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Fechten

17.06.2013

Die Musketiere des 21. Jahrhunderts

Sina Freier und David Stahl beim Fechttraining
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Sina Freier und David Stahl beim Fechttraining
Foto: Annika Gonnermann

Sina Freier und David Stahl gehören zu den aussichtsreichen Fechttalenten im Raum Neu-Ulm. Beide lernen durch diesen Sport aber auch viel für den Alltag. Von Annika Gonnermann

Schritt für Schritt gehen die beiden Gegner aufeinander zu. Die Waffe ist erhoben, der Blick hinter der engmaschigen Schutzmaske konzentriert. Jede Bewegung des anderen wird genau registriert. Beide warten auf den Moment, der zum Angriff einlädt. Die Bewegungen sind langsam und bedacht, doch zielstrebig und kraftvoll. Fast sieht es aus wie ein Tanz, aber Sina Freier kann Tanzen nicht ausstehen. Fechten mag sie viel lieber. Ihr Gegner, David Stahl, sieht das genauso.

Freier und Stahl gehören beide zu den aussichtsreichen Talenten im Fechtsport aus dem Raum Neu-Ulm. Beide haben ihre ersten erfolgreichen Schritte auf der sogenannten Planche, der Fechtbahn, des TSV Neu-Ulms gemacht und dabei bereits erste Titel verzeichnet. So gehören, zu Sina Freiers Erfolgen bereits mehrere gewonnene Turniere und Siege bei der bayerischen Mannschaftsmeisterschaft und der württembergischen B-Jugend Meisterschaft. Seit dem 20. April 2013 gehört noch ein weiterer Titel in ihre Sammlung: der, der deutschen B-Jugend-Meisterin im Degenfechten. Doch die Erfolge kommen nicht von ungefähr. "In meiner Familie fechten alle", erzählt die 14-Jährige. "Meine Großeltern haben sich beim Fechten kennengelernt, genauso wie meine Eltern." Bereits 2009 ist sie durch die Familientradition zum Fechten gekommen. "Ich habe zuerst andere Sportarten ausprobiert wie Tanzen und Handball, aber das hat mir alles nicht gefallen. Also bin ich dann wie der Rest meiner Familie beim Fechten gelandet."

Angefangen hat alles beim TSV Neu-Ulm, wo Freiers Vater sie und ihre Altersgenossen trainierte. Seit der vergangenen Saison ficht die gebürtige Ulmerin allerdings für den Heidenheimer SB. Dorthin ist sie gewechselt, um ihr Training intensivieren zu können. "Neu-Ulm ist leider nur ein kleiner Verein. Heidenheim dagegen ist das Leistungszentrum für Fechten. Dort kann ich mich besser weiterentwickeln." Und Freier hat große Ziele. Drei bis vier Mal die Woche trainiert die Schülerin für mindestens zwei Stunden, um ihr großes Ziel zu erreichen: "Ich will zu Olympia", sagt die Schülerin. Wie ihr großes Vorbild Britta Heidemann will die 14-Jährige einmal für Deutschland bei den Olympischen Spielen starten. "Ich weiß nicht, ob es klappt. Dafür werde ich noch viel trainieren müssen", so Freier. Ihr Vereinskollege vom TSV Neu-Ulm, David Stahl, hat keine solch ambitionierten Ziele. Der 15-jährige Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums ficht hauptsächlich aus Spaß. "Mir ist es einfach wichtig einen Sport zu haben, in den man sich reinhängen kann und der einem Spaß macht." Anders als Freier ist Stahl nicht durch die Familie zu dem traditionsreichen Sport gekommen. "Als ich zum ersten Mal den Film ‚Fluch der Karibik’ gesehen habe, wollte ich das mit dem Fechten einmal ausprobieren", erinnert sich der Ulmer und lacht. "Es hat sich dann aber doch rausgestellt, dass der Sport etwas anders ist als im Film." Dennoch hat das Fechten Stahl so gefallen, dass er dabeigeblieben ist. Und das Training hat sich ausgezahlt. Innerhalb eines Jahres hat er den Titel als schwäbischer Meister gewonnen und durfte Anfang Mai als drittbester bayerischer Fechter für die Landesmannschaft antreten. "Vom Fechten kann man viel für den Alltag lernen", versucht der 15-Jährige zu erklären, was ihn an diesem Sport so fasziniert. "Man lernt mit Anstand zu gewinnen, aber auch mit Würde zu verlieren. Man lernt, niemals aufzugeben und trainiert sich Taktik und Ausdauer an." Eine Lektion ist ihm dabei besonders wichtig: "Ich trete gegen meinen ‚Gegner’ an, nicht meinen ‚Feind’. Und nach dem Kampf sind wir wieder Freunde." Auch Sina Freier sieht das so. Anders als bei anderen Sportarten lehre das Fechten einen, seine Stärke richtig einzusetzen. "Allerdings verlangt der Sport auch viel Disziplin und Konzentration." Dabei ist es laut den beiden Talenten vollkommen egal, ob Männer oder Frauen fechten. Anders als bei anderen Sportarten wie zum Beispiel Fußball, finden sie, könnten die Zuschauer keinen Unterschied zwischen den Kämpfen feststellen. "Frauen fechten genauso gut wie Männer und andersherum", so Stahl. Der einzige Unterschied - in der Ausrüstung jedenfalls - liegt in der Pflicht für Frauen, einen Brustschutz zu tragen. "Ansonsten ist alles gleich", erklärt Freier. Sowohl Männer als auch Frauen müssen die komplette Schutzkleidung tragen, die neben dem Helm und der Jacke aus Unterziehweste, Hose, Socken, Schuhen und Handschuhen besteht. Dabei muss die komplette Kleidung aus weißen Materialien sein, lediglich der Name und die Landesfarben dürfen aufgedruckt sein.

Zusammen mit den Waffen, von denen jeder Sportler mindestens drei Stück braucht, falls eine beim Kampf zerbricht, kommt die gesamte Ausrüstung auf mehrere Hundert Euro. Dabei sind Sportgeräte, die beim Kampf zu Bruch gehen, an der Tagesordnung. "Ich hatte schon einmal eine neue Waffe, die gleich in der ersten Runde kaputt gegangen ist", erinnert sich Freier. "Das passiert ständig." Doch den wiederholten Gang zum Sportfachgeschäft treten die beiden Jungfechter gerne an. Denn für sie ist ihr Sport etwas ganz Besonderes, sagt Stahl. "Fechten ist zwar eine Randsportart, aber das macht es ja gerade so speziell. Es ist schon etwas Besonderes, weil eben nicht die ganze Welt ficht."

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