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12.09.2008

Die Bundesfestung aus dem Dornröschenschlaf wecken

Leere Festungskassematten mit Erinnerungen und Ideen füllen: Das gelang einem Musiker, Grafiker, Texter und Ex-Politiker zum Auftakt des zweiten Ulmer Festungsfestes im Sauschdall trefflich

Ihr aktuelles Anliegen ist es, dieses deutschlandweit einmalige Baudenkmal aus seinem Dornröschenschlaf zu befreien. Mit einem Kuss ist es allerdings nicht getan, da müssen dicke Bretter gebohrt werden, bis sich die Ulmer bewusst sind, dass sie neben dem Münster und der Neuen Mitte noch ein möglicher Publikumsmagnet innerhalb ihrer Stadtgrenzen von überragender Bedeutung und Nutzungsmöglichkeit haben. Zu diesem Zweck haben Julian Aicher, Sohn des HfG-Gründers Otl Aicher und ein paar fleißige Gesinnungsgenossen voriges Jahr das Ulmer Festungsfest (uff) aus der Taufe gehoben, das jährlich wiederholt werden soll, um den Bekanntheitsgrad der mächtigen Bauwerke zu erhöhen und auch die Stadtväter daran zu erinnern, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Die uff-Premiere 2007 war ein Volltreffer mit zwei Dutzend Vereinen, Jugendtreffs und Gastronomen. Das lässt sich beim uff 2008 an diesem Wochenende noch steigern, ist Aicher optimistisch.

Warum heißt der Sauschdall Sauschdall? Weil Eberhard Lorenz als junger Student eben diesen vorfand, als er mit Kommilitonen und Freunden hinabstieg in die finsteren Kassematten und die leuchtende Idee aufkam, hier ein kreatives Zentrum für Musiker aus der Region zu schaffen, wo sich niemand über Lärm beschweren kann. Aus diesen verwahrlosten Anfängen wuchs ein Jazz-Keller von Weltgeltung in den 70er- und 80er-Jahren.

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Hans-Peter Lahaye berichtete, wie er als Pfadfinder die Festungsanlagen erkundete, die in den 50er-Jahren auch Flüchtlinge und Ausgebombte aufnahmen. Er fühlte sich wie in einem Horrorfilm. Die Jugendklubs eroberten dann die Räumlichkeiten, es gab lange vor dem Roxy Themenpartys wie Hollywood und Halloween. Helmut Hattler nennt das "Ermöglichungsräume", in denen sich die Fantasie ohne bürokratische Zwänge entfalten konnte.

Die Diskussion konzentrierte sich schnell auf den "Problemfall" Wilhelmsburg. Hier fehle die geniale Nutzungsidee, empfand Eberhard Lorenz. 570 leer stehende Räume warten darauf. Dieses Prachtstück von Festung, am Abend beleuchtet und nach dem Kahlschlag einiger Bäume dem ungehinderten Blick freigegeben, wäre eine Sensation, meint er. Gesprächsbemühungen mit den Naturschützern verliefen, so der Ex-Landtagsabgeordnete, bisher ergebnislos. Eine Überdachung des Innenplatzes der Wilhelmsburg würde zudem das Thema Multifunktionshalle erledigen.

Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig, jetzt kleine Schritte gehen zu wollen, um für die Wilhelmsburg und andere brachliegende Räumlichkeiten der Bundesfestung eine "Erschließungsstruktur" ( Lahaye) zu schaffen. Anders gesagt: Spätestens 2009, zum 150. Jubiläum der Bundesfestung sollte es gelungen sein, die Lokalpolitik aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst zu haben, wenn der gut vernetzte Festungspionier Julian Aicher auch überregional die Werbetrommel für sein Anliegen schlägt. "Seite 23

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