Newsticker

Gesundheitsminister einigen sich auf lokale Einschränkungen für Regionen mit starkem Corona-Ausbruch
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Die Reaktivierung des „Bähnles“ war einer der Höhepunkte

Interview

16.05.2020

Die Reaktivierung des „Bähnles“ war einer der Höhepunkte

Sabine Krätschmer
6 Bilder
Sabine Krätschmer

Sechs „Urgesteine“ verabschieden sich nach Jahrzehnten aus dem Kreistag und sprechen über Entwicklung und Zukunft des Landkreises

Fast die Hälfte der bisherigen Kreisrätinnen und Kreisräte gehört nicht mehr dem neuen Kreistag an, der sich am Freitag konstituiert hat. 31 der – inklusive Landrat Thorsten Freudenberger – 71 Mitglieder sind ausgeschieden, darunter einige „Urgesteine“: Richard Ambs, Peter Schmid und Gerhard Leopold (alle 36 Jahre im Kreistag), Roland Bürzle (30 Jahre) sowie Sabine Krätschmer und Ingrid Laupheimer (24 Jahre). Das Sextett zog anlässlich seines Abschieds aus der Kreispolitik Bilanz.

Mit welchen Gefühlen scheiden Sie aus dem Kreistag aus?

Ich werde auch nach mehr als 36 Jahren der Zugehörigkeit die Mitarbeit im Kreistag vermissen, vor allem in „meinen“ Ausschüssen: Im Umwelt- und Werkausschuss und im Schul-, Kultur-, Sport- und Stiftungsausschuss konnte ich in den vielen Jahren als Sprecher der CSU-Kreistagsfraktion doch einiges mit voranbringen. Auch die positive Entwicklung unseres Krankenhauswesens hätte ich gerne noch weiter begleitet.

Die Reaktivierung des „Bähnles“ war einer der Höhepunkte

Ich bin dankbar, dass ich an sechs aufeinanderfolgenden Wahlen das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger erfahren durfte. So mancher gute Freund aus dem Kollegialorgan Kreistag wird mir fehlen. Ich hoffe aber, dass wertvolle Kontakte bestehen bleiben.

Mit einem guten und dankbaren Gefühl blicke ich zurück. Es war eine gute, sachliche und zielorientierte Zusammenarbeit.

Ich gehe mit gemischten Gefühlen. Einerseits empfinde ich Freude und Erleichterung über den Zeitgewinn für das Zusammenleben mit meiner Frau und Familie und für mich selbst nach insgesamt 36 Jahren mit vollem Zeiteinsatz für die Ämter als Bürgermeister von Bellenberg (24 Jahre) und dann als Stellvertreter des Landrats (11 Jahre). Andererseits ist es die Beendigung einer erfüllenden Aufgabe mit dem „Aus-den-Augen-Verlieren“ von vertrauten Menschen.

Ich habe in den vergangenen 24 Jahren im Kreistag viel erfahren und gelernt und bin dankbar für die stets sehr gute Zusammenarbeit im Gremium. Es hat immer viel Spaß gemacht. Andererseits genieße ich nun, dass endlich mehr Zeit für private Hobbys und die Familie bleibt. Ich stelle fest, dass die letzten Jahre schon sehr zeitintensiv waren und mir etwas mehr Ruhe durchaus guttut.

Es war eine sehr spannende Zeit mit vielfältigen Herausforderungen. Ich freue mich, diese an die nächste Generation weiterzugeben.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt Ihrer Arbeit im Kreistag?

Ein Höhepunkt war sicher die Schließung der Mülldeponien, die Beendigung des „Mülltourismus“ und die Schaffung einer sicheren, umweltverträglichen Entsorgung durch den Bau des MHKW in Weißenhorn, dessen Abwärme nun ein Fernwärmenetz speist.

Der Höhepunkte gab es einige. So ist es zum Beispiel ein gutes Gefühl, wenn aus dem anfangs verhassten Projekt Müllheizkraftwerk nicht nur ein verlässlicher Entsorgungsbetrieb, sondern auch ein akzeptierter Fernwärmelieferant geworden ist. Des Weiteren freut es mich, dass die finanzielle Förderung des Ehrenamts, Kitt und Stütze unserer Gesellschaft, den verdienten Stellenwert erhalten hat.

In den 36 Jahren gab es vor allem im Schulbau viele Erfolge. Auch die Schaffung der Kultur- und Sportrichtlinien im Rahmen der freiwilligen Leistungen zähle ich dazu. Darüber hinaus erfüllt mich die Wiederbelebung der Bahnstrecke Sen-den–Weißenhorn mit großer Freude.

Die zweimalige Wahl zum Stellvertreter des Landrates war für mich ein besonders motivierender Vertrauensbeweis.

Es gab eine ganze Reihe von wichtigen Themen, mit denen sich der Kreistag intensiv beschäftigt hat. Für mich persönlich waren die letzten sechs Jahre als weitere Vertreterin des Landrats sehr interessant. Ich hatte Gelegenheit, viele Menschen und Institutionen kennenzulernen, mit denen ich sonst vielleicht wenig Berührungspunkte gehabt hätte.

Die als „Utopie“ bezeichnete Reaktivierung der Bahnstrecke Weißenhorn–Senden ist ein großer Gewinn für Weißenhorn und die Umgebung! Und der Beweis, dass sich jahrelanger Kampf auch lohnt.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Landkreises Neu-Ulm während Ihrer Zeit im Kreistag?

Unter den drei Landräten – Franz Josef Schick, Erich Josef Geßner und Thorsten Freudenberger – erlebte der Landkreis eine überdurchschnittlich positive Entwicklung, was sich in der Finanzkraft, den differenzierten Bildungsmöglichkeiten, der Zunahme der Bevölkerung und hochwertiger Arbeitsplätze zeigt. Daneben kamen auch der Natur- und Umweltschutz sowie die Naherholungsmöglichkeiten nicht zu kurz.

Der Fleiß unserer Bürgerschaft sowie die Innovationskraft der bei uns ansässigen Unternehmen haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir, was die Finanz- und Steuerkraft angeht, immer mit an der Spitze der bayerischen Landkreise lagen. Diesen Spielraum zur kontinuierlichen, positiven Entwicklung unserer Heimat haben wir als Kreistag mit einer guten Verwaltung stetig genutzt.

Der Landkreis Neu-Ulm hat sich gut als Wirtschaftsstandort und Bildungsregion entwickelt. Mit der Hochschule und allen weiteren Schulen sind gute Rahmenbedingungen für die Zukunft geschaffen.

Mit der klugen Politik unserer Landräte Franz Josef Schick, Erich Josef Geßner und Thorsten Freudenberger mit breiter Unterstützung unseres Kreistages hat unser Landkreis vor allem die Handlungsfelder Weiterführende Schulen, Kliniken, Fernwärmeversorgung und Personennahverkehr (Bahnlinie Senden–Weißenhorn und Pfiffibusse) forciert und in sie investiert. Damit hat sich unser Landkreis als ein „starkes Stück von Bayern“ kräftig weiterentwickelt.

Der Landkreis hat sich zu einem modernen und leistungsfähigem Kreis entwickelt, der nicht von ungefähr stets Spitzenpositionen im Ranking mit anderen Landkreisen einnimmt.

Unser Landkreis hat sich zum starken Wirtschaftsraum entwickelt – mit bester schulischer Infrastruktur und wohnortnaher medizinischer Versorgung durch drei Krankenhäuser, deren Erhalt und Spezialisierung mir ein großes Anliegen war und ist.

Was erwarten Sie von der Zukunft des Landkreises Neu-Ulm?

Ich hoffe sehr auf eine weiterhin positive Entwicklung unseres Kreises, was durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Einbrüche der Steuereinnahmen und die Einbußen in den Krankenhäusern sehr erschwert sein wird. Der Verlust klarer Mehrheiten wird die Arbeit im Kreistag schwerer machen.

Ich hoffe, dass es auch künftig gelingt, eine vernünftige Balance zwischen Ökonomie und Ökologie zu finden. Dies im Sinne unseres christlichen Menschenbilds und einer nachhaltigen Orientierung am Gemeinwohl.

Ich erwarte, dass die Klinikreform voll umgesetzt wird. Darüber hinaus wünsche ich mir die Stärkung des Wirtschaftsstandortes mit einem starken ÖPNV, vor allem einer S-Bahn bis nach Illertissen. Aber auch die geplante sechsspurige Autobahn sollte gut angeschlossen werden.

Mit der Qualifizierung als erste Bildungsregion in Bayern, dem Klimaschutz- und Mobilitätskonzept sowie dem Klinikkonzept hat sich unser Landkreis wichtige Fahrpläne in die Zukunft gegeben. Mit der Realisierung dieser Fahrpläne wird unser Landkreis die Zukunft gewinnen und zu einem „noch stärkeren Stück von Bayern“ werden.

Ich hoffe sehr, dass die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise den Landkreis Neu-Ulm nicht zu sehr in seiner Entwicklung zurückwerfen. Ich befürchte, dass harte Zeiten auf die Kommunen zukommen werden und nicht alles, was wünschenswert ist, auch umgesetzt werden kann.

Ich wünsche mir, dass entsprechend dem letzten Wahlergebnis mehr grüne Anliegen und Inhalte zur Geltung kommen.

Interview: Jürgen Bigelmayr

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren