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Porträt

21.02.2015

Die Institution der Stadtgeschichte

Der früheren Säge-, Holz- und Kistenfabrik Gagstätter hat Walter Engelhart aus Senden ebenso eine Chronik gewidmet, wie anderen Firmen und Vereinen.
Bild: Gerrit-R. Ranft

Warum der Freizeithistoriker Walter Engelhart in ganz Senden bekannt ist

Walter Engelhart, Sendener Freizeithistoriker und eifriger Chronikschreiber, ist zwar schon vor gut vierzehn Tagen in der Sonnenstraße 80 Jahre alt geworden. Richtig gefeiert wird der Geburtstag aber im großen Kreis mit gut 80 Freunden, auch aus KAB und Pfarrgemeinde, erst in gut zwei Wochen am 11. März im Haus der Begegnung.

Engelhart gilt als Institution in Senden, wann immer es darum geht, Orts-, Vereins- oder lokale katholische Kirchengeschichte zu ergründen. Ungezählte Fotos, Urkunden, Zeitungsausschnitte, vieles im Original, aber auch in Tausenden Kopien hat der eifrige Sammler innerhalb eines Vierteljahrhunderts nicht nur ins Haus gebracht, sondern zugleich sortiert, beschriftet, in Dutzenden Ordnern sorgfältig abgelegt. Ein Großteil der in unvorstellbarem Sammeleifer herbeigeschafften historischen Dokumente wurde in Chroniken verarbeitet.

Selbstverständlich hat er eine „Chronik der Familie Engelhart“ zusammengestellt, die bis ins Jahr 1684 zurückreicht. Die Vergangenheit der Maschinenfabrik Lenser, die heute vornehmlich Filteranlagen herstellt, hat er erarbeitet. Dem einst in Senden ansässigen „Kies-Käßbohrer“ hat er eine Chronik gewidmet, dazu der früher auf dem Gelände des heutigen Stadtparks tätigen Säge-, Holz- und Kistenfabrik Gagstätter. Zwei Bände hat er dem Fußballverein Senden (FVS) gewidmet, „mit allen Ergebnissen, Tabellen und Fotos der Vereinsgeschichte“. Elf große Bände füllt die „Sendener Bilderchronik“, in der er bis auf wenige Ausnahmen Fotos sämtlicher Gebäude in Senden abgelegt hat – sorgfältig versehen mit Anschrift, Namen der Bewohner und Baujahr. Wo nötig, sind auch der Abriss und der nachfolgende Neubau dokumentiert.

Angefangen hat alles damit, dass Engelhart aus gesundheitlich Gründen schon mit 55 Jahren in den Ruhestand treten musste. Ehe die Langeweile ihn überkommen konnte, kam die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), deren Zweiter Vorsitzender er bis 1992 zehn Jahre lang war, mit dem Wunsch auf ihn zu, mit seinem Wissen zu ihrem neunzigjährigen Bestehen doch mal eine Chronik zu verfassen. Logischerweise folgte bald die „Sendener Kirchengeschichte“, weil er damals auch Zweiter Vorstand im Pfarrgemeinderat war. Die zweibändige FVS-Chronik kam hinzu, weil Engelhart, so lang er denken kann, Vereinsmitglied ist. Und die Firmenchroniken entstanden, weil entweder er selbst oder der Vater dort den Arbeitsplatz hatte.

Jahrzehntelang als eifriger Spendensammler unterwegs

Kaum jemand in Senden, der Engelhart nicht kennt oder aber zumindest von seinem gewaltigen Archiv gehört hat. Das hängt natürlich mit seiner Mitgliedschaft im Fußballverein, in der KAB und in der Pfarrgemeinde zusammen. „Aber“, sagt er, „ich bin im Lauf der Jahre ja auch in fast jedem Haus gewesen, um Informationen zusammenzutragen.“ Nicht nur dies. Er war jahrzehntelang als engagierter Spendensammler unterwegs. Für die Caritas trug er binnen zehn Jahren 7500 Euro, für die Christliche Arbeitnehmerhilfe (CAH) in 25 Jahren 20000 Euro zusammen. Als die verlorene Ortsfahne des Sendener Stadtteils Ay von ihm wiederaufgefunden wurde, sammelte er binnen fünf Tagen 5000 Euro für ihre Restaurierung ein.

Das sei er seinem Geburtsort wohl schuldig gewesen, meint Engelhart, der im damals noch eigenständigen Ay unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Senden zur Welt gekommen war. Zwar konnte er als Asthmatiker nicht Fußball spielen, doch mit dem Vater als Vereinsvorstand war er immer dabei. Als Dreizehnjähriger betätigte er sich schon als Platzkassier, stieg drei Jahre später zum Zweiten Vereinskassier auf. Das Unternehmen Lenser setzte ihn als Maschinenmechaniker ein.

Für seine eifrige Chronistenarbeit wie auch für seinen ehrenamtlichen Einsatz in KAB und Pfarrgemeinde hat ihn der bayerische Ministerpräsident mit der Ehrenamtsmedaille ausgezeichnet. Die Kettelermedaille hat er erhalten und natürlich Ehrenurkunden von CAH und KAB. Der verheiratete Vater erfreut sich mit einigem Stolz an vier eigenen und sieben Enkelkindern. Mittlerweile ist es ruhiger geworden im Haus an der Sonnenstraße. Engelhart hat die Sammlertätigkeit weitgehend aufgegeben, pflegt aber weiter die Bestände. Und Auskunftsuchenden zu Sendens Vergangenheit steht die Haustür immer offen.

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