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Ulm/Neu-Ulm

27.07.2020

Die Elektro-Roller kommen

Eigentlich ganz einfach, dieser Elektroroller. Neu-Ulms Vizebürgermeister Johannes Stingl (oben) drehte am Montag eine Proberunde. Unten links: NUZ-Redakteur Ronald Hinzpeter lässt sich den Roller demonstrieren. Rechts im Bild: Der Chef des irischen Anbieters Zeus Scooters, Damian Young, zeigt, wo der Akku sitzt.
Bild: Thomas Heckmann

Plus Auch in Ulm und Neu-Ulm werden E-Scooter nun die Menschen elektrisieren und für schnelleres Fortkommen sorgen. Probleme wie in anderen Städten soll es aber nicht geben

Selbstverständlich lässt sich das Ding mühelos fahren: Einen Fuß auf den Roller stellen, mit dem anderen kurz anschieben und mit dem rechten Daumen einen Schalter am Griff nach unten drücken – schon rollt der E-Scooter fast völlig geräuschlos dahin. Die Geschwindigkeit bleibt relativ gemäßigt, das Gerät bringt einen nicht zum Rasen. Diese neue Leichtigkeit des (Unterwegs-)Seins werden jetzt vermutlich viele ausprobieren wollen. Am Montag fiel der offizielle Startschuss für das erste E-Scooter-Leihangebot in Ulm und Neu-Ulm. Und das ist ein wenig anders als das in anderen Städten.

Aus den Metropolen dieser Welt, aber auch aus manchen größeren Städten in Deutschland, war meist eher Unschönes zu hören über die kleinen Leih-Flitzer: Sie landeten in Flüssen und Parkanlagen, standen Fußgängern im Weg oder wurden von promillebeflügelten Menschen, nun ja, gesteuert. In der Doppelstadt soll das anders sein, versicherten am Montag Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch und Neu-Ulms Vize-Bürgermeister Johannes Stingl.

Das liegt schon mal an den Gefährten des Anbieters Zeus Scooters. Der Chef dieses irischen Start-up-Unternehmens, Damian Young, nimmt für sich in Anspruch, das einzige Verleih-Angebot ins Rollen gebracht zu haben, dessen Elektroroller über drei statt nur zwei Räder verfügen. Dadurch seien sie sehr robust, bieten einen höheren Fahrkomfort und seien sicherer als die herkömmlichen Roller. Außerdem fallen sie nicht einfach um, wenn sie schlampig abgestellt werden.

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Apropos schlampig: Wer sich eines der Gefährte ausleiht – sie kosten einen Euro Grundgebühr und 19 Cent pro Minute –, kann sie nicht einfach irgendwo zurücklassen. Es gibt bestimmte Zonen, in denen die Kunden sie parken dürfen, wenn sie die Fahrt beendet haben. Außerhalb dieser per App angezeigten Gebiete lässt sich die Miete einfach nicht beenden. Das heißt: Die Gebührenuhr der Scooter läuft weiter. Das tut sie auch, wenn Spaßvögel meinen, die Roller nach Gebrauch ins Gebüsch oder gar in Blau oder Donau werfen zu müssen. Jeder Schwabe werde sich zweimal überlegen, so was zu tun, merkte OB Czisch launig an, denn: „So lange die Dinger im Wasser liegen, kosten sie.“ Außerdem lässt sich anhand der Leih-App mühelos feststellen, wer zuletzt gefahren ist.

Damit der Scooter-Verleih deutlich geregelter abläuft als anderswo, haben sich die beiden Städte einen hiesigen Partner geholt, Sascha Schmid von der Zweiradschmiede in der Neu-Ulmer Lessingstraße. Er hat bereits zwei Leute eingestellt, welche die Roller bei Bedarf nachts wieder einsammeln und aufladen: „Ich habe dafür jetzt 80 Steckdosen im Laden.“ Fünf bis sechs Stunden dauert es, bis der Akku wieder die maximale Ladung getankt hat. Seit Mittwoch vergangener Woche stehen bereits die ersten 20 Roller in Ulm, in den nächsten Tagen folgen noch zehn. Geplant ist, dass schließlich 150 E-Scooter durch die beiden Städte rollen. Die ersten Tage seien sehr gut gelaufen, findet Schmid, die Kunden seien sehr diszipliniert mit den Gefährten umgegangen und haben sie auch entsprechend ordentlich abgestellt. OB Czisch hofft, dass das so bleibt.

Auch Johannes Stingl zeigte sich am Montag nicht nur nach der ersten Probefahrt sehr angetan von den Stromrollern. Er hoffe, dass sie sehr bald ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehören. Neu-Ulm sei jedenfalls „riesig stolz“ über das neue Angebot. „Das kann eine gute Sache werden“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Deshalb werde die Stadt auf jeden Fall hinterher sein, dass hier kein Roller-Chaos entstehe wie in anderen Städten. Ulm und Neu-Ulm sind erst der zweite Standort für die Zeus-Gefährte. Im Juni wurden sie im Raum Heidelberg eingeführt.

Bekanntlich gab es schon einmal ein mobiles Leih-Angebot in der Doppelstadt, Car2Go mit seinen Smarts. Doch das System krankte daran, dass etwa abends fast nie einer der Wagen in der Innenstadt zur Verfügung stand, denn sie parkten meistens in den Außenbezirken von Ulm. Service-Partner Schmid will dafür sorgen, dass die Leihgefährte wieder gleichmäßig verteilt werden, nachdem sie benutzt worden sind.

Es ist nicht nur einfach, die Dinger zu fahren, sondern auch, sie zu mieten. Nutzer müssen sich im App Store von Apple oder im Google Play Store die Zeus-App herunterladen, sich registrieren, einen Roller nehmen, den QR-Code am Lenker scannen und losfahren. Nicht vergessen: ihn ordentlich abstellen.

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