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Ulm

07.05.2019

"Die Schöpfung" in Ulm: Frühlingserwachen im Wintermantel

Die Solisten – hier Bariton Michael Roman und Sopran Sophie Bareis – zeigten bei „Die Schöpfung“ eine starke Leistung.
Foto: Dagmar Hub

Kalt, aber gut: Die Ulmer Kantorei bringt zusammen mit Orchester und Solisten Wärme in die Pauluskirche. Eine junge Sopranistin würde man gerne öfter in Ulm hören.

Die Leiterin der Ulmer Kantorei, Ulrike Blessing, hatte sich für das zweite große Konzert seit ihrer Ernennung für ein Werk entschieden, das traditionell dem Werden neuen Lebens im Frühling zugeordnet wird. Doch Adam (Michael Roman, Bariton) und Eva (Sophie Bareis, Sopran) sangen ihre Solopartien in Joseph Haydns „Schöpfung“ im Wintermantel. Das Oratorium, entstanden 1796 bis 1796, betrachtet die Welt und ihre Erschaffung aus der Perspektive, die Haydn seiner Zeit gemäß kannte. Der Mai ist für dieses an der Genesis, am Buch der Psalmen und an John Miltons „Paradise Lost“ orientierten Werk eine passende Zeit – doch an diesem kalten Maisonntag gelang es zwar der Musik, die Herzen der Zuhörer zu erwärmen, sonst aber war es draußen und drinnen in der Pauluskirche einfach kalt.

Es ist ein fast kindlicher Blick auf die Schöpfung, den Haydn mit seinem großen Tongemälde musikalisch interpretierte. Im Paradies herrscht kein Fressen und Gefressenwerden, wiewohl sich die Tiere auf Gottes Geheiß hin vermehren. Der schönste Teil des Werkes ist wohl der romantische dritte, wo das Libretto von der Genesis abweicht und Adam und Eva von ihrer Liebe zueinander erzählen und Gott danken. Chorleiterin Blessing folgte Haydns eigener Aufführungspraxis, indem die beiden Solisten, die die Rollen der Erzengel Gabriel und Raphael innehatten, zugleich auch die Soli von Adam und Eva übernehmen.

Sopran Sophie Bareis überzeugt mit Hingabe an die Musik

Die junge Sopranistin Sophie Bareis aus Böblingen, die am Staatstheater Karlsruhe engagiert ist, überzeugte in ihren beiden Partien so sehr mit ihrem glockenklaren Sopran und ihrer sympathischen Hingabe an die Musik, dass man ihre Stimme in Ulm gern öfter hören würde. Bareis’ Sopran und der Bariton des großartigen Michael Roman passen so gut zusammen, dass das Publikum an den Adam-und-Eva-Passagen seine reine Freude hatte, zumal beide auch mimisch Emotionen ausdrückten. Tenor Markus Francke vom Theater Ulm konnte in den wunderschön gesungenen lyrischen Passagen der Rolle des Erzengels Uriel mit den beiden anderen Solisten mithalten; wurde es in Haydns Tongemälde dramatisch, gelang das nicht in vollem Umfang.

Das Philharmonische Kammerorchester untermalte die monumentalen Chorpassagen unter Blessings temperamentvoller Leitung wohldosiert und überlagerte weder Chor noch Solisten. So wurde die Ideenwelt der Genesis musikalisch vorstellbar, in der Gott Himmel und Erde aus seiner Harmonie heraus erschafft, in der der Geist Gottes – zart interpretiert – über den Wassern schwebt: lautmalerisch die Stürme, frühlingshaft fröhlich das erste Grün der Weltenschöpfung, poetisch das Lob der Engel und dräuend tief das Leben des „Gewürms“ im Boden.

Raumfüllend erklang der Chorsatz „Heil dir, o Gott, o Schöpfer, Heil!“ – und nach den wunderschönen Duetten von Adam und Eva am Ende gab es starken Beifall und teilweise sogar Standing Ovations für die Sänger und Musiker, während der Chor, dem derzeit leider die Männerstimmen fehlen, umgekehrt den Musikern und Solisten applaudierte. (köd)

Die Ulmer Kantorei wünscht sich derzeit neue Sängerinnen und Sänger, wobei vor allem versierte Tenöre und Bässe gesucht werden. Interessierte können sich an den Chor per E-Mail an info@ulmer-kantorei.de wenden.

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