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"Die Neu-Ulmer müssen sich sicher fühlen können"

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"Die Neu-Ulmer müssen sich sicher fühlen können"

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    Michael Keck ist Leiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm. Foto: Furthmair
    Michael Keck ist Leiter der Polizeiinspektion Neu-Ulm. Foto: Furthmair Foto: Furthmair

    Von Roland Ströbele und Bernd Kramlinger

    Herr Keck, Hand aufs Herz: Haben Sie es schon bereut, vom eher beschaulichen Allgäu an die Donau gewechselt zu haben? Im Vergleich zum kriminalgeografischen Schwerpunkt Neu-Ulm/Ulm scheint Kempten doch eher beschaulich zu sein.

    Keck: Zu keiner Sekunde habe ich das bereut. Neu-Ulm ist meine Heimatdienststelle, hier habe ich als Streifenpolizist angefangen. Kempten ist mit Neu-Ulm nicht vergleichbar. Dort sind die Dienststelle und der Dienstbereich größer und es gibt auch dort ein hohes Arbeitsaufkommen. In Neu-Ulm haben wir andere Strukturen und Einflussfaktoren. Der kriminalgeografische Raum Ulm und Neu-Ulm ist mit einer Mittelstadt vergleichbar, dadurch gibt es eine ständige, nicht vorhersehbare Dynamik in der Kriminalitätsentwicklung. Ich möchte auch das Stichwort radikaler Islamismus nennen.

    Trotzdem, seit sie angefangen haben, hat sich schon Einiges ereignet, großartig einarbeiten haben Sie sich ja nicht gerade können. Stichwort Discos an der Lessingstraße.

    Keck: Na ja, Probleme mit Schlägereien und Sachbeschädigungen gibt es ja schon seit Längerem. Vielleicht wurde dort in der Vergangenheit zu wenig getan. Aber die Polizei kann und will nicht einfach wegschauen, wenn die Zahl der Straftaten im Bereich Lessingstraße ständig steigt. Von 128 im Jahr 2009 auf um die 180 in diesem Jahr. Solche Delikte, wir nennen sie Straßenkriminalität, haben verheerende Auswirkungen auf das subjektive Sicherheitsgefühl. Selbst Bürger, die in Pfuhl wohnen und über das Diskothekenalter längst hinaus sind, fragen sich: Was ist denn da los? Kann ich eigentlich nicht mehr am Abend spazieren gehen, ohne Gefahr zu laufen, Opfer einer Straftat zu werden?

    Täuscht der Eindruck, dass die Gewaltexzesse im Disco-Viertel eine neue Qualität erreicht haben. Beispielsweise wurde einer ihrer Kollegen schwer am Knie verletzt. Apropos: Wie geht's ihm jetzt?

    Keck: (nachdenklich) nicht so gut. (Pause) Es kann aber schlicht und einfach nicht toleriert werden, dass ein Gast beim Verlassen einer Diskothek völlig grundlos und ohne Vorwarnung einen Kopfstoß verpasst bekommt und anschließend ins Krankenhaus muss. Es kann ebenfalls nicht toleriert werden, dass ein alkoholisierter Gast vernünftigerweise sein Auto stehen lässt und am Tag darauf feststellen muss, dass die Spiegel weggerissen worden sind. Ich möchte ausdrücklich betonen: Die Polizei will keine Spaßbremse sein. Aber es muss auch klar sein: Besucher müssen sich sicher fühlen können.

    Der Neu-Ulmer Stadtrat hat den Disco-Betreibern ein Ultimatum gestellt: Wenn sie die Umtriebe nicht abstellen, wird die Sperrzeit verlängert.

    Keck: Angekündigt ist, ein Sicherheitskonzept zu erstellen. Ob das Konzept funktioniert, wird sich weisen. An den Taten sollt ihr sie erkennen. Aber immerhin tut sich was. Die Polizei allein kann das Ganze jedenfalls nicht in den Griff bekommen. Sollen wir an Wochenenden eine zusätzliche Streife postieren? Das würde das Problem ja nicht lösen. Es sind alle gefordert: Stadt, Betreiber und auch die Bürger. Zum Thema Sperrzeitverlängerung ist zu sagen: Die Hälfte aller nach Mitternacht verübten Straftaten ereignen sich in der Zeit zwischen 3 und 5 Uhr, leider haben wir in diesem Zeitraum auch zwei Drittel aller gefährlichen Körperverletzungsdelikte registriert.

    Eine zusätzliche Streife wäre wohl problematisch. Wie aus Gewerkschaftskreisen zu hören ist, geht auch die Neu-Ulmer Polizei personell auf dem Zahnfleisch.

    Keck: Lassen Sie mich es so sagen: Momentan ist die PI personell nicht in einer günstigen Position. Eine Besserung wird erst in ein paar Jahren eintreten. Zudem kommen neue Aufgaben auf uns zu, ich denke etwa an künftige Großveranstaltungen in der Multifunktionshalle. Die Halle ist ein Beispiel, wie sich Neu-Ulm verändert. Meiner Ansicht nach muss die personelle Entwicklung der Polizei mit der Entwicklung der Stadt Schritt halten.

    Über mangelnde Arbeit können Sie und ihre Kollegen bei der Polizei sich nicht beklagen.

    Ganz gewiss nicht. Pro Jahr haben wir 16 000 Vorgänge zu bearbeiten, davon rund 4500 Straftaten und mehr als 2000 Verkehrsunfälle. Sie sehen also, die Arbeitsbelastung ist enorm hoch.

    Langweilig ist Ihnen bisher in den vergangenen drei Monaten in Neu-Ulm wohl nicht geworden.

    Keck: Kann man so sagen. Es waren bisher arbeitsreiche Monate.

    Was tut eigentlich ein Polizeichef, wenn er nicht Verbrecher jagt, Konzepte erstellt oder vor dem Stadtrat spricht?

    Keck: Sport. Sowohl im Fernsehen anschauen als auch aktiv betreiben. Laufen, schwimmen, Fitness-Studio, eigentlich alles.

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