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Meßhofen

21.01.2017

Die Kunst des Kuhdiebstahls

Zwölf Rinder sind der Polizei zufolge vor einer Woche aus dem Stall eines Landwirts in Meßhofen gestohlen worden. Der Fall ist ziemlich kurios – denn weder Nachbarn noch andere Bewohner des Dorfes haben etwas gehört oder gesehen.

Im Fall der zwölf Rinder, die in Meßhofen verschwunden sind, hat die Polizei noch keine neuen Hinweise. Experten halten es für möglich, Tiere unbemerkt zu entwenden. Einigen im Dorf kommt die Sache aber sehr dubios vor.

Wie können über Nacht zwölf Kühe verschwinden? Diese Frage wird im Landkreis diskutiert, seit die Polizei einen rätselhaften Fall aus dem Roggenburger Ortsteil Meßhofen publik gemacht hat. Wie berichtet, hatte ein Landwirt den Diebstahl von zwölf seiner Rinder angezeigt. Sie sollen über Nacht aus dem Stall seines landwirtschaftlichen Anwesens entwendet worden sein, das in dem 300-Einwohner-Dorf liegt. „Das ist eine bizarre Geschichte“, sagt Roggenburgs Bürgermeister Mathias Stölzle. Er ist seit 20 Jahren in der Gemeinde. In dieser Zeit sei dort noch kein Tierdiebstahl vorgekommen.

Als Laie stellt man es sich schon schwierig vor, ein einzelnes Rind aus einem Stall zu stehlen. Aber gleich zwölf Kühe – geht das überhaupt, ohne dass jemand das bemerkt? In Meßhofen jedenfalls hat offenbar niemand etwas gehört oder gesehen. Und aufschlussreiche Spuren hat die Polizei am Tatort nicht gefunden. Nachfrage bei Andreas Wörle, dem Obmann des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis Neu-Ulm: „Wenn es kundige Leute sind, die gut mit Tieren umgehen können, dann ist so ein Diebstahl schon möglich“, sagt er. Dann könnten die Tiere theoretisch ohne viel Lärm aus dem Stall getrieben und auf Lastwagen oder einen Viehanhänger geladen werden. Vor 30 Jahren, erinnert sich Wörle, seien im Pfaffenhofener Ortsteil Berg mehrere Kälber gestohlen worden.

Je nach Rasse und Zuchtwert könne ein ausgewachsenes Rind 1300 bis 2000 Euro einbringen, sagt der Obmann des Bauernverbands im Landkreis. Rinder, die im Stall leben, seien für gewöhnlich nicht gegen Diebstahl versichert, sagt er. „Bei Weidehaltung versichert man die Tiere unter Umständen schon.“

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Franz-Josef Dennert hat eine Tierarztpraxis in Weißenhorn und behandelt auch Großtiere direkt bei Landwirten. Er hat aus unserer Zeitung von dem Kuhdiebstahl erfahren. „Das ist schon was Ungewöhnliches“, sagt er – schließt aber nicht aus, dass so eine Tat möglich ist. Das komme unter anderem darauf an, wie das Anwesen gesichert ist, sagt Dennert. Der betroffene Stall in Meßhofen war nach Angaben der Polizei nicht verschlossen. Milchkühe, sagt der Tierarzt, seien Menschen gewöhnt und daher nicht besonders schreckhaft. „Bei Mutterkühen ist es hingegen problematisch.“

Einigen Bewohnern in Meßhofen kommt der gemeldete Diebstahl jedoch äußerst dubios vor. Im Dorf hat der betroffene Landwirt einen schlechten Ruf, was den Umgang mit Tieren angeht. Nach Recherchen unserer Zeitung hatte der Mann bereits mehrere Male Ärger mit der Justiz. Das Amtsgericht Neu-Ulm hatte ihn wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldbuße verurteilt. So war im konkreten Fall eine Kuh in seinem Stall verendet, weil sie trotz sichtbarer Schwellungen und Abszesse an den Beinen nicht behandelt wurde.

Das Landratsamt Neu-Ulm hatte von dem Landwirt schon einmal verlangt, seinen Bestand an Kühen von zeitweise fast 100 auf 75, also um etwa ein Viertel, zu reduzieren. Der Mann klagte daraufhin gegen das Landratsamt – der Prozess ging schließlich vor das Verwaltungsgericht in Augsburg.

Im Fall des angezeigten Kuhdiebstahls, der sich schon vor einer Woche ereignet haben soll, ist die Polizei mit ihren Ermittlungen jedenfalls noch nicht weitergekommen. Die Beamten hoffen auf die Mithilfe aus der Bevölkerung. Auch nach der Veröffentlichung des Vorfalls gingen bei der Polizeiinspektion Weißenhorn bislang keine Hinweise ein. Hubert Schneider von der Polizeiinspektion sagt: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“

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