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Roggenburg

15.05.2019

Diademus präsentiert Programm: Ziemlich verrückt, dieses Festival

Benno Schachtner (rechts), hier beim Abschlusskonzert des Diademus-Festivals 2018, hat für die vierte Ausgabe ein Programm unter dem Motto „Verrückt“ zusammengestellt. Der Vorverkauf beginnt am heutigen Mittwoch.

Bei der vierten Ausgabe des Festivals für Alte Musik in Roggenburg geht es von 25. August bis 1. September um Komponisten und Werke neben der Spur. Intendant Benno Schachtner übernimmt eine weitere Aufgabe.

Schon stressig, so ein Künstlerleben, erst recht, wenn man so vielseitig ist wie Benno Schachtner: Gerade erst durfte sich der Countertenor am Theater Ulm für seine Rolle in der Oper „Written on Skin“ feiern lassen, schon stapeln sich in seiner Pfuhler Wohnung die Kisten mit Flyern für die nächste Ausgabe seines Diademus-Festivals im Kloster Roggenburg. Und der erste Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall steht für den gebürtigen Illertisser auch bevor. Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das alles zu meistern. Und „Verrückt“ ist auch das Motto des Festivals für Alte Musik, das dieses Jahr von 25. August bis 1. September stattfindet.

„Verrückt“ ist natürlich mehrdeutig gemeint, am besten gefällt Intendant Schachtner aber die Idee, dass manches, was da im Kloster zu hören und sehen sein wird, etwas „ver-rückt“, also „neben der Spur“ sein wird – im positiven Sinn: Ein Künstler müsse das sein, „sonst könnte er nichts Außergewöhnliches schaffen“. Selbiges nimmt er auch gerne für sein Festival in Anspruch, er wolle keine Erwartungen bedienen, sondern Neues ausprobieren. „Mainstream interessiert mich nicht“, sagt der 34-Jährige. Sein neues, stärker kammermusikalisch geprägtes Diademus-Programm protzt nicht mit berühmten Ensembles oder Gassenhauern der Musikgeschichte. Dahinter steckt auch die Gewissheit, dass sich Diademus einen gewissen Status erarbeitet hat.

Bei einem verrückten Festival darf Mozart nicht fehlen

Bei einem verrückten Festival darf aus Sicht Schachtners Wolfgang Amadeus Mozart nicht fehlen. Beim Eröffnungskonzert (Sonntag, 25. August, 16 Uhr) im Innenhof des Klosters spielt das Ensemble Concerto 99 unter Leitung von Christian Weiherer die Komposition „Ein musikalischer Spaß“, die durch ihre Dissonanzen „manchmal wie Neue Musik klingt“, so der Intendant. Die weiteren Werke des Konzerts sind Mozarts 1. Sinfonie Es-Dur und Joseph Haydns „Abschiedssinfonie“, bei der zum Schluss hin die Musiker nacheinander die Arbeit einstellen. Lauter Werke, die nicht der Norm entsprechen.

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Musik „von Mördern, Gaunern und anderen Ganoven“ gibt es dann beim zweiten Abend, der wieder unter dem Motto „Nachtaktiv“ steht (Freitag, 30. August). Erneut bietet dieses Format zwei Konzerte nacheinander: Zunächst bringt das Ensemble Stravaganza aus Salzburg um 19 Uhr in der Tenne des Klosters Werke von kriminellen Komponisten zu Gehör, von unbekannten Künstlern, über die man laut Schachtner nur aus Gerichtsakten Informationen bekommt. Danach, um 21 Uhr in der Bibliothek, geht es dann bei einem Liederabend um „Genie oder Wahnsinn“, wobei Robert Schumann nicht fehlen darf, der sich 1854 in den Rhein stürzte und später im Irrenhaus starb.

Ein Profisprecher begleitet das gesamte Festival in Roggenburg

Bei allen Veranstaltungstagen im Einsatz ist auch Peter Bieringer, erster „Artist in Residence“ bei Diademus – nicht etwa ein Musiker, sondern Profisprecher. Für Schachtner nicht nur eine weitere Verrücktheit im Programm, sondern ein wichtiges neues Element: Bei Diademus, so wünscht sich der Organisator, sollen die Leute Musik nicht nur hören, sondern auch erleben. Der 1957 geborene Bieringer, früher Radio- und Fernsehmoderator, soll die Konzerte mit Texten und Auszügen aus Briefen bereichern.

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Die zweite große Neuerung des Festivals bringt Schachtner selbst zusätzliche Arbeit ein: Er leitet die Diademus-Chorakademie, bei der ambitionierte Amateursänger eine Woche lang in Roggenburg wohnen, proben und zusätzlich Einzelstimmbildung bekommen. „Im ersten Jahr ist das noch Chefsache“, sagt der Intendant und lacht. Die 15 Teilnehmer dieser „Prototyp“-Chorakademie hat er noch selbst eingeladen, es sind Mitglieder semiprofessioneller Ensembles, aus der näheren Region, aber auch aus dem Rest Deutschlands, Frankreich und der Schweiz.

Teilnehmer der Chorakademie singen beim Festgottesdienst

Die Amateure proben aber nicht zum Spaß, sondern treten beim erstmals zu Diademus gehörenden Festgottesdienst in der Klosterkirche auf (Sonntag, 1. September, 10 Uhr), bei dem auch Domorganist Sebastian Küchler-Blessing aus Essen mitwirkt. Noch etwas eindrucksvoller dürfte der Auftritt der Chorakademie beim Festivalfinale (Sonntag, 1. September, 16 Uhr) an selber Stelle werden: Dann singen sie an der Seite namhafter Solisten, darunter Sopranistin Lydia Teuscher und Countertenor Schachtner selbst. Geleitet wird das Konzert mit Werken von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach von Gerhard Weinberger, bei dem der Festivalleiter einst in Detmold Kirchenmusik studierte. Verrückt sind bei dieser Veranstaltung vor allem die ausgewählten Stücke, etwa Vater Bachs „Herkules auf dem Scheideweg“, bei dem Kennern laut Schachtner einiges bekannt vorkommen dürfte: „Darin kommen die ganzen Schlager aus dem Weihnachtsoratorium vor.“

Der Vorverkauf für alle Konzerte von Diademus beginnt am Mittwoch, 15. Mai. Erhältlich sind die Tickets beim Klosterladen Roggenburg, bei Reisser Musik in Ulm, beim Musikhaus Förg in Memmingen und auf der Online-Seite des Festivals.

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