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Ulm

17.11.2019

Die Bandidos: Feier in Ulm gibt Einblicke in eine Biker-Bruderschaft

Bild: Ronald Hinzpeter

Plus Der Motorradclub feiert in Ulm sein Jubiläum und lässt sich dabei zumindest eine Zeit lang zugucken. Die Polizei hat die Umgebung fast hermetisch abgeriegelt.

Der fette Mexikaner ist auf der Straße nicht gerne gesehen. Sollte er irgendwo öffentlich auftauchen, droht Ärger mit der Justiz: Das kleine Männchen mit der Machete in der einen und der Knarre in der anderen Hand ist das Erkennungszeichen der Bandidos, dem zweitgrößten Rockerclub der Welt, und ziert die Kutten der Mitglieder. Doch er darf seit 2017 in der Öffentlichkeit nicht mehr getragen werden, genauso wenig wie alle anderen Erkennungszeichen der Bandidos. Er ist sozusagen eine verbotene Person. An diesem Samstagabend allerdings ist er der Mann der Stunde in diesem großen Gebäude im Ulmer Donautal, in dem normalerweise türkische Hochzeiten gefeiert werden.

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Er prangt auf vielen Westen, zusammen mit dem Bandidos-Schriftzug und dem Ort, wo das jeweilige Chapter seinen Sitz hat. Rund 1800 Rocker sollen es, sein, die hier die Tatsache feiern, dass der weltweit aktive Club seit 20 Jahren in Deutschland vertreten ist. Ulm war einer der Gründungsorte. In geschlossenen Räumen dürfen die Rocker sich so geben, wie sie wollen und auch ihre Kutten tragen. Damit sie sich auf dem Außengelände rund um den Hochzeitssaal bewegen dürfen, ohne sich vorher umzuziehen, sind hohe Sichtschutzzäune aufgestellt. Damit ist den juristischen Vorschriften Genüge getan, denn sehen können den „Fat Mexican“, wie ihn die Bandidos selber nennen, nur die geladenen Gäste.

Die Rockergruppe Bandidos hat in einem türkischen hochzeitssaal im Ulmer Donautal ein internationales Treffen gefeiert. Dabei durften erstmals auch Medienvertreter dabei sein. Das interesse war enorm (unten links). Die Polizei kontrollierte mit starken Kräften die an- und abreise der Teilnehmer.
Bild: Ronald Hinzpeter

Zu denen gehören diesmal auch Medienvertreter. Sie dürfen zwar nicht den ganzen Abend bleiben, aber immerhin die ersten zwei Stunden. Das ist ungewöhnlich, denn ein Rockerclub, der sich selber als „Outlaw Motorcycle Gang“ sieht, also als eine Vereinigung außerhalb des Gesetzes, lässt sich nicht gerne mit den Medien ein. Zumal die in der Vergangenheit nicht gerade freundlich mit den Bandidos umgegangen sind. Die tauchten vor allem in der Berichterstattung auf, weil sie sich immer mal wieder mit den gefürchteten Hells Angels blutige Auseinandersetzungen lieferten. In Ulm sorgte der hiesige Bandidos-Ortsverein für Schlagzeilen, weil er in Wiblingen die Wohnung des Präsidenten der Vereinigung Rockmachine attackierte.

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„Outlaw Motorcycle Gang“: Bandidos attackierten andere Vereinigung in Ulm

Das alles jedoch sei vorbei, versichert der offizielle Pressesprecher der deutschen Bandidos. Er nennt sich Andy und ist ein schwäbischer Berliner mit hörbarem wüttembergischen Einschlag. Er ist der Typ guter Onkel und strahlt eine natürliche, aber kumpelhafte Autorität aus. Ja, sagt der hochgewachsene Mann mit dem Titel „El Secretario“, der Sekretär, es habe da „einige Fehlleistungen in der Vergangenheit“ gegeben. Das sei aber „örtlich bedingt“ gewesen, hat also nach seinen Worten vor allem seine Ursache in lokalen Rivalitäten. Das Verhältnis zwischen den Hells Angels, deren Kutten in der Öffentlichkeit ebenfalls verboten sind, und den Bandidos sei mittlerweile „entspannt“. Auch der Streit mit Rockmachine, der im Raum Ulm/Neu-Ulm Polizei und Justiz beschäftigt hat, sei „Geschichte“. Da scheint was dran zu sein, denn tatsächlich sind auf dem Veranstaltungsgelände einige Rockmachine-Kuttenträger zu sehen.

Die Rockergruppe Bandidos hat in einem türkischen hochzeitssaal im Ulmer Donautal ein internationales Treffen gefeiert. Dabei durften erstmals auch Medienvertreter dabei sein. Das interesse war enorm (unten links). Die Polizei kontrollierte mit starken Kräften die an- und abreise der Teilnehmer.
Bild: Ralf Zwiebler

Was die Medien betrifft, so habe es in der Vergangenheit einige „irritierende Falschberichterstattungen“ gegeben, sagt Sprecher Andy, deshalb habe man mit der Presse nicht gerne geredet. Doch die 20-Jahrfeier wollte der Klub nutzen, um sich ein Stück weit zu öffnen: „Wir wollen hier Transparenz reinkriegen“, erklärt Andy. Die Menschen sollten sich nicht irgendwelche Mythen zusammenreimen, nur weil sie nicht wissen, was in den geschlossenen Zirkeln eines Rockerklubs so vor sich geht. Deshalb wurden ausdrücklich örtliche Medien eingeladen, um sich selber ein Bild zu machen.

Bild: Ronald Hinzpeter

Bandidos feiern Jubiläum in Ulm

Und was geht da in dem Hochzeitssaal ab, der mal die Diskothek „Take Off“ war? Es ist ein ganz normales Rockertreffen, wie sie landauf, landab das ganze Jahr über stattfinden. Wer je auf einer solchen Biker-Party war, weiß: Das sind im Allgemeinen friedliche Feste. Es treffen sich gleichgesinnte, befreundete Klubs: Raubeinig aussehende Gesellen in ihrer jeweiligen Vereinskluft feiern ihre Freundschaft, das Rocker-Sein, die Stärke in der Motorrad-Bruderschaft. Da knallen lautstark Hände zum Gruß aufeinander, Männer umarmen sich hart und herzlich, es wird viel geredet, gegessen, getrunken. Auch wenn Rockervereinigungen reine Männerbünde sind, feiern Freundinnen und Ehefrauen ebenso mit. Im Freien gibt es eine Feuershow, Verkaufsstände bieten allerlei Schnickschnack sowie Fanartikel und Mitgliederausrüstung für Bandidos und ihre Unterstützer feil. Das sieht genauso aus, wie bei anderen Rockerpartys und da dürfen die üblichen Vereinsrituale wie die Aufnahme neuer und die Ehrung altgedienter Mitglieder nicht fehlen. Etwa die Auszeichnung für den Ulmer Bandidos-Präsidenten Motz, der eben schon seit 20 Jahren dabei ist. Damals, vor zwei Jahrzehnten, entschieden sich die Mitglieder der Gelben Ghostrider, von denen mancher die Justiz beschäftigte, zu einem großen Club überzutreten, eben zu den Bandidos. Ihre Rivalen, die Schwarzen Ghostrider, schlüpften in die Kutten der Outlaws, die bis vor Kurzem ihr Clubhaus in Neu-Ulm hatten.

Die Rockergruppe Bandidos hat in einem türkischen hochzeitssaal im Ulmer Donautal ein internationales Treffen gefeiert. Dabei durften erstmals auch Medienvertreter dabei sein. Das interesse war enorm (unten links). Die Polizei kontrollierte mit starken Kräften die an- und abreise der Teilnehmer.
Bild: Ralf Zwiebler

Die Polizei hatte sich wegen des internationalen Rockertreffens – die meisten kamen zwar aus Deutschland, viele aber auch aus Skandinavien, dem Mittelmeerraum oder der Ukraine – „stark aufgestellt“, wie sie vor der Party verkündete. Tatsächlich hatte sie mit teilweise schwer bewaffneten Kontrollposten das Industriegebiet Donautal weiträumig abgeriegelt. Nach Auskunft der Ulmer Polizei verläuft der Abend ruhig, es habe keine Probleme gegeben. Nähere Angaben will ein Sprecher am Wochenende nicht machen.

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