät SK 4 („Schneewittchensarg“), das 1956 an der Ulmer Hochschule für Gestaltung von Hans Gugelot und seinem Team entworfen wurde und als erstes Produkt seiner Art nicht mehr wie ein Möbel, sondern wie ein technisches Gerät aussah.

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„12 Gegenstände“ präsentiert die Stücke aber nicht als reine Ikonen, sondern liefert in den begleitenden Texten die entsprechende Kontexte mit. Etwa, wie die 1948 entwickelte „Tupperware“ mit den zugehörigen Partys neue Vertriebswege erschloss, wie Nokia mit seinem Modell „3210“ aus dem Jahr 1999 das Handy massentauglich machte oder Apple mit dem „iPod Mini“ (2004) die Bedienung zum sensorischen Erlebnis machte. Die Ausstellung zeigt aber auch, dass auch gute Gestaltung scheitern kann, wie Massimo Vignellis abstraktem Liniennetzplan für die New Yorker U-Bahn (1972). Die Bürger lehnten diesen ab, sodass die Stadt später wieder einen topografischen Netzplan bekam.

Zwei Exponate fallen aus dem Raster. Zum einen die Schrift „Comic Sans“ (1993), die sich etwa auf Einladungskarten bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut, Gestaltungsprofis aber ein Gräuel ist. Sie wird in der Ausstellung auf einem bedruckten Vitrine präsentiert. Und am Ende von „12 Gegenstände“ steht ein Gegenstand, der keiner ist: ein „Nicht-Objekt“, repräsentiert von der architekturkritischen Schrift „Anti-Object“ des Japaners Kengo Kuma. Deren zentrale Fragen lassen sich auch auf das Produkt-Design übertragen: Was tut ein Objekt über seine Funktion hinaus mit dem Benutzer? Steht es zwischen dem Subjekt und der Welt, statt die beiden zu verbinden? Herausforderungen, denen sich die Gestalter von heute und morgen stellen müssen. Sonst ist es eben nur praktisch oder sieht gut aus.

Eröffnet wird „12 Gegenstände“ heute, Freitag, um 19 Uhr in der Mensa des HfG-Gebäudes. Danach läuft die Ausstellung bis 25. Oktober.

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