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Landkreis

30.12.2017

Die Schule der Sternsinger

Eingekleidet, geschult und bereit, den Segen auszusprechen: Diese Sternsinger ziehen ab Neujahr durch Illerberg. 

Warum laufen Kinder zu Jahresbeginn von Haus zu Haus und sammeln dabei Spenden für Ärmere? Das lernen sie in Vöhringen – doch nicht alles lässt sich planen.

Die vier bunt gekleideten Kinder klingeln an einem Einfamilienhaus und warten gespannt, bis die Tür geöffnet wird. Dann geht es los: Sie stimmen das Sternsinger-Lied an: „Wir bringen den Segen, sind Boten des Herrn“, lautet das diesjährige Stück in Vöhringen. An den ersten Haustüren sind die Sternsinger oft noch ein bisschen aufgeregt. Machen die Leute wohl auf? Wie reagieren sie? Und klappt alles? Je mehr Häuser sie ablaufen, desto sicherer werden sie. Sie haben zu Hause und im Pfarrheim auch extra geübt – Text und Melodie sollen sich schließlich schön anhören.

In Vöhringen und Illerberg treffen sich die jungen Sternsinger vorher, um sich auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Gemeindereferentin Gisela Erdt organisiert die Aktion in der Pfarreiengemeinschaft, in den Stadtteilen gibt es zudem Ehrenamtliche, die mithelfen. Für die Illerberger Kinder ist Angelika Böck zuständig.

Zu der Sternsinger-Schulung sind viele ins Pfarrheim nach Vöhringen gekommen. Erdt teilt die Kinder in Gruppen ein, vier Stationen gibt es. Am Anfang sehen sie, wohin das gesammelte Geld geht: dieses Jahr nach Indien. Denn die Sternsinger bringen nicht nur den Segen – sie sind auch Segen für viele arbeitende Kinder auf der ganzen Welt. Fernsehmoderator Willi Weitzel, aus Kindersendungen bekannt, berichtet in einem Film darüber. Die jungen Vöhringer schauen mit großen Augen hin, als eine Achtjährige erzählt, dass sie den ganzen Tag mit giftigen Stoffen arbeiten muss, um genug zu essen zu haben. Die beiden Mädchen Lara und Sophie sind da plötzlich froh, dass sie in die Schule gehen dürfen.

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Das gespendete Geld fließt nach Indien

Umso motivierter sammeln die Teilnehmer in der zweiten Station Begriffe, welche Aufgaben ein Sternsinger hat und was er für seine Tätigkeit braucht. Die Kinder können nun an den Haustüren beantworten, wohin das gespendete Geld fließt. Und sie üben den Ablauf in einem Rollenspiel: klingeln, singen und den Menschen an den Haustüren die Frohe Botschaft mitteilen: Jesus, der Sohn Gottes, ist Mensch geworden. Sie bringen den Segen Gottes in die Häuser, indem sie die Tür mit dem bekannten Kürzel 20*C+M+B*18 beschriften. Der Segensspruch „Christus Mansionem Benedicat“ bedeutet „Christus segne dieses Haus“. Normalerweise sind sie zu viert unterwegs und jeder sagt einen Spruch auf: die Heiligen Drei Könige und der Sternträger.

Gisela Erdt sagt, dass es schon in Ordnung sei, wenn jemand mal keine Lust hat, die Tür aufzumachen. Doch in einer Sache möchte sie die Leute sensibilisieren: Es komme zwar selten vor, doch manchmal beschimpfen Hausbewohner die jungen Sternsinger. „Man sollte nie vergessen, dass da Kinder stehen, die oft erst zwischen acht und zehn Jahre alt sind“, sagt Erdt. Für unvorhersehbare Situationen haben die jungen Ehrenamtlichen einen Erwachsenen dabei. Der bricht den Rundgang im Zweifel ab, etwa wenn es den ganzen Tag regnet und die Kinder nass sind.

Die Kinder üben das Sternsinger-Lied

Als Nächstes wird das Lied ein paar Mal geübt. Dieses Jahr ist es neu in Vöhringen, was für die Kleinen bedeutet: noch mehr auswendig lernen. Im letzten Schritt geht es in den Kostümverleih. Helferinnen passen die verschiedenen Gewänder an, mit Umhang, Krone und allem drum und dran. In Vöhringen treffen sich die Kinder vor der Tour im Pfarrheim, um sich anzuziehen, in Illerberg nimmt jedes Kind seine Ausstattung mit nach Hause.

Für ihr Engagement bekommen die Teilnehmer fünf Euro pro Tag von der katholischen Kirchenstiftung, Geld für sich selbst dürfen sie an den Türen nicht annehmen. Doch deswegen laufen die Kinder ohnehin nicht mit, es macht ihnen Spaß. Bei den Schulungen lachen sie und üben begeistert die Texte. Dieses Jahr sind viele Sternsinger dabei. Es habe aber auch schon Jahre gegeben, in denen manche Wohngebiete nicht abgelaufen werden konnten, erzählen Erdt und Böck. An Neujahr starten die Sternsinger in Illerberg, die Tage danach sind sie auch in der restlichen Pfarreiengemeinschaft unterwegs.

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