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Energie-Serie

02.04.2011

Die Kraft, die aus der Erde kommt

Stadtwerke sehen Potenzial für Geothermie. Felder bereits erkundet

Ulm/ Neu-Ulm Mit großen Schritten bereiten sich die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm auf das Post-Atom-Zeitalter vor. Zu zahlreichen existierenden Projekten mit Fotovoltaik, Bioenergie, Wind- und Wasserkraft gesellen sich nun Pläne für die Nutzung von Erdwärme (Geothermie) zur Stromerzeugung. Nach Angaben von Peter Schmidberger, Leiter der Produktion bei den SWU, verliefen erste Untersuchungen Erfolg versprechend: Denkbar sei durchaus, dass künftig fünf Prozent des produzierten Stroms aus der Nutzung von Geothermie entstammen. 10000 Haushalte könnten theoretisch mit Strom versorgt werden.

70 Liter heißes Wasser pro Sekunde

Noch ist das alles Zukunftsmusik. Doch die SWU haben sich bereits zwei Erkundungsfelder für die Nutzung von Erdwärme gesichert: Diese erstrecken sich auf Ulmer, Neu-Ulmer und Sendener Flur.

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Geeignet erscheinen insbesondere zwei Flächen: auf der ehemaligen Pyrolyse Anlage im Süden des Industriegebiets im Donautal in Kombination mit einem städtischen Gelände südlich der Hans-Lorenser-Straße. Die Bohrlöcher müssten überirdisch mit einer Leitung verbunden werden, sodass ein Kreislauf zwischen den beiden Löchern in Gang gebracht werden könnte. Etwa fünf Kilometer tief mitten in eine Granitschicht müssten die gewaltigen Bohrer gejagt werden.

Dort herrschen Temperaturen von über 200 Grad und es könnten theoretisch 70 Liter heißes Wasser pro Sekunde herausströmen, die dann (indirekt) einen Generator zur Stromerzeugung antreiben sollen. Erste Kostenschätzungen dieser „Vision“, so Schmidberger, würden sich auf 60 Millionen Euro für den Bau einer solchen Anlage inklusive Bohrungen belaufen. Mit einer Realisierung sei nicht vor 2020 zu rechnen. Allerdings werden die Pläne laut Schmidberger schon in den nächsten Wochen dem baden-württembergischen Wirtschaftsministerium präsentiert. Denn klar ist: Ohne politischen Willen und somit der Auszahlung von Fördergeldern für die Nutzung dieser Form erneuerbarer Energie ist das Megaprojekt nicht zu stemmen. An Hürden, die es zu überwinden gilt, wird es ohnehin nicht mangeln. Dazu gehört etwa der Grundwasserschutz. Solche Schächte gelten wegen möglicher Verunreinigungen generell als problematisch.

In kleinerem Maßstab wird Erdwärme schon jetzt genutzt. Der Regionalverband Donau-Iller erfasste jüngst in einer Studie 1800 Sonden, die beispielsweise Einfamilienhäuser mit Wärme versorgen. Das Verwaltungsgebäude des Energiekonzerns EnBW in Biberach etwa wird zu 60 Prozent mit solchen Sonden geheizt. Auch das Thermalwasser im Donaubad bezieht seine Wärme letztlich tief aus dem Inneren der Erde. Immerhin über einen Kilometer lang ist der Schacht, der das Wasser nach oben bringt. Doch statt 200 Grad wie beim Geothermie Projekt der Stadtwerke sind es hier am unteren Ende der Leitung nur 57 Grad. (heo)

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