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Ulm

14.01.2018

„Desolate Situation“ in Zügen nach Ulm

Züge aus dem Alb-Donau-Kreis in Richtung Ulm sind zu den Stoßzeiten überfüllt. Landrat Heiner Scheffold setzt sich für die Beseitigung der „momentanen Kapazitätsengpässe“ ein.

Gedränge auf dem Bahnhof, Enge im Zug: Überfüllte Waggons führen offenbar zu chaotischen Zuständen. Nach zahlreichen Beschwerden reagiert jetzt Landrat Heiner Scheffold.

 Morgens um 7 Uhr an einem Bahnhof vor den Toren Ulms. Es wird geschoben und geschubst und gemotzt. Tokioter Verhältnisse in Herrlingen: Der aus Ehingen kommende Zug ist völlig überfüllt. Wartende Fahrgäste können nicht mehr einsteigen.

Offenbar kein Einzelfall: Wegen heftiger und anhaltender Beschwerden von Fahrgästen über mangelnde Kapazitäten in den Nahverkehrszügen, vor allem auf der Südbahn und der Donautalbahn hat sich Landrat Heiner Scheffold (Alb-Donau-Kreis) in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund-GmbH (Ding) an Landesverkehrsminister Winfried Hermann gewendet. „Seit Beginn des laufenden Schuljahres, verstärkt aber im Dezember 2017 und auch wieder in den ersten Schultagen des Jahres 2018, mehren sich im Bereich des Verkehrsverbundes Ding heftige Beschwerden über mangelnde Kapazitäten der Nahverkehrszüge“, schreibt Scheffold.

Demnach konnte bis dato die Regionalbahn RB 22355 (Ulm an 7.20 Uhr) seit dem 8. Januar diesen Jahres bereits ab dem Bahnhof Herrlingen keine weiteren Fahrgäste mehr aufnehmen, wie der Aufsichtsratsvorsitzende des Verkehrsverbunds ausführte. Der Landrat wies in dem Schreiben darauf hin, dass das Landesverkehrsministerium die Verkehre im Schienenpersonennahverkehr ausgeschrieben habe. Dabei seien die erforderlichen Kapazitäten gerade in der Hauptverkehrszeit offensichtlich zu knapp kalkuliert worden. Möglicherweise, so vermutet der Landrat, geschah dies, um mit den eingesparten Mitteln in Nebenverkehrszeiten im Rahmen des „Zielkonzeptes 2025“ Züge bestellen zu können. „Was aber nutzt ein von Ihrem Haus als Erfolg der Neuausschreibung bezeichnetes neu eingerichtetes Grundangebot in Randzeiten, etwa nach 20 Uhr, wenn zu den Zeiten, in denen die Menschen Züge benötigen, die Kapazitäten in unserem Verbundraum und an anderen Stellen im Land nicht ausreichen“, fragt Scheffold.

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Der Landrat habe diese Zustände selbst beobachtet: „Unmittelbar vor Weihnachten bin ich im Zeitraum vom 15. bis 21. Dezember 2017 an den Werktagen mit dem Zug um 7:16 Uhr von Ehingen (Donau) nach Ulm gefahren und habe die geradezu desolate Situation selbst erlebt.“ Die morgendlichen Züge nach Ulm seien anstatt mit drei, lediglich mit zwei Wagen unterwegs. Bereits bei Ankunft in Ehingen hätten die Fahrgäste in den Wagen gestanden. An den folgenden Bahnhöfen in Allmendingen, Schelklingen und Blaubeuren hätten nicht alle dort wartenden Fahrgäste aufgenommen werden können.

Aufgebrachte Eltern hätten berichtet, dass die Fahrten häufig nur mit der Hälfte der üblichen Zug-Garnitur durchgeführt werden würden. In zunehmendem Umfang fielen einzelne Nahverkehrszüge auch ganz aus. Scheffold verwies darauf, dass die geschilderten Probleme nicht nur auf den Verbundraum von Ding beschränkt sind. Auch der Landrat des Bodenseekreises, Lothar Wölfle hatte dem Verkehrsminister von vergleichbaren Problemen auf der Bodenseegürtelbahn berichtet. Landrat Scheffold bat Landesverkehrsminister Hermann eindringlich „kurzfristig prüfen zu lassen, welche einsatzfähigen Fahrzeuge zur Verfügung stehen, egal welchen Alters, um das Kapazitätsproblem durch den Einsatz aller verfügbaren Fahrzeuge rasch beheben zu können“. Für die Fahrgäste sei der Einsatz eines Zuges älteren Baujahrs ein geringeres Übel, als gar nicht mitgenommen zu werden oder in einem völlig überfüllten Zug stehen zu müssen.

Scheffold wies darauf hin, dass Fahrgäste, die sich bei der Bahn beschweren, keine oder keine befriedigende Antwort erhalten und sich daher an den Verbund Ding wenden würden. Scheffold: „Da wir weder über die Ursachen des Problems oder über die Bemühungen, diese zu beseitigen, informiert sind noch den zeitlichen Horizont kennen, ist uns in der Regel eine fundierte Antwort nicht möglich. Vor allem diese Intransparenz führt dazu, dass das Vertrauen, welches die Fahrgäste bisher dem ÖPNV im Ding entgegengebracht haben, massiv leidet.“ Die Folge ist aus Sicht des Landrats klar: „Materiell wird sich das auf die Fahrgastzahlen und Erlöse auswirken, da sich Eltern von Schulkindern ebenso wie Berufspendler entsprechend anpassen und alternativ auf den motorisierten Individualverkehr ausweichen werden.“ Mit dem derzeitigen Zustand werde eine nachhaltige Verkehrswende nicht gelingen. (az)

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