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Senden

14.07.2020

Die Stadt Senden will sich neu erfinden

In Senden soll in Zukunft frischer Wind wehen. Stadträte und Verwaltung wollen besser zusammenarbeiten und auch die Bürger transparenter informieren.
Bild: Angela Häusler

Plus Junge Stadt mit Freizeitwert, Gesundheit, Bildung: Senden hat bereits viele Namen gehabt. Nun soll ein neues Leitbild her – und ein neuer Ton zwischen Rathaus, Stadtrat und Bürgern.

Die Stadt Senden will sich neu erfinden – und das in mehrfacher Hinsicht. Den Auftakt dazu hat eine Stadtratsklausur eingeläutet: Bei einem großen Treffen am vergangenen Samstag haben sich Stadträte, Bürgermeisterin und Mitarbeiter der Verwaltung zurückgezogen und diskutiert. Wie steht die Stadt derzeit da? Wie können die Verantwortlichen Senden und die Ortsteile gut in die Zukunft führen? Wie geht man die anstehenden Aufgaben an – und wann welche? Und: Wie kommuniziert man die Aufgaben und Entscheidungen sinnvoll in Richtung der Bürger?

Im großen Kreis – eine Neuerung, die für Transparenz sorgen soll – informierten Bürgermeisterin und Vertreter der Fraktionen am Montag gemeinsam bei einer Pressekonferenz. Man habe bei der Klausur über die Gesamtsituation der Stadt gesprochen, sagte Bürgermeisterin Claudia Schäfer-Rudolf. Zum einen sei allen klar geworden, dass man die vor einigen Jahren gesetzte Einwohnergrenze von 25000 nicht halten könne. Derzeit zähle Senden gerundet 23000 – ohne die großen Neubaugebiete an der Unteren Au und im Stadtpark sowie der Verdichtung der Innenstadt. „Innerhalb der nächsten Jahre wird die Zahl vermutlich auf 27000 steigen“, sagte Schäfer-Rudolf. Darauf müsse die Kommune sich einstellen – mit allen Folgen, etwa für die Infrastruktur.

Neben Straßen und Betreuungsplätzen im Kindergarten wird das in Zukunft stark den Grundschulbereich betreffen: Weitere Klassenzimmer sind nötig, und zwar wegen des Baugebiets am Stadtpark vor allem in Wullenstetten. Doch diese Grundschule platzt sowieso aus allen Nähten. Überlegt wird, eine weitere Grundschule zu bauen. Möglicherweise könnte diese auf dem Schulgelände bei Mittel- und Wirtschaftsschule Platz finden. Dann wäre dort auch der Neubau einer Turnhalle sinnvoll. Gespräche mit der Lebenshilfe laufen, denn die Grundstücke in diesem Bereich gehören der Stadt und der Lebenshilfe. „Da lassen sich sicher gute Lösungen finden, aber das alles müssen wir – auch wegen der Verkehrssituation – genau überlegen“, sagte Schäfer-Rudolf.

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Stadtentwicklung in Senden soll nachhaltig werden

In Zukunft wollen Stadtrat und Verwaltung genau das tun: Die Stadtentwicklung miteinander und auf lange Sicht angehen. Das bedeute sicher oft, in kleinen Schritten voranzukommen, so die Bürgermeisterin. Aber es herrsche derzeit eine ausgesprochen konstruktive Atmosphäre, „und die werden wir auch brauchen“. Wenn dann gehe die Zukunft nur gemeinsam. Die Folgen von Corona seien derzeit noch nicht absehbar, aber Senden habe auch so „ein sehr starkes Finanzproblem“. Das Geld, das es billig von der Bank gebe, sei da nicht mal das Problem. Eher das Missverhältnis der Einnahmen zu den laufenden Kosten. Beispielsweise werden 6,6 Millionen derzeit alleine für Kinderbetreuung ausgegeben. Zum Vergleich: Senden nimmt durch Gewerbesteuer neun Millionen ein. Der Verwaltungshaushalt, der die laufenden Kosten beinhaltet, sei „in Schieflage“ und Senden bei der Steuerkraft ziemlich schwach. Dies müsse man auf lange Sicht ändern – und auch das nachhaltig.

Außerdem brauche Senden ein neues Leitbild. Der bisherige Slogan lautet „Junge Stadt mit Freizeitwert“. Es gab auch schon Namen wie Wohlfühl-, Gesundheits- oder Bildungsstadt. Aus dem Stadtrat kam die Idee, einen Wettbewerb auszuloben, um ein neues Leitbild zu finden. Maren Bachmann (SPD) sagte, die Leute müssten sich mit dem Leitbild identifizieren. Da sei Freizeitwert schlecht, wenn das Hallenbad sanierungsbedürftig sei. Zudem brauche Senden eine Strategie, um Gewerbeflächen an Firmen zu vergeben. Bachmann denkt etwa an eine „Denkfabrik“. Edwin Petruch (Freie Wähler), Yusuf Cinici (BiSS) und Manuela Huber (Grüne) sowie alle anderen anwesenden Räte lobten, wie offen und ehrlich in der Klausur diskutiert wurde. Gunter Böckeler (CSU) fand es gut, dass bei der Klausur jeder Bereichsleiter aus der Verwaltung vorgestellt hat, was er macht. Zudem sei man sich einig geworden, dass neben dem sozialen Wohnungsbau auch Wohnraum für Menschen zur Verfügung gestellt werden müsse, die mehr Geld haben. Denn Senden brauche auch Einkommensteuer. Diese lag im Jahr 2019 bei 626 Euro je Einwohner. Die Gewerbesteuer bei 469 Euro pro Einwohner.

Bauprojekte in Senden müssen schneller fertig werden

Xaver Merk (Linke) zeigte sich „schockiert“, dass in der Bauverwaltung viele Projekte liegen blieben, weil die Mitarbeiter nicht mit der Arbeit hinterherkommen. Das müsse durch Fremdvergabe oder mehr Personal besser werden. Huber fügte hinzu, Stadtrat und Verwaltung müssten Verantwortung übernehmen und inhaltlich zusammenarbeiten – auch, um die Bürger mitzunehmen. Das heiße nicht, dass alle gleicher Meinung sind, doch konstruktive Gespräche seien wichtig. Und die soll es auch in Zukunft geben, so die Bürgermeisterin, damit man regelmäßig nachjustieren könne.

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