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Ulm

04.10.2015

Die Hölle – das sind die Eltern

Irgendwann ist alles gesagt: eine Szene aus „Frau Müller muss weg!“ im Akademietheater Ulm.
Bild: Dagmar Hub

Das Akademietheater verlegt die Erfolgskomödie „Frau Müller muss weg!“ in eine Ulmer Grundschule. Das bringt einige neue Spannungen.

Die Noten von Janine, Lukas und Laura werden wohl nicht ausreichen, damit sie eine Empfehlung für den Übertritt an ein Gymnasium kommen. Für die Eltern eine klare Sache: Die Lehrerin ist schuld. Sie muss weg, damit ihre wunderbaren Sprösslinge eine Chance haben. Mit dem Übertrittszeugnis in der Hand ist der Rest dann auch egal, sagt Übermutter Jessica (Angela Böhmer), eine eisig kalte Immobilienmaklerin. Eine teure Privatschule wird es dann schon richten. Eine Leuchte ist Laura gewiss nicht, doch das Abitur muss in jedem Fall her.

Also inszeniert die Maklerin mit zwei anderen Vätern und Müttern ein Tribunal. Man macht kurzen Prozess; aus der Physiotherapie, die die altgediente Lehrerin wegen ihres Rückens braucht, wird kurzerhand eine Psychotherapie. Barbara Schmidt gibt der Figur der engagierten, mit den schwieriger werdenden Kindern und Eltern aber auch kämpfenden Lehrerin gerade in Wutanfall Glaubwürdigkeit. Die Schule als Kriegsschauplatz elterlicher Interessen, die mit den Kindern letztlich nur am Rande zu tun haben: Es geht aggressiv um Selbstüberschätzung und die Angst vor Statusverlust.

Erstaunlich ist eine Wendung, mit der Nusser-Nussini die schwarze Komödie in einer Ulmer Grundschule ansiedelt, denn Schwäbin ist einzig die Lehrerin. Die Gruppe Eltern, die sie massiv attackiert, sind neue Ulmer aus Berlin und den neuen Bundesländern, die sich über die „dummen Schwaben“, deren Sprache und deren Eigenarten mockieren. Unerträglich für Marina (Julia Ebert), Lukas’ Mutter aus dem esoterischen Berliner Bioladen, oder für den jammernden arbeitslosen Leipziger Wolf (Dirk Linke). So taucht neben den Beziehungskonflikten, die die Eltern ausfechten, neben ihren eigenen Unzulänglichkeiten und Eitelkeiten eine zusätzliche Komponente in der Komödie auf – der in Berlin ungeliebte Schwabe. Zuhause empfinden diese Eltern ihre Kinder als Monster, aber die Lehrerin muss doch die Einzigartigkeit der hochbegabten Sprösslinge erkennen. Stattdessen sagt sie, dass Lukas seine Klassenkameraden schlägt, dass Laura Schule schwänzt und Unterschriften auf Entschuldigungen fälscht.

Nusser-Nussini lässt gegenüber Wortmanns Film jene Szenen weg, in denen die Leinwand-Komödie verflacht: Die Eltern gehen nicht auf Suche nach der Lehrerin. Das Klassenzimmer wird zum Gefängnis bitterböser gegenseitiger Demontage.

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