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Landkreis

08.04.2019

Die Kliniken leisten sehr gute Arbeit nahe am Menschen

In den Kliniken der Kreisspitalstiftung bekommt die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger von den Patienten besonders gute Noten. Unser Bild zeigt Stefan Gamp und Tugba Kececioglu von der Weißenhorner Stiftungsklinik im Einsatz.
Bild: Alexander Kaya

Plus Die Beschäftigten der Kreiskliniken leiden unter den ewigen Krankenhausdebatten. Sie fühlen sich zu wenig wertgeschätzt. Dabei sind die Patienten hoch zufrieden

Wie sollen sie ihre Leute denn noch motivieren? In der Öffentlichkeit geht es doch immer nur ums Geld, um Probleme, um Defizite. Das schürt Ängste in der Belegschaft, manch einer überlegt, ob er sich nicht einen anderen Arbeitgeber suchen soll als die Kreisspitalstiftung. Das ist kurz gefasst das Ergebnis einer Befragung bei den Stationsleitungen der drei Krankenhäuser. Kliniksprecherin Edeltraud Braunwarth hat sie nach einer Anfrage unserer Redaktion gestartet. Wir wollten wissen, wie sich die ständigen Krisendebatten auf die Belegschaft der drei Häuser in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen auswirken. Auf jeden Fall demotivierend, von der guten Arbeit, die dort geleistet werde, sei viel zu selten die Rede.

Brandbrief der Klinik-Chefärzte

Es ist noch nicht lange her, da haben die Chefärzte der Kliniken eine Art Brandbrief an Landrat Thorsten Freudenberger geschickt. In dem stellten sie sich hinter ihr Personal und beschrieben, wie sehr die Beschäftigten unter der Diskussion leiden. „Es schmerzt sie“, sagt dazu der medizinische Direktor Andreas Keller. Die schlechte Außendarstellung der Kliniken störe die rund 1300 Beschäftigten sehr. Für Aufregung sorgte zuletzt etwa die Debatte darüber, wie im Falle eines Nuxit mit der Donauklinik zu verfahren sei. Die Kreisräte debattierten das heikle Thema hinter verschlossenen Türen und kamen zu dem Schluss: Die beste Lösung wäre, das Haus an die Stadt Neu-Ulm zu verkaufen. „Das war ein Schock für viele“, sagt Keller. Nicht wenige hätten sich überlegt, was mit ihnen passiere, ob sie bei einer Weiterveräußerung vielleicht einen privaten Arbeitgeber bekämen.

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Für Verdruss sorgte offenbar auch die Nachricht, wonach andere Kliniken in Bayern, die sich ebenfalls in öffentlicher Hand befinden, deutlich günstiger arbeiten. Der Bund kommunaler und gemeinnütziger Kliniken (BKK) glaubt, im Landkreis Neu-Ulm ein Einsparpotenzial von neun Millionen Euro entdeckt zu haben. Gerade diese Zahl habe „wie ein Schlag“ gewirkt, meint Wolfgang Walter, Personalratsvorsitzender in der Weißenhorner Klinik. Immerhin machen die Kosten für das Personal rund 70 Prozent der Betriebsaufwendungen aus. Dass andere effektiver sind, liegt nicht daran, dass hier schlechter gearbeitet wird, der höhere Aufwand hat ja Gründe. In dem historisch gewachsenen Gebäudekomplex von Weißenhorn seien eben die Wege länger und die Infrastruktur schwierig, erklärt Keller. Moderne Häuser seien besser geplant, was den Arbeitsaufwand reduziere.

Beschäftigte der Kreisspitalstiftung haben eine soziale Ader

Was die Belegschaft in der Kreisspitalstiftung besonders auszeichnet, ist ein besonderer Geist, die soziale Ader. Das meint Jürgen Lehmann, der neue Pflegedirektor für alle drei Kliniken. Wer für eine Stiftung arbeite, die von Alters her sozialen Zwecken dient, sei von seiner Grundeinstellung her ganz anders motiviert. Der leiste auch Überstunden, weil er es einfach für notwendig hält, und nicht, um der Gewinnmaximierung eines privaten Trägers zu dienen. Und noch etwas: Vor allem ältere Menschen kommen in kleine Krankenhäuser, weil sie die Anonymität einer Großklinik scheuen. In Kreiskliniken werden die Patienten besser gepflegt, da ist sich Lehmann sicher. Er bringt das besonders nahe Verhältnis von Betreuten zu Betreuern auf die griffige Formel: „Hier werden sie von ihren Nachbarn versorgt.“ Dieses Gefühl lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Die Stiftung fragt ihre Patienten regelmäßig, ob sie zufrieden seien. 2018 wurden 1871 Fragebögen ausgefüllt und ausgewertet – mit eindeutigem Ergebnis. In Weißenhorn antworteten 99 Prozent auf die Frage, ob sie die Stiftungsklinik an Freunde und Verwandte weiterempfehlen würden, mit „ja“. Ebenso viele waren es in Illertissen, in Neu-Ulm immerhin noch 97 Prozent. Auf die Frage, ob sie sich wieder in den Klinken der Stiftung behandeln lassen würden, kreuzten 98 Prozent „ja“ an.

Patienten loben die Arbeit in den Kreiskliniken

Die Menschen lobten die Freundlichkeit der Pflegekräfte und die gute Versorgung auf den Stationen. Weißenhorn bekam wegen des Essens sogar noch ein Extra-Lob. Auf einer Skala von eins bis sechs gaben die Patienten den Kliniken im Schnitt eine 1,48, was immer noch „ein Einser“ sei, merkt Lehmann an. Gerade diese hohe Patientenzufriedenheit werde von Politikern zu selten herausgestellt, kritisierten die Stationsleitungen gegenüber Kliniksprecherin Braunwarth.

Jürgen Bolkart, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats für alle drei Häuser führt die bei Patienten hochgeschätzte Arbeit des Personals auch darauf zurück, dass die Belegschaft sich sehr stark mit dem Betrieb identifiziere. Trotz der vielen Überstunden werde versucht, sie so weit es geht zu entlasten. Dann müsse auch mal eine Station geschlossen werden, denn: „Es kann nicht sein, dass ältere Mitarbeiter in Teilzeit gehen, weil sie es sonst nicht mehr packen.“

Wertschätzung für die Klinik-Mitarbeiter

Nach dem Brandbrief aus den Kliniken hat sich der Landrat mit den Chefärzten und Personalvertretern getroffen. Es sei eine gute Aussprache gewesen, sagt Freudenberger: „Die Botschaft ist angekommen.“ Natürlich müssten die bestehenden Probleme angesprochen werden, aber „sachgerecht“. In der öffentlichen Debatte müsse aber stets die Wertschätzung für die Mitarbeiter berücksichtigt werden, denn „sie leisten sehr gute Arbeit.“.

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